„Sturmgeschütz der Demokratie“ angerostet

Hamburg, 4. Januar 2017 (ADN). Das Hamburger Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ begeht am Mittwoch seinen 70. Geburtstag. Wo ? An den Schreibtischen – befasst mit journalistischen Recherchen, lässt die stellvertretende Chefredakteurin, Susanne Beyer, im Morgenmagazin der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten zu Wochenbeginn wissen. Die eigentliche offizielle Feier steige am Freitag im Rathaus der Hansestadt. Die Journalistin klingt angefressen. Wahrscheinlich wegen der Generalkritik des Publikums, die unter dem Begriff „Lügenpresse“ Karriere macht und – bedauerlicherweise – auch vor dem selbsterklärten Prinzip der unvergleichlich kritischen Grundposition des Nachrichtenmagazins nicht Halt macht. Darüber und, dass die Redakteure des angesehenen Hamburger Mediums in einen Topf mit all den anderen Medien geworfen werden, sind die Spiegel-Mitarbeiter offenbar äußerst betrübt und zermartern sich die Hirne über die Ursachen dieses Phänomens. Unausgesprochen schwingt die große Enttäuschung mit, nicht mehr als Ausnahmeerscheinung unter den zahlreichen Medien wahrgenommen zu werden. Augenscheinlich hat das „Sturmgeschütz der Demokratie“ in den 70 Jahren seiner Existenz Rost angesetzt und keiner weiß so genau, wann und warum dieser Verrottungsprozess eingeläutet worden ist. Auch wenn seine Verbalwaffen aus allen Rohren schießen, nehmen es scheinbar immer weniger Leser wahr oder ernst. Das nagt ungeheuer am Selbstbewusstsein des Printmediums, dem über Jahrzehnte hinweg die Inhaberschaft der absoluten Wahrheit nachgesagt wurde. Dieser Ruf welkt nun still dahin, zumal bestimmte Tatsachen ohnehin die Relativität des Magazins bestätigen. „So wurden wir angefangen“ gesteht Gründer Rudolf Augstein nüchtern ein. Letztlich war das Ganze nicht aus eigenem Antrieb entstanden, sondern es war ein Geistesblitz der britischen Militärregierung in Deutschland. Sie gaben die Lizenz und Augstein übernahm die Erlaubnis und bemühte sich, bereits bestehende britische und amerikanische Vorbilder zu kopieren. So gelangte „Der Spiegel“ insbesondere zu Zeiten des Kalten Krieges zu Ruhm und Ehre. Danach schmolz der Sockel unter dem medialen Denkmal beträchtlich und der Heiligenschein erlitt immer mehr Kratzer. Sogar Fälle von Selbstverleugnung sind zu verzeichnen. Beispielsweise konnte oder mochte sich Ex-Chefredakteur Stefan Aust vor einem Jahr nicht mehr an die unter seiner Verantwortung entstandene Schwerpunktausgabe unter dem Titel „Die Islamisierung Deutschlands“ erinnern. ++ (me/mgn/04.01.17 – 004)

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