„Dialog der Zivilisationen“ von Wien nach Berlin umgezogen – Verdacht russischer Propaganda

Berlin, 5. Juli 2016 (ADN).  Kaum am vergangenen Wochenende in Berlin installiert werden über dem  „Dialog der Kulturen“ kübelweise Verdächtigungen, Mutmaßungen und Vorurteile ausgeschüttet. In einer Sonderbeilage der Zeitung „Der Tagesspiegel“ vom Dienstag wird über Hintergründe berichtet. Im Vordergrund stehen Befürchtungen, dass Russland mit dieser nun von Wien nach Berlin umgesetzten und dort amtlich registrierten Organisation den Westen kommunikativ stärker und offensiver unter Druck setzen will. Diese Annahme nähre sich aus dem Tatbestand, dass an der Spitze des offiziell sich als „Dialog der Zivilisationen“ (DOC) nennenden Instituts der ehemalige Chef der russischen Staatsbahnen Wladimir Jakunin steht.  Der Ex-Wirtschaftsführer und Philanthrop habe vor zwei Jahren erklärt, dass es einen Informationskrieg gegen Russland gibt. Er ist allerdings nur einer von drei Mitgründern des 2002 in der österreichischen Hauptstadt aus der Taufe gehobenen  „Öffentlichen Weltforums Dialog der Zivilisationen“. An seiner Seite stehen der indische Unternehmer und Visionär Jagdish Kapur sowie der amerikanische Geschäftsmann mit griechischen Wurzeln Nicholas F. S. Papanicolaou. Dieses Trio hatte eine im Jahr 2001 von Irans Staatspräsident Mohammed Chatami angestoßene Initiative unter dem Titel „Allgemeine Erklärung der UNESCO zur kulturellen Vielfalt“ aufgegriffen und ihr eine erste organisatorische Gestalt mit Sitz in Wien verliehen. Nun ist die internationale Einrichtung nach Berlin verlegt worden und damit in eine neue Wirkungsphase getreten. Damit hat sie offensichtlich erheblichen medialen Staub aufgewirbelt  und westliche Skeptiker zum Vibrieren gebracht. Etwas beschwichtigend,jedoch sanft diffamierend greift der Chefredakteur der Zeitschrift „Osteuropa“ ein, der vom „Tagesspiegel“ mit dem Satz zitiert wird „Vom Denken kann hier keine Rede sein. Es wäre irreführend, es als wissenschaftliches Institut ernst zu nehmen“. Es sehe derzeit danach aus, als würde das in Wien ansässige „Weltforum Dialog der Zivilisationen“ einfach seine Arbeit weitgehend nach Berlin verlagert.

Der einseitig, aber vehement geäußerte Verdacht einer reinen Propagandaoffensive erscheint schon deshalb fragwürdig, da namhafte Personen beteiligt sind. Dazu gehören der ehemalige Ministerpräsident von Brandenburg Matthias Platzeck, der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr Harald Kujat und der tschechische Ex-Präsident Vaclav Klaus. Einer unausgewogenen Zielstellung widerspricht auch die offizielle Internet-Seite des institutionellen Neuankömmlings von Berlin. Dort heißt es einerseits, dass das Forschungsinstitut „Dialog of Civilisations“ ein Thinktank ist, der sich mit den Herausforderungen der internationalen Gemeinschaft befasst und Empfehlungen ausspricht. Anderseits biete das DOC-Forschungsinstitut eine unabhängige Plattform, auf der Menschen aus aller Welt miteinander in Dialog treten und zusammenarbeiten können, um treffende Analysen und geeignete Lösungen für nationale und internationale Strategieplaner und Institutionen zu entwickeln. Ein respektvoller und fairer Dialog seien Grundlage und Vision. ++ (di/mgn/05.07.16 – 180)

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Gründung eines internationalen Forschungsinstituts zum interkulturellen Dialog

Rhodos, 20. Oktober 2015 (ADN). Das World Public Forum „Dialog der Zivilisationen“ (WPF DoC) beschloss auf seiner alljährlich auf der griechischen Insel Rhodos stattfindenden Jahresversammlung die Gründung eines neuen weltweiten Think tanks. Darüber informierte der WPF DoC-Mitgründer, Wladimir Jakunin, nach der dreizehnten Konferenz im Oktober dieses Jahres. Der Fokus dieses neuen Forschungsinstituts liege auf der Entwicklung von Wirtschaft und Infrastruktur sowie der Konfliktprävention. Darüber berichtet die Schweizer Wochenzeitung „Zeit-Fragen“ in ihrer jüngsten Ausgabe. Nach den Worten von Jakunin werden die Menschen in einer vom Konsumismus getriebenen Welt dazu erzogen, sich nur um die Befriedigung individueller Bedürfnisse zu kümmern. Dies gehe auf Kosten der individuellen Werte, welche die verschiedenen Kulturen ausmachen. „Wenn wir nicht versuchen, das unter Kontrolle zu bringen, werden wir die Prinzipien und moralischen Massstäbe der Gesellschaft verlieren“, so der ehemalige Chef der Russischen Eisenbahn. Das neue Institut solle eine Denkfabrik von Weltklasse sein und praktische Empfehlungen für die Politik geben. Eine Welt, die nur von einem einzigen Staat dominiert wird, funktioniere nicht. Die jüngsten Konflikte in Afghanistan, Irak, Lybien und Syrien hätten das Scheitern der westlichen Interventionspolitik gezeigt.

Am diesjährigen „Rhodos Forum“ nahmen mehr als 350 Delegierte aus über 50 Ländern teil. Zu den teilnehmenden Politikern, Wissenschaftlern und Präsidenten zivilgesellschaftlicher Organisationen zählten der ehemalige tschechische Präsident Vaclav Klaus, die Menschenrechtsaktivistin Cynthia Mc Kinney aus den USA und der vormalige bundesdeutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor von und zu Guttenberg. ++ (fr/mgn/20.10.15 – 284)

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