Wirtschaftssanktionen gegen Russland schädigen nur Finanzsektor

Krasnojarsk/Berlin, 20. Februar 2018 (ADN). In Russland muss man vor Ort sein, um langfristig wirtschaftlichen Erfolg zu haben. Das erklärte der Direktor für Finanzen und Informationstechnologien der in Krasnojarsk ansässigen Hauptverwaltung der Knauf-Gruppe GUS, Thorsten Schubert, am Dienstag in Berlin auf einem Dialogforum des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft zu Chancen, Tendenzen und Entwicklungen des Bauens in Russland. Sein Unternehmen, das seit 25 Jahren in Russland tätig ist, sei Teil der russischen Bauwirtschaft. In der Zwischenzeit betreibe es 15 Fabriken und diverse Steinbrüche, verteilt über das ganze riesige Land. „Wir haben jetzt 57 Millionen Euro in die Hand genommen und weitergebaut“, so Schubert. Davon würden 15 Millionen Euro zur Modernisierung einer Kläranlage eingesetzt. Lokalisierung heiße der entscheidende Slogan. Man müsse vor Ort sein, um etwas zu erreichen. Insofern gebe es in Russland eine völlig andere Situation verglichen mit Deutschland, wo sich die Bauwirtschaft beispielsweise mit mehr als 17.000 unterschiedlichen Baunormen konfrontiert sieht. Die Potentiale des russischen Baumarktes lägen im standardisierten Bauen und in der Renovierung. Allein 33 Prozent der russischen Haus- und Wohnungsbesitzer wollen ihre Immobilien erneuern. Auch der Arbeitsmarkt auf dem Bau biete günstige Bedingungen. Lohn- und Lohnnebenkosten seien signifikant niedriger  als in Deutschland. Der monatliche Durchschnittslohn – vom Fabrikdirektor bis zur Putzfrau – betrage 1.400 Euro.  Inzwischen gibt es in Russland auch genug gute einheimische Bauhandwerker, ergänzt der ebenfalls in Russland seit vielen Jahren wirkende Architekt Jürgen Willen vom Büro Willen Architekten Associates. Im „Green-Building“ – dem nachhaltigen umweltgerechten Bauen – hätten die Russen in den vergangenen zehn Jahren einen Quantensprung gemacht.

Zur allgemeinen Lage der deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen zeigte sich Schubert überzeugt, dass die Wirtschaftssanktionen gegenüber Russland die materielle Produktion nicht beeinträchtigen. Allein der Finanzsektor sei davon schwer getroffen worden. Es fehlten die Finanzierungsmöglichkeiten für kleine und mittlere Unternehmen. China könne den Ausfall nicht kompensieren. „Die Chinesen können nicht klein und mittel“, so Schubert. ++ (20.02.18 – 051)

http://www.adn46.wordpress.com, http://www.adn1946.wordpress.com, e-mail: adn1946@gmail.com, Redaktion: Matthias Günkel (mgn), adn-nachrichtenagentur, SMAD-Lizenz-Nr. 101 v. 10.10.46

Werbeanzeigen

Russland und China kooperieren auf dem Weg der „Neuen Seidenstraße“

Moskau, 11. November 2017 (ADN). Mit dem „Schwenk nach Osten“ im Zuge der Ukrainekrise nähert sich Russland an China strategisch an.  Die Volksrepublik sich nicht an den Wirtschaftssanktionen und liefert dringend benötigte Güter. Das teilt die jüngste Ausgabe des Informationsdienstes „Ostwirtschaftsreport“ aus Moskau mit. Russland sei als Transitkorridor zwischen Europa und Asien fester Bestandteil der neuen Seidenstraße. Großprojekte im Energiesektor siganalisierten eine langfristige Partnerschaft.  China sei inzwischen Russlands Handelspartner Nummer 1. In den ersten drei Quartalen dieses Jahres sei der bilaterale Handel um 22,4 Prozent auf 55,2 Milliarden Euro gestiegen. Bis Jahresende erwarte das russische Wirtschaftsministerium ein Volumen von 72 Milliarden Euro. Bis zum Jahr 2020 werde mit einer Verdopplung auf 180 Milliarden Euro gerechnet. Auf dem östlichen Wirtschaftsforum in Wladiwostok Anfang September wurden Investitionsverträge im Umfang von fünf Milliarden Euro unterzeichnet.

Im Juli dieses Jahres war der 9,1 Milliarden Euro schwere Investitions- und Kooperationsfonds zur Finanzierung gemeinsamer Projekte der neuen Seidenstraßen-Initiative und der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) gegründet worden. Die beiden Länder haben ein Memorandum zur Entwicklung der Transportkorridore Primorje 1 und Primorje 2 unterzeichnet. Dabei steht im Mittelpunkt, den Nordosten Chinas mit dem Fernen Osten Russlands zu verbinden.  Mit dem Transit chinesischer Produkte über russisches Gebiet zum Freihafen Wladiwostok verkürzt sich der Transportweg um 500 Kilometer und die Logistikkosten sinken um 40 Prozent. Die Investitionskosten für die beiden Korridore belaufen sich auf 4,4 Milliarden Euro. 

Der Informationsdienst erläutert weitere umfangreiche russisch-chinesische Kooperationsprojekte der Energiewirtschaft, des Verkehrswesens und der chemischen Industrie. Auch in der Luftfahrt planen beide Staaten Großvorhaben. So soll einen gemeinsames Langstreckenflugzeug entwickelt und gebaut werden. Unter dem Namen CR 929 wird es im Jahr 2025 auf den Markt kommen. Die Bauteile werden in Russland produziert und dann in China montiert. Der Projektumfang beträgt 11,8 Milliarden Euro. Vorgesehen ist desweiteren, gemeinsam Hubschrauber für den militärischen und zivilen Einsatz zu entwickeln und zu bauen. Anvisiert wird ein Fabrikat mit einer Reichweite von 630 Kilometern und einer Beförderungskapazität von 38 Tonnen Last. ++ (ru/mgn/11.11.17 – 316)

http://www.adn46.wordpress.com, http://www.adn1946.wordpress.com, e-mail: adn1946@gmail.com, Redaktion: Matthias Günkel (mgn), adn-nachrichtenagentur, SMAD-Lizenz-Nr. 101 v. 10.10.46