Ostdeutsche Selbstzerfleischung – Streit um Urheberschaft der Friedlichen Revolution

Leipzig, 4. Juli 2019 (ADN). Seinerzeitige Kritiker und Umstürzler der DDR gehen zu offener Selbstzerfleischung über. Der leidenschaftliche Streit entzündet sich vor dem Hintergrund,  welche politischen Gruppen und Personen die konsequentesten, klügsten und tapfersten „Revolutionäre“ gewesen sind. Anlass der heftigen Auseinandersetzung, die letztlich zwischen den Regionen rund um die Städte Leipzig und Berlin ausgefochten wird, ist die Einladung an den Links-Politiker Gregor Gysi in die Leipziger Peterskirche zu einer Festveranstaltung am 9. Oktober dieses Jahres zum 30. Jahrestag der entscheidenden Massendemonstration. Die „Leipziger Volkszeitung“ (LVZ) veröffentlicht dazu am Donnerstag einen Beitrag unter der Überschrift „Riesen-Empörung über Gysi-Auftritt in Leipzig zum Revolutions-Jubiläum“. Ehemalige DDR-Bürgerechtler hatten einen Offenen Brief verfasst, in dem es heißt: „Wir können nicht glauben, dass die Geschichtsvergessenheit bereits so weit fortgeschritten ist, dass nun schon diejenigen zu Festreden eingeladen werden, die Revolution und Einheit mit aller Entschiedenheit zu verhindern suchten.“ Es sei zynisch und empörend, dass dieser Auftritt ausgerechnet in einer Leipziger Kirche geplant ist.

Zu den rund 500 Unterzeichnern des Dokuments gehört der aus Zwickau stammende und zur Grünen-Partei gehörende Werner Schulz,  der den Vorgang gegenüber der LVZ in einem Interview als „instinktlose Provokation“ bezeichnet. Gysi mogele sich geschickt und geschichtsrevisionistisch ins Bild. „Aber man kann es nicht oft genug sagen: Die Montagsdemo am 9. Oktober 1989 war keine ‚Leipziger Revolution‘, sondern die Initialzündung für die Friedliche Revolution. So wie vor 200 Jahren der Sturm auf die Bastille am 14. Juli die französische Revolution eingeleitet hat.“ In einer LVZ-Umfrage hatten sich 72 Prozent von 12.000 Lesern für das Auftreten Gysis in Leipzig ausgesprochen. 23 Prozent waren dagegen. ++ (fr/mgn/04.07.19 – 188)

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DDR-Dissidentenszene ist Torso und ohne Lobby

Berlin, 8. November 2018 (ADN). Was Opposition in der DDR bedeutete, ist nach 1989 politisch ortlos geblieben. Sie bekam keine echte Lobby, ihre Erfahrungen wurden im öffentlichen Raum weder gehört noch ernsthaft anerkannt. Das sagte die Schriftstellerin und Hochschulrektorin Ines Geipel in einem von der „Berliner Zeitung“ am Donnerstag veröffentlichten Interview. Die wirkliche Widerstandsgeschichte des Ostens und damit auch Schmerzensgeschichte habe die Köpfe und Herzen nie erreicht. Sie sei intellektuell ungehoben und unbetreut. Diese Abwehr von Erfahrung habe bewirkt, dass viele Protagonisten der Szene entweder früh verstorben, verrückt und krank geworden sind. Einige hätten Selbstmord begangen. Die Dissidenten-Szene sei längst nur noch als Rumpf zu lesen. Die wenigen, die im öffentlichen Raum noch zu hören sind, seien Marianne Birthler und Werner Schulz. „Wach und da ist auch die Robert-Havemann-Gesellschaft und das, was um die Runde Ecke in Leipzig geschieht“, so Geipel.

Die in Berlin ansässige Robert-Havemann-Gesellschaft wird allerdings bis heute wie ein Stiefkind behandelt und muss diverse Bedrängnisse aushalten. Gegenwärtig ist sie seit längerer Zeit vom Telekommunikationsnetz abgeschnitten, weder telefonisch noch per e-mail zu erreichen. Wie die Leiterin Tina Krone ebenfalls am Donnerstag mitteilt, ist noch kein Ende der Kommunikationsblockade abzusehen. ++ (dd/mgn/08.11.18 – 292)

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