Thüringer trüben Hochamt auf das Reinheitsgebot des bayrischen Biers

Ingolstadt, 22. April 2016 (ADN). Das Hochamt zum 500. Jubiläum des Reinheitsgebots des bayrischen Biers findet am Freitag in Ingolstadt seinen Höhepunkt. Doch „von außen“ kommt Sperrfeuer. Zumindest wird die Stimmung getrübt zum Fest der „reinen Lehre“. Urheber ist die östliche Nachbarschaft der Thüringer. Dort – im speziellen Fall die Stadt Weißensee – sind vor geraumer Zeit Dokumente aufgetaucht, die in dem kleinen Städtchen ein noch viel älteres Reinheitsgebot als das bayrische nachweisen. Es handelt sich um die „Statuta Thaberna“, die seit dem Jahr 1434 Gültigkeit hat. Ihre Bierrezepturen sind sogar noch ausgefeilter und präziser formuliert als die der Bajuwaren. Die Bayern schäumen ob der Dreistigkeit einer thüringischen 4.000-Einwohner-Stadt im nördlichen Nachbarland, ihnen das regionale Heiligtum zu schänden oder gar streitig zu machen. Sie argumentieren, dass es sich in Bayern schließlich um ein 1516 erlassenes herzogliches Dekret handelt und bei der Weißenseer Konkurrenz lediglich um Wirtshausregeln lokaler Natur. Deswegen haben die Bayern, die von der Weitergeltung des Reinheitsgebots als Reichsgesetz im Jahr 1919 ihren Beitritt zur Weimarer Republik abhängig machten, von Empörung auf Ignoranz umgeschaltet. Ob es hilft, wird die Geschichte zeigen. ++ (le/mgn/22.04.16 – 112)

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