Deutschlands Nationalfeiertag ein Chamäleon

Berlin, 17. Juni 2019 (ADN). Der 17. Juni war von 1954 bis 1990 in der Bundesrepublik Deutschland Nationalfeiertag. Vorher gab es keinen. Dass er vor 65 Jahren als gesetzlicher Feiertag eingeführt wurde, haben die Westdeutschen den DDR-Bürgern zu verdanken. Den arbeitsfreien gesetzlichen Feiertag haben also die BRD-Bewohner von ihren  ostdeutschen Brüdern und Schwestern geschenkt bekommen, weil die für bessere Löhne und gegen Normerhöhungen auf die Barrikaden gegangen sind. Gegenleistungen westlicherseits gab es nur insofern und im negativen Sinne, als dass die bundesdeutsche Regierung die DDR und ihre Bevölkerung mit Handels- und Liefersperren bedacht hat. Der ostdeutsche Staat wurde auf die sogenannte Comecon-Verbotsliste gesetzt. Das sollte zu dessen Niedergang beitragen. Als es letztlich 1990 auch klappte, wurde flugs der im Jahr 1963 vom Bundespräsidenten zum „Nationalen Gedenktag des deutschen Volkes“ erklärte gesetzliche Feiertag wieder aus dem Staatskalender gestrichen. Helmut Kohl persönlich sorgte dafür, dass aus polit-technischen Gründen noch schnell Ersatz gefunden wurde. Das Substrat musste im Eiltempo beschafft werden, damit die Ostdeutschen keine Gelegenheit mehr hatten, am 7. Oktober 1990 den 40. „Tag der Republik“ zu feiern. Deutschlands Nationalfeiertag ist also ein politisches Chamäleon – frei, je nach Lage der Macht und deren politischer Färbung wandelbar. ++ (fr/mgn/17.06.19 – 171)

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Verblasster und entleerter 17. Juni

Berlin, 17. Juni 2017 (ADN).  Der 17. Juni 1953 verblasst und verkommt teilweise zur leeren Gedenkhülse. In Leipzig findet die Erinnerungsstunde jedes Jahr an einer Mahntafel in der Straße des 17. Juni sogar unter unwürdigen Umständen statt. Die Reden sind nicht zu verstehen, weil Verkehrs- und Baulärm den Teilnehmern die Ohren verstopfen.

 In einem Interview mit dem Nachrichtenportal tichyseinblick.de macht der Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde, Roland Jahn, am Sonnabend deutlich, dass dieser Gedenktag wieder deutlicher begangen werden sollte. Er wünsche sich, dass er erneut Nationalfeiertag wird. Es habe lange gedauert, um den Tag als das einzuordnen, was er war: „Ein Volksaufstand  der menschenverachtend niedergeschlagen, niedergewalzt worden ist und so ein System am Leben gehalten hat, in dem die Menschenrechte nicht mehr galten.“ Erst zum 50. Jahrestag im Jahr 2003 sei diese Erkenntnis gereift und habe sich durchgesetzt.

Um dem Tag für die Opfer greifbar zu machen, fordert Jahn, die Antragsfristen für die Rehabilitierung zu verlängern. „Es kann nicht sein, dass 2019 die Möglichkeit der Rehabilitierung für die Zeit im Gefängnis, für den Rauswurf aus der Universität, für die Nachteile im Beruf wegen einer politischen Überzeugung entfällt. Dagegen müssen wir etwas tun.“ In der DDR habe man „alle staatlichen Einrichtungen dazu genutzt, gegen die Menschen vorzugehen, die eine andere Meinung hatten und so ein ganzes Volk unterdrückt.  ++ (va/mgn/17.06.17 – 169)

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