EU verschacherte mit faustischem Pakt ihre Seele

Köln, 16. April 2016 (ADN). „Die Aufregung um Jan Böhmermann hat in Deutschland Züge einer Massenhysterie angenommen. Der Aufreger sind dabei nicht die 25 Zeilen eines profilsüchtigen Moderators, der die gelungene Extra-3-Parodie auf Erdogan toppen wollte.“ so kommentierte am Sonnabend Reinhard Baumgarten im Sender Deutschlandradio Kultur das Thema der vergangenen Woche. Der Aufreger schlechthin sei, dass sich der türkische Präsident beleidigt fühlt. Deutschland drehe sich um Jan Böhmermann, wegen dem die Türkei nicht mehr als 100.000 schutzbedürftigen Menschen den Grenzübertritt verweigert. Nicht Jan Böhmermann, sondern Ankara habe seinen ausdrücklichen Segen dafür erteilt, syrische Flüchtlinge auf syrischem Gebiet zu versorgen und sie nicht in die Türkei zu lassen. Die Menschen darben mit dem Segen Brüssels in Nordsyrien zwischen Hammer und Amboss. Sie müssen mit Drangsal und Tod klarkommen.

Die EU hat im Umgang mit Flüchtlingen bislang weitgehend versagt, so der Kommentator. „Das EU-Türkei-Abkommen vom 18. März ist ein faustischer Pakt, weil die EU ihre Seele verschachert hat.“ Schleusenwärter Erdogan sei in diesem Fall nur eine Projektionsfläche für das klägliche Versagen der EU-Staatengemeinschaft. ++ (ap/mgn/16.04.16 – 106)

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Gedeihen trotz widriger Umstände – Pädagogik für prekäre Elternhäuser und Flüchtlinge

Leipzig, 17. März 2016 (ADN). Die 1929 geborene US-Amerikanerin Emmy Werner hat Grundlagen der Resilienzforschung gelegt und damit den in zerrütteten Familien lebenden Kindern Hoffung auf eine positive Zukunft gegeben. Wie das im Einzelnen geschehen kann, erläuterte der Schweizer Psychologe Moritz Nestor am Donnerstagabend in Leipzig in einer von der Züricher Wochenzeitung „Zeit-Fragen“ organisierten Gesprächsrunde. Zunächst schilderte er das wegweisende Langzeitprojekt der amerikanischen Entwicklungspsychologin auf Hawai, bei dem der Lebensweg von 698 Kindern aus Hochrisikofamilien akribisch über Jahre und Jahrzehnte wissenschaftlich nachvollzogen wurde. Während zwei Drittel der Probanden tatsächlich – erwartungsgemäß – mit erheblichen sozialen und gesundheitlichen Problemen zu tun bekamen, trat bei einem Drittel – konkret 72 Heranwachsenden – das genaue Gegenteil ein. Trotz schwieriger Kindheit und Jugendzeit entwickelten sie große innere Widerstandskräfte und meisterten so ihr Leben selbstständig. Bis zum Alter von 40 Jahren zeigten sie keinerlei Auffälligkeiten, fasste Nestor die Ergebnisse der Untersuchung zusammen.

Zu den vier Faktoren und Faustpfanden solch erfreulicher Prozesse gehören nach den Worten des Psychologen die enge Gefühlsbindung zu mindestens einem Familienmitglied oder die Unterstützung aus dem weiteren Umkreis von Freunden und anderen Familien. So konnten durch die eigenen familiären Verhältnisse bedingte Defizite kompensiert werden. Von zentraler Bedeutung dieser sozialen Forschungsresultate sei es, dass damit der Umgang mit Kriegsopfern und dem Thema Tod menschlich zu bewältigen ist. „Das Entstehen von Resilienz oder Widerstandskraft ist kein Glücksfall, sondern erlernbar“, stellt Nestor zudem fest. Er zählte konkrete und allgemeine Möglichkeiten auf, um solche charakterlichen Eigenschaften zu entfalten. Selbsterziehung sei dabei ein alles überwölbendes Rezept. Ein solches Gedeihen trotz widriger Umstände gewinne in dieser Zeit, in der die Flüchtlingsströme nach Europa aus den arabischen und asiatische Kriegsgebieten nicht abreißen, enorm an Gewicht – sowohl für jeden aus em Ausland ankommenden heimatlosen und entwurzelten Menschen als auch für junge Leute aus dem längst seit Jahren vielerorts etablierten Hartz-IV-Milieu. ++ (ps/mgn/17.03.16 – 077)

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