„Grenzübertritte von Wildschweinen“ befürchtet – Afrikanische Schweinepest ante portas

Leipzig, 17. Januar 2018 (ADN). Es besteht erhöhte Alarmbereitschaft in allen Ebenen der Veterinärverwaltung. Grenzübertritte von Wildschweinen, die mit der Afrikanischen Schweinepest (ASP) infiziert sind, aus Polen oder Tschechien wären ein Dammbruch. „Eine Einschleppung nach Deutschland würde den Export von Schweinen und Schweinefleisch in Drittländer massiv beeinträchtigen und große wirtschaftliche Einbußen verursachen“, warnt Prof. Uwe Truyen am Mittwoch vor der Presse in Leipzig zum Auftakt des 9. Tierärztekongresses und der angeschlossenen Industrieausstellung auf dem Gelände der Leipziger Messe. Daher müsse alles daran gesetzt werden, ein Eindringen des Virus zu verhindern. Der Leiter des Instituts für Tierhygiene und Öffentliches Veterinärwesen der Universität Leipzig verweist darauf, dass für das Verfüttern von Speise- und Küchenabfällen in den EU-Mitgliedsstaaten ein Verbot bersteht. Insofern sei eine direkte Einmschleppung in Hausschweinbestände auf legalem Wege unwahrscheinlich. Sollte die Tierseuchje in Deutschland doch ausbrechen, müsse das Virus so früh wie möglich nachgewiesen und der Erstausbruch mit aller Konsequenz bekämpft werden.

Während Ausbrüche in Hausschweinbeständen durch Töten erfolgreich bekämpft werden können, sind Sperrmaßnamen zeitlich überschaubar, so Truyen. Das sei bei Wildschweinen gänzlich anders, weil vor dem Hintergrund der hohen Population der Schwarzkittel eine Tilgung schwierig ist. In einem solchen Fall müsse über einen sehr langen Zeitraum mit einer Einschränkung des Handels mit Schweinen und deren Fleisch gerechnet werden. Bisher habe nur Tschechien ein probates Bekämpfungsinstrument gefunden. Sie haben das von dem Virus befallene Gebiet nahe der Slowakei großräumig eingezäunt. Um dieses Terrain wurde eine Pufferzone gezogen, in der die Wildschweine konsequent abgeschossen werden. Um das gründlich zu erledigen, bekommen die Jäger Abschussprämien.

Die ASP ist eine hochansteckende, virale Tierseuche, die sich – von Osten kommend – langsam in Europa ausbreitet. Während es in Polen und Tschechien ausschließlich Wildschweine betrifft, sind in der Ukraine, Weißrussland und dem Baltikum auch Hausschweine betroffen. Das Virus, das ursprünglich in südafrikanischen Warzenschweinpopulationen verbreitet war, ist für den Menschen ungefährlich. Es wird durch Kontakt mit infizierten Tieren und aus deren Fleisch hergestellten Produkten übertragen. Durch die hohe Stabilität des Virus und der großen Infektionsmenge im Blut angesteckter Tiere kann es beispielsweise den Herstellungsvorgang von Rowürsten überstehen und etwa in Salami lange infektiös bleiben. Wird ein solcher Erzeugnis unachtsam als Speiserest an Schweine verfüttert oder von Wildschweinen aufgenommen, kann die Seuche in neue Populationen vordringen. ++ (vt/mgn/17.01.18 – 018)

http://www.adn46.wordpress.com, http://www.adn1946.wordpress.com, e-mail: adn1946@gmail.com, Redaktion: Matthias Günkel (mgn), adn-nachrichtenagentur, SMAD-Lizenz-Nr. 101 v. 10.10.46

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Tiermedizin will Qualitätslücke zur Humanmedizin schließen

Leipzig, 13. Januar 2016 (ADN). Auf dem 8. Leipziger Tierärztekongress wird erstmals eine Leitlinie zur anästhesiologischen Versorgung von Hund und Katze vorgestellt und diskutiert. Sie wurde von der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft erarbeitet und soll einer von mehreren Schritten sein, um an den Erfolg der Humanmedizin anzuknüpfen. Wie Prof. Michaele Alef von der Klinik für Kleintiere der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig am Mittwoch weiter erklärte, ist das Narkoserisiko der Haustiere in Deutschland verbesserungswürdig. Die Gefahr, in Narkose zu sterben, sei für Tiere ungleich höher als für den Menschen. So stürben unter Narkose 0,05 Prozent der gesunden und 1,33 Prozent der kranken Hunde. Die Veterinärmedizin läge damit in einem Bereich, der in der Humanmedizin etwa im Jahr 1940 erreicht war. Dort sei in den vergangenen Jahrzehnten eine deutliche Verringerung der Anästhesie-bedingten Sterblichkeit erreicht worden. Von 1970 bis 1980 starben noch zwei Patienten pro 10.000 Narkosen. Das waren 0,02 Prozent. Gegenwärtig sei dieser Anteil äußerst geringfügig und liege zwischen 0,00055 und 0,001 Prozent. Als weitere wichtige Etappe auf dem Weg, um die Qualitätslücke zwischen den beiden medizinischen Sektoren zu schließen, sei die bundesweite Einführung eines Fachtierarztes für Anästhesie, Schmerztheapie und Intensivmedizin. Die Qualifikation soll durch Aus- und Weiterbildung erlangbar werden.

Im Fokus des Kongresses, der parallel zur Industrieausstellung vetexpo auf der Leipziger Neuen Messe vom 14. bis 16. Januar stattfindet, stehen desweiteren die Bemühungen, den Antibiotika-Einsatz in den Tierbeständen zu verringern. Der Vizepräsident des Kongresses, Dr. Stefan Krippner, verweist darauf, dass sich der Antibiotikaverbrauch seit dem Jahr 2011 um 27 Prozent reduziert hat. Das Bundesinstitut für Risikobewertung habe zudem 2015 kundgetan, dass in der Lebensmittelkette kein Anstieg der Antibiotika-Resistenz  mehr festgestellt wurde.

Aus dem Nähkästchen der Pferdemedizin plauderte Dr. Eberhard Schüle, Vorsitzender der nach diesem Spezialgebiet benannten Gesellschaft. Auf dem Kongress soll mit Rechtsexperten der Umgang mit Stammzellen erörtert werden. Bisher hätte noch keines der existierenden Blutprodukte eine Zulassung. Um sie dennoch zum Einsatz zu bringen, habe sich in Fachkreisen eine besondere Praxis etabliert und bewährt. Danach dürfe ein Tierarzt solche Stoffe nur verabreichen, die er selbst aufgearbeitet hat. Die Weitergabe „außer Haus“ an Dritte sei untersagt. Um dies künftig zu ermöglichen, werde mit den Juristen auf der Konferenz nach akzeptablen Lösungen gesucht. ++ (13.01.16 – 013)

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