Wirtschaftswissenschaft kreiert Professur für Muttermilch-Ökonomik

Zürich, 24. Februar 2018 (ADN). Die Universität Zürich wird zu einem Zentrum der Muttermilch-Forschung. Wie die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) am Sonnabend weiter mitteilt, entsteht damit auf diesem Gebiet ein zweiter Lehrstuhl. Nach der im Sommer 2015 angekündigten Schaffung des weltweit ersten medizinischen Lehrstuhls in diesem Bereich folge nun eine zweite Professur an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät. Sie sei der „Ökonomik der Kinder- und Jugendentwicklung mit Schwerpunkt Stillen“ gewidmet. Die Finanzmittel für beide Professuren kämen von der in Zug ansässigen Familie-Larsson-Rosenquist-Stiftung. Die Dotation mit 20 Millionen Franken für den ersten und zehn Millionen Franken im zweiten Fall reiche aus, um die Stiftungsprofessuren 25 oder mehr Jahre aufrechtzuerhalten.

Noch vor einem Jahrzehnt wäre es undenkbar gewesen, eine solche Professur bei den Ökonomen anzusiedeln. „Damals hat man Fragestellungen im Umfeld von Muttermilch und Stillen noch auf reine Ernährungsfragen reduziert“, wird von der NZZ die Geschäftsführerin der Familie-Larsson-Rosenquist-Stiftung, Katharina Lichtner, zitiert. Jetzt sei jedoch die Zeit gekommen, um das Thema in seinen längerfristigen sozioökonomischen Dimensionen zu untersuchen. Nach Meinung von Rektor Michael Hengartner fügt sich das  neue Zentrum für Muttermilchforschung bestens in den bereits bestehenden Forschungsbereich Kindes- und Jugendentwicklung am Departement of Economics, dem Institut für Volkswirtschaftslehre, ein. Dort wird schon heute weltweit anerkannte Pionierarbeit geleistet, so Prof. Ernst Fehr, der als Aushängeschild dieses Bereichs angesehen wird. In der Öffentlichkeit domiere ein veraltetes Bild von Ökonomie. Heute reiche ihr Spektrum weit über klassische Probleme nach Handelsströmen oder Wechselkursen hinaus. Früher den Soziologen und Psychologen vorbehaltene Fragen würden inzwischen auch von Forscherteams der Ökonomen interdisziplinär untersucht. Wissenschaftliche Analysen zum Stillen zielten beispielsweise auf dessen Bestimmungsgründe verschiedener soziokultureller Umfelder in Entwicklungsländern ab. Dafür seien die Ökonomen mittlerweile die Spezialisten.

Mit den beiden Professuren entsteht in Zürich ein neuartiges Forschungscluster, das über die Universität hinausreicht. Das ist auch die Absicht der Stifter. Sie legen Wert darauf, ihr Engagement zu einem Netzwerk über die ganze Welt zu verflechten, das Strahlkraft auf Entscheidungsträger und Gesellschaften ausübt. ++ (wt/mgn/24.02.18 – 055)

http://www.adn46.wordpress.com, http://www.adn1946.wordpress.com, e-mail: adn1946@gmail.com, Redaktion: Matthias Günkel (mgn), adn-nachrichtenagentur, SMAD-Lizenz-Nr. 101 v. 10.10.46

Werbeanzeigen

MDR installiert Medienkompetenz-Zentrum in Thüringen – Minderwertigkeitskomplex der Kommunikationswissenschaft

Leipzig, 30. März 2016 (ADN). Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) gründet ein Medienkompetenz-Zentrum und installiert es in Thüringen. Darüber informierte MDR-Intendantin und ARD-Vorsitzende Prof. Karola Wille am Mittwoch in Leipzig zum Auftakt der 61. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikation (DGPuK) in einer öffentlichen Podiumsdiskussion. In dem Zentrum werde der Medienjournalismus den ihm gebührenden Platz finden. Derzeit werde zwar Wirkungsforschung betrieben, jedoch zu wenig. Das beginne bereits bei den Kids. Den Medienwissenschaftlern warf  taz-Chefredakteur Georg Löwisch vor, „beim Kommunizieren nicht gut zu sein, weil sie keine praktischen Journalisten sind.“ Er selbst habe in Leipzig „Zeitungskunde“ studiert. Danach sei der Kontakt abgerissen. „Sie lassen zu wenig gute Journalisten zu sich rein“, ergänzte er. Wer rein wolle, müsse Marathon laufen. In den USA sei das ganz anders. Dort würden die Praxisjahre eines Journalisten bei dessen Bemühen um eine wissenschaftliche Tätigkeit als Bonus verbucht. Mit „100 Jahren ist diese Wissenschaft wahnsinnig jung und hat gegenüber anderen Wissenschaften einen Minderwertigkeitskomplex“, so Löwisch. Den könne sie jetzt ablegen.

Bei der Begrüßung hatte DGPuK-Vorsitzender Prof. Oliver Quiring auf neu entstandenen Chancen zwischen praktischem Journalismus und Wissenschaft hingewiesen. In den vergangenen 16 Jahren sei die Sensibilität der Journalisten gegenüber ihrer eigenen Arbeit gestiegen. „Sich zu irren sei etwas anderes als zu lügen“, so Quiring. Danach hatte der Staatsrat für Kultur, Medien und Digitales der Freien und Hansestadt Hamburg, Dr. Carsten Brosda, an die völlig veränderten Spielregeln im Mediensektor erinnert und die Vertrauensfrage gestellt. „Wenn TV-Reporter polizeilich geschützt werden müssen, läuft etwas schief“, befürchtet der seit Beginn dieses Monats im Amt befindliche Landespolitiker. Es vollziehe sich eine Schumpeter’sche Zerstörungsillusion. Die Sprachlosigkeit zwischen Medienpraxis und Medientheorie sei Legion. Welche Rolle gegenwärtig noch professionelle Vermittler spielen, könne niemand definieren. „Die 142. Analyse deutscher Qualitätszeitungen brauchen wir wahrscheinlich nicht,“ teilte er provokant den Teilnehmern mit. Angesichts dieser gigantischen Kluft zwischen Praxis und Theorie hätten ingenieurtechnische Sektoren längst Stiftungsprofessuren eingerichtet.

Die DGPuK-Tagung wird anlässlich der Gründung der Kommunikationswissenschaft im Jahre 1916 am Ursprungsort Leipzig veranstaltet. Damals hatte der Nationalökonom Karl Bücher in der Messestadt das erste kommunikationswissenschaftliche Institut aus der Taufe gehoben, nachdem er in seinem eigentlichen Wissenschaftsmetier Volkswirtschaft in den Ruhestand getreten war. Er gilt als einer der Gründungsväter der Zeitungswissenschaft in Europa. ++ (me/mgn/30.03.16 – 090)

http://www.adn46.wordpress.com, http://www.adn1946.wordpress.com, e-mail: adn1946@gmail.com, Redaktion: Matthias Günkel (mgn), adn-nachrichtenagentur, SMAD-Lizenz-Nr. 101 v. 10.10.46