Zinswetten der Stadt Pforzheim vor Gericht – 800 deutsche Kommunen verzockten sich

Mannheim/Pforzheim, 8. August 2017 (ADN). Ein regelmäßig beliebtes Thema sind Löcher in örtlichen Straßen, die den Kommunen von ihren Bürgern unter die Nase gerieben werden. Sie schnell oder gar nicht zu stopfen, hängt oft von der Finanzlage der Gemeinde ab. Das verführt so manchen Bürgermeister und Kämmerer zu akrobatischen Geldoperationen, um über mageren Stadtkassen reichlich Geld regnen zu lassen. Solche Zauberkunststücke wagten in den vergangenen Jahrzehnten überraschend viele Gemeinde-Oberhäupter in Deutschland. Das Endergebnis war in der Regel mehr als ernüchternd und bestand darin, dass die Löcher in den betreffenden kommunalen Finanzhaushalten fast durchweg um ein Vielfaches größer und tiefer als auf den Ortswegen waren. Deshalb blicken gerade diese Kommunenchefs besonders interessiert auf einen am Dienstag am Landgericht Mannheim begonnenen Prozess, der am Beispiel der Stadt Pforzheim exemplarisch diese höchst zweifelhafte Art der kommunalen Vermögensbildung juristisch sezieren und beurteilen soll. Die Materie unter dem Kürzel „Zinswetten“ ist sehr komplex und für Laien so gut wie intransparent. Die Thematik ist derart undurchsichtig, dass ein bereits für April vergangenen Jahres terminierter Prozessbeginn gestrichen werden musste, weil sich der zuständige Vorsitzende Richter überfordert fühlte. Allein schon deshalb sind jetzt bereits 27 Verhandlungstage bis in den Januar 2018 hinein angesetzt worden.

Mit von Banken in großen Mengen verkauften Zinswetten sollten letztlich nicht nur kommunale Kreditgeschäfte abgesichert,  sondern es sollten damit auch Gewinne erzielt werden. Damit wurde gegen das Spekulationsverbot für Kommunen verstoßen. Nach der Finanzkrise funktionierten diese Geschäfte nicht mehr. Viele deutsche Kommunen verloren sehr viel Geld. Nach Schätzungen von Fachleuten sind die entstandenen Schäden in Milliarden-Summen zu messen, die auf diese Weise in insgesamt rund 800 Städten und Gemeinden verzockt worden sind. ++ (fi/mgn/08.08.17 – 221)

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Florenz: Logik-Spirale „Reich bleibt reich“ – Spitzenverdiener gleichen Namens über sechs Jahrhunderte hinweg

Florenz, 9. Juni 2016 (ADN). Dass Einkommens- und Vermögensvor- und nachteile im Laufe von drei Generationen verschwinden, hatte 1986 der US-amerikanische Nobelpreisträger und Ökonom Gary Becker behauptet und zu beweisen versucht. Nun haben zwei italienische Wirtschaftswissenschaftler das Gegenteil eindrucksvoll belegt. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) am Donnerstag weiter berichtet, haben Guglielmo Barone und Sauro Mocetti in einer empirischen Studie nachgewiesen, dass sich der Reichtum der Florentiner Spitzenverdiener innerhalb von sechs Jahrhundert nicht  nur erhalten hat, sondern vergrößerte.

Der Langzeitstudie lagen außerordentlich viele Daten zugrunde. Ausgangspunkt war eine digitalisierte Liste der Florentiner Steuerzahler aus dem Jahr 1427. Das lückenlose Register über die Einkommens- und Vermögensverhältnisse und die Berufe von damals 10.000 Familien entstand aufgrund einer akuten Finanzkrise. Die Stadtrepublik Florenz stand  nach einem Krieg gegen Mailand im frühen 15. Jahrhundert kurz vor der Pleite. Die Stadtregierung ließ eine Steuererhebung vornehmen, um den Bürgern Geld für die Stadtkasse abzuknöpfen. Angesichts der Finanzkrise der heutigen Zeit ist das nichts Neues. Von den 1.900 Florentiner Nachnamen aus der Frührenaissance sind im Register des Finanzamtes 584 Jahre später noch 900 übrig geblieben. 52.000 Steuerzahler trugen im Jahr 2011 noch diese Namen. Schlussfolgerung: Die selben Reichen bleiben reich. ++ (mo/mgn/09.06.16 – 154)

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