Kolloquium zum 50. Jahrestag der Sprengung der Leipziger Universitätskirche St. Pauli

Leipzig, 30. Mail 2018 (ADN). Leipzigs Universitätskirche und andere Baudenkmäler in Ostdeutschland standen am Mittwoch im Mittelpunkt eines wissenschaftlichen Kolloquiums in Leipzig, das anlässlich des 50. .Jahrestages der Sprengung der Universitätskirche St. Pauli in dem wiederaufgebauten Gebäudekomplex veranstaltet wurde. Andrew Demshuk von der American University Washington stellte zunächst seine neuesten, sehr intensiven Recherche-Ergebnisse über das politische Umfeld des für das Leipziger Stadtbild einschneidende Ereignis vor einem halben Jahrhundert dar. Dazu ist auch jüngst ein Buch erschienen, das allerdings nur in englischer Sprache unter dem Titel „Demolitation on Karl-Marx-Square. Cultural Barbarism and the People’s State in 1968“ erhältlich ist. Der junge Wissenschaftler weist darin nach, dass die Zerstörung des altehrwürdigen Baudenkmals im Stadtzentrum nicht – wie allgemein kolportiert – auf eine fast einsame Entscheidung des damaligen DDR-Staats- und Parteichefs Walter Ulbricht zurückzuführen, sondern auch von anderen Interessengruppen befürwortet und mitgetragen worden ist. 

Der Rezensent des Buches, Marcus Colla vom Kings Callage der University of Cambridge, bestätigt das. Er bescheinigt dem Osteuropa-Experten Demshuk eine beeindruckende Forschungstiefe seiner Analyse. Er habe eine große Menge von Primärquellen ans Licht gebracht, wobei er sich vor allem auf die Aufzeichnungen verschiedener Staats- und Parteiorgane bezieht. Durch diese Quellenbreite sei er imstande, „seiner Behauptung Substanz zu verleihen, dass nicht nur der Generalsekretär der SED, Walter Ulbricht, sondern eine große Zahl von Bürokraten und Verwaltungsmitarbeitern auf den Ebenen des Zentralstaates, des Bezirks und der Universität die Verantwortlichkeit für die Zerstörung getragen haben.“ ++ (rg/mgn/30.05.18 – 131)

http://www.adn46.wordpress.com, http://www.adn1946.wordpress.com, e-mail: adn1946@gmail.com, Redaktion: Matthias Günkel (mgn), adn-nachrichtenagentur, SMAD-Lizenz-Nr. 101 v. 10.10.46

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