Religionskonflikte auf tausendjährigem Papier dokumentiert

Leipzig, 12. Januar 2016 (ADN). Ein aus tausendjährigem Papier bestehendes Buch präsentierte am Dienstag die Leipziger Universitätsbibliothek Pressevertretern. Die Handschrift hat einen langen Weg hinter sich, sagt Cornelius Berthold, der die Erforschung dieses wahrscheinlich ältesten ismailitischen Buches in den Mittelpunkt seiner Dissertation gestellt hat. Sie stamme aus dem Gebiet des heutigen Nordiran und zeuge davon, dass es noch vor dem Mongolensturm zwischen den damaligen islamischen Völkern erhebliche religöse Auseinandersetzungen gegeben habe. Solche Bücher wie diese unter dem Titel „Buch des Schmuckes“ rangierende Kostbarkeit seien seinerzeit in der Gelehrtenwelt gelesen worden und hätten die Grundlage für theologische Dispute gebildet. Daraus werde darüber hinaus ersichtlich, dass es schon damals erhebliche kriegerische Auseinandersetzungen innerhalb des Islam gegeben habe. Der auf den ersten Blick unparteiische Text zeige bei näherer Untersuchung, mit welchen Mitteln gegensätzliche pro-schiitische und ismailitische Ansichten vermittelt werden. Von den frühen Ismaeliten sei bekannt, dass ihre Agenten in persönlichen Gesprächen versuchten, Menschen für ihre eigene Ideen zu interessieren.

Über die Machtstrukturen in den damaligen islamisch geprägten Regionen berichtet Prof. Verena Klemm. In der Entstehungszeit des Buches habe es sehr verschiedene Auffassungen und Strömungen im Nahen Osten gegeben. Besondere Strahlkraft hätten das Kalifat Bagdad und das Gegen-Kalifat um Kairo gehabt. Diese beiden Machtblöcke seien – ähnlich wie in der Gegenwart – schon immer zerstritten gewesen. Heute gebe es noch rund 20 Millionen Ismaeliten, in deren Kulturkreis das Buch gehört. Sie leben global in der Diaspora, vor allem jedoch in Afghanistan, im Pamir (Tadshikistan), im Jemen und in Ostafrika. Inzwischen gebe es eine ismailitische Gemeinde in Kanada, das in der Gegenwart als der von diesem Volk auserwählte Fluchtpunkt angesehen wird. ++ (ku/mgn/12.01.16 – 012)

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Unveränderte Methoden globaler Wirtschafskriegführung – Ölpreis dümpelt noch fünf Jahre

Berlin, 2. Januar 2016 (ADN). Erdöl ist so billig wie seit 1981 nicht mehr. Vorausgegangen war ein enormer Preissturz, wenn die Geldentwertung einberechnet wird. das teilte vor genau einem Jahr der Verband der Mineralölwirtschaft (MWV) mit. Die Organisation meldet nun zum jüngsten Jahreswechsel: „Auslöser der Preisrückgänge ist die gute Versorgungslage auf dem Weltölmarkt bei verhaltener Konjunktur. Die größten Förderländer Russland, Saudi-Arabien und USA produzieren Rohöl nahe Rekordniveau.“ Harmloser kann der globale Wirtschaftskrieg wohl kaum beschrieben werden, der sich gegenwärtig als ausgewachsenes geopolitisches Manöver einer US-amerikanisch-saudischen Allianz gegen Russland, Venezuela und Iran erweist. Die Methoden globaler Wirtschaftskriegführung bleiben also unverändert.

Wie lange der vor mehr als einem Jahr einsetzende Preissturz anhält, lässt sich angesichts der Hintergründe leicht erahnen. Saudi-Arabien braucht einen Ölpreis von 83 US-Dollar pro Fass, um seinen Haushalt auszugleichen. Den politischen Schaden des Preiskampfes trägt Iran – der schiitische Rivale der sunnitischen Saudis. Die persische Regierung würde zum Ausgleich ihres Haushalts einen Ölpreis von mehr als 100 US-Dollar benötigen. Billiges Öl ist für Iran wesentlich schädlicher als für Saudi-Arabien. Mindestens fünf Jahre könnte die Regierung in Riad den derzeitigen Kurs durchhalten. Nach der Durststrecke dürfte der Ölpreis steil ansteigen. ++ (en/mgn/02.01.16 – 002)

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