Eingemauerte Kinder als „Bauopfer“ in Thüringer Bauwerken

Kahla, 18. November 2017 (ADN). Die Serie ZDF-History geht am Wochenende mysteriösen „Bauopfern“ in Thüringen nach. Sagen und Mythen berichten davon, dass beim Bau von Burgen und anderen mittelalterlichen Bauwerken tatsächlich Menschen bei lebendigem Leib eingemauert wurden. Unterstützt wird das Fernsehteam bei seinen Recherchen, die sich auf die Ostthüringer Region konzentrieren, von dem Sagen-Experten Rainer Hohberg aus Hummelshain. Sein Buch „Geheimnisvolles aus der Thüringer Sagenwelt“ hatte die Fernsehproduktion angeregt.

Zahlreiche Hinweise zu mittelalterlichen Bauopfern bietet der  „Steinerne Hund“ auf Schloss Burgk. Er ist ein wichtiges Indiz für einstige Opferpraktiken. Im Archiv des Museums Hohenleuben finden sich dazu schriftliche Überlieferungen. Wie eine solche Opferung vonstatten gegangen sein könnte, hat das Filmteam auf der Burgruine Reichenfels lebensnah durchgespielt. Als Darsteller bei dem Experiment wirken Männer und Frauen aus Hohenleuben mit und – als Bauopfer – der zehnjährige Franz Otto.

Dass Derartiges auch andernorts in Thüringen praktiziert worden sein sollte, ist aus dem südwestthüringischen Vacha bekannt. In dem Rhön-Städtchen wurde der grausamen Legende nach ein Kleinkind ich die steinerne Brücke über die Werra eingebaut, damit das der Standfestigkeit der Flussüberquerung Gewähr bietet. Zuvor war die aus Holz bestehende Brücke durch eine Flut im Jahr 1342 zerstört worden. Beim Neubau der neuen Steinbrücke stürzten immer wieder Bögen ein. Deshalb habe man sich zu dem Kindesopfer entschlossen. „Während der Steinmetz das Kind einmauerte, aß es ruhig von einer Semmel und bat um ein Gucklöchelchen. Und seiner herzlosen Mutter habe es nacheinander zugerufen: ‚Mütterchen, jetzt seh‘ ich dich noch ! – Mütterchen, nun seh‘ ich dich noch ein klein wenig – Ach Mütterchen, jetzt seh‘ ich dich gar nicht mehr'“, heißt es über über den schrecklichen Vorgang in dem Buch „Thüringer Sagen“ von Paul Quensel.  Dass sich das so oder ähnlich ereignet hat, soll ein kopfähnlicher Stein an der Ostseite der Brücke zwischen dem vierten und fünften Bogen beweisen. Die Brückenbauopferszene ist in der Diele des historischen Rathauses von Vacha bildlich dargestellt.

Viel später wurde die Brücke zum Symbol für die deutsche Teilung und Wiedervereinigung. Über sie verläuft die Landesgrenze zwischen Thüringen und Hessen. Bei der Sanierung der Brücke in den Jahren 1993/94 wurden keine menschlichen Überreste gefunden. Allerdings waren im Frühjahr 1945 während der letzten Kämpfe des Zweiten Weltkriegs die mittleren Brückenbögen gesprengt worden. ++ (hi/mgn/18.11.17 – 323)

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Jagdschloss Hummelshain von eigentumsrechtlichen Geheimnissen umwabert

Kahla, 27. Februar 2016 (ADN). Eigentumsrechtliche Geheimnisse umwabern das Jagdschloss Hummelshain bei Kahla. Nicht erst seit gestern, sondern seit Jahrzehnten behindern diese juristischen Rätsel die dringend notwendige bauliche Instandsetzung und Erhaltung des allgemein als letzter fürstlicher Schlossbau auf deutschem Boden geltenden Palais. Am Freitag erläuterte der Vorstand des Fördervereins bei einem Pressegespräch vor Ort eindringlich die Problemlage zu dem von 1880 bis 1885 unter Herzog Ernst I. von Sachsen Altenburg errichteten Prachtbaus. Dabei wurde der derzeit als Eigentümer Fungierende – selbst anwesend – wie ein rohes Ei behandelt, obwohl gerade seine Person, seine Firma und seine juristische Position als äußerst fragwürdig zu bewerten sind. An den mysteriösen Besitzverhältnissen scheiterte bislang eine umfassende Sanierung des eindrucksvollen Gebäudes. Der 1998 gegründete Förderverein Schloss Hummelshain, der sich äußerst emsig um das weitere Schicksal des Kulturdenkmals kümmert, will das in den Historismus einzuordnende Schlossensemble vor dem Verfall und dem Vergessen bewahren. Vorsitzender Rainer Hohberg kritisierte die zögerliche Haltung der Verantwortlichen. Auf Vereinsinitiative wurde ein erstes Baugutachten zum Zustand des auch „Thüringens Neuschwanstein“ genannten Bauwerks in die Wege geleitet und nun präsentiert. 

Die verwirrenden Eigentumsrechte fanden nur am Rande Erwähnung. Eine deutliche Sprache sprechen jedoch die zur Verfügung gestellten Unterlagen. Aus einer sehr akribisch erarbeiteten Dokumentation geht hervor, dass „das Schloss bis heute tatsächlich nicht vollständig bezahlt ist.“ Rund 300.000 Euro seien bis heute noch offen. „Des Weiteren wurden skandalöse Vorgänge aus dem Jahr 2008 aufgedeckt – ein echter Immobilienkrimi.“ Dabei spielt die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) Thüringen eine besonders nebulöse Rolle. ++ (ku/mgn/27.02.16 – 058)

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