Wohnungswirtschaft mit „BerlinStrategie 2.0“ zurück in finstere Zeiten vergangener Jahrhunderts – Absage an lebenswerte Stadt

Berlin, 18. September 2016 (ADN). Mit Nachverdichtungsbauten wie in der Gubitzstraße im Bezirk Prenzlauer Berg fällt Berlin zurück in längst überwunden geglaubte Zeiten. Unbesonnte Wohnungen sind seit den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts nicht mehr neu gebaut worden. Das schreibt die aktuelle Ausgabe des monatlich erscheinenden „MieterMagazins“ zu dem im Juni dieses Jahres vom Berliner Senat beschlossenen Wohnungsneubauprogramm mit dem irreführenden Titel „BerlinStrategie2.0“, das zu spürbar mehr Wohnraum sorgen soll. Die landeseigene Wohnungsgesellschaft Gewobag schaffe einen wahrhaft düsteren Hinterhof nach berüchtigtem Alt-Berliner Vorbild. „Der siebengeschossige Neubau mit 51 Wohnungen schließt sich an einen Zeilenbau aus den 1960er Jahren an und füllt nicht nur die zuvor offene Ecke aus – im Innenhof wird auch noch ein Seitenflügel hochgezogen. Die Seitenflügel sind einseitig nur nach Norden ausgerichtet, sprich: Sie bekommen nie Sonne. Der Neubau nimmt auch den Mietern aus dem bestehenden Zeilenbau Licht und Luft. Das bisher an drei Seiten freie Gebäude ist nun völlig eingebaut. Die Fenster an der Giebelseite sind zugemauert und auf der Südseite bekommen die Mieter nur noch für wenige Stunden die Sonne zu sehen, in den unteren Wohnungen im Winter gar nicht mehr“, heißt es in der Publikation. „Zurück in die Kaiserzeit“ gehe es auch am Petersburger Platz 8 in Friedrichshain. Wo einmal ein Hinterhaus stand, das im Krieg zerstört wurde, zieht ein privater Eigentümer nun wieder ein Quergebäude hoch – nicht nur fünfgeschossig  wie früher, sondern mit sieben Geschossen. Der große, grüne Hof, in dem die Mieter selbst Beete angelegt, Einfassungen gemauert und Bänke aufgestellt hatten, sei dahin. Die Bäume wurden gefällt, die Grünanlagen verwüstet. Zur Entschädigung hätten die Mieter von der Hausverwaltung 130 Balkonpflanzen bekommen. 

das „MieterMagazin“ nennt weitere Beispiele für dieses massenhaft grassierende Berliner Phänomen und konstatiert, dass diese Form der Verdichtung eine klare Absage an eine lebenswerte, kinderfreundliche Stadt ist. ++ (so/mgn/18.09.16 – 254)

http://www.adn46.wordpress.com, http://www.adn1946.wordpress.com, e-mail: adn1946@gmail.com, Redaktion: Matthias Günkel (mgn), adn-nachrichtenagentur, SMAD-Lizenz-Nr. 101 v. 10.10.46

Zalando setzt architektonisches Signal am Berliner Spreeufer

Berlin, 6. September 2016 (ADN). Berlins neuer Stern am Wirtschaftshimmel funkelt in absehbarer Zeit noch greller. Das soll am Spree-Ufer mit einem architektonischen Edelstein geschehen, zu dem am Dienstag unmittelbar neben der Mercedes-Benz-Arena der Spatenstich vollzogen worden ist. In einer Bauzeit von genau 24 Monaten soll ein Gebäudekomplex für 2.700 Zalando-Mitarbeiter entstehen, der als Hauptsitz des Unternehmens fungiert und den Mittelpunkt des Firmen-Campus mit insgesamt Berliner 5.000 „Zalandos“ bilden wird. Der Chef des mit der Bauentwicklung beauftragten Architekturbüros, Prof. Gunter Henn, beschreibt den sinnstiftenden Zweck des Projekts so: „Zalando wird Hierarchie durch Kommunikation ersetzen“. Die typische Berliner Blockbebauung werde hier durch „konkave Einkerbungen“ geöffnet. Die Rasterstruktur verschiebe sich diagonal zum Bebauungsplan, Innenhöfe rückten an die Außenkanten der Grundstücke. Diese Transparenz ermögliche Übergänge zwischen den Büros und dem öffentlichen Raum. Die durchsichtigen und transluzenten Fassaden gewährten Ein- und Ausblicke zur Vielfalt des Unternehmens.

Das Entstehen eines so offenen Quartiers verdeutlicht den nächsten Schritt in der urbanen Entwicklung, um das Viertel für den zunehmenden öffentlichen Nahverkehr und den Fahrradverkehr zu erschließen, sagte Berlins Bausenator Andreas Geisel. Demnächst werde eine Brücke über die Spree geschlagen, die nur Fußgängern und Radfahrern vorbehalten ist. Damit werde dem Bürgerentscheid von 2008 „Spreeufer für alle“ entsprochen und das neue Bauvorhaben füge sich in dieses Grundkonzept maßgeschneidert ein. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller würdigte Zalando als Beschäftigungsmotor, der zu Berlins 20 größten Arbeitgebern gehört und einer der zwei M-Dax-Konzerne der Hauptstadt – neben Springer – ist.

Zalando-Mitgründer David Schneider beschreibt die raketenartige Firmenentwicklung. Das 2008 in einer Wohnung in der Torstraße von Berlin-Mitte gegründete Unternehmen sei dann rasch – um die Ecke – in ein richtiges Büro der Zinnowitzer Straße gezogen, um sich dann im „Umspannwerk“ Prenzlauer Berg weiter zu entfalten. Inzwischen gibt es in Berlin zahlreiche Standorte des Technologie- und Logistikkonzerns, der weltweit 11.000 Mitarbeiter beschäftigt und im vergangenen Jahr einen Umsatz von drei Milliarden Euro erzielte.

Die neue Firmenzentrale, die auf dem vom amerikanischen Grundstückseigentümer Anschutz Entertainment Group Developement (AEG) angekauften, rund 10.000 Quadratmeter großen Gelände errichtet wird, dürfte neue Maßstäbe der  Stadtentwicklung setzen. Bauherr ist die Münchner Grund Immobilien Bauträger GmbH und das ausführende Bauunternehmen die Porr AG. ++ (me/mgn/06.09.16 – 242)

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Ostdeutsche kaufen selten Wohneigentum in Berlin – Mehr Erwerb durch Westdeutsche und Ausländer

Berlin, 9. Dezember 2015 (ADN). Eine Auswertung des Immobilienunternehmens Ziegert hat ergeben, dass jeder zweite Käufer einer Berliner Eigentumswohnung bereits einen Wohnsitz in der bundesdeutschen Hauptstadt hat. Der Anteil internationaler Käufer liege – bezogen auf das gesamte Stadtgebiet – bei etwa 20 Prozent, steige zum Zentrum der Metropole hin jedoch kontinuierlich an. Wie der Firmeninhaber des in Berlin führenden Vertriebsunternehmens für Eigentumswohnungen, Nikolaus Ziegert, zu Wochenmitte in einer Pressemitteilung weiter informiert, suchen ausländische Interessenten mit „wachsender Intensität vor allem in der östlichen Innenstadt in Mitte und Prenzlauer Berg“. In Mitte habe sein Unternehmen Neubauprojekte zu mehr als 40 Prozent an internationale Käufer vergeben. Im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf sei dagegen die Nachfrage aus Westdeutschland mit fast 40 Prozent am größten. Insgesamt liege der Käuferanteil der übrigen Bundesländer bei etwa 30 Prozent.  Aus den ostdeutschen Bundesländern – ausgenommen Berlin – stammen nur fünf Prozent der neuen Wohnungseigentümer und dann zumeist aus Brandenburg.

Im Mittelpunkt der als weitgehend representativ zu betrachtenden Analyse der Ziegert Bank- und Immobilienconsulting GmbH standen 1.367 Kauffälle, die im Jahr 2014 sowie in der ersten Hälfte dieses Jahres abgewickelt worden sind. In diesem Zeitraum wurden in Berlin insgesamt 29.520 Wohnungen verkauft.

Nach Angaben von Ziegert können sich 25 Prozent der Berliner Mieter Eigentum leisten. Da der derzeitige Käufer mit einem Haushaltseinkommen von etwa 4.500 Euro deutlich über dem durchschnittlichen Bruttomonatsverdienst der Berliner Bevölkerung (3.000 Euro) liegt, appellierte der Immobilienexperte an Bauträger, mehr preisgünstiges Wohneigentum zu schaffen. ++  (im/mgn/09.12.15 – 334)

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