Hessen sperrt NSU-Bericht für 120 Jahre – Enkel der Informanten sollen geschützt werden

Wiesbaden, 3. Juli 2017 (ADN). Die ungewöhnliche Frist nährt Verschwörungstheorien. Zu dieser Schlussfolgerung kommt Susanne Höll in der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) am Montag, nachdem sie die Vorgänge in und um den hessischen NSU-Untersuchungsausschuss beleuchtet hat. Den Grundstein für wildeste Spekulationen liefert das Landesamt für Verfassungsschutz, indem es die Sperrfrist seiner internen Analyse auf sage und schreibe 120 Jahre festgesetzt hat. So lange soll der Rapport den Augen der Öffentlichkeit entzogen werden. Das Verhindern von Transparenz und Aufklärung zu so eklatanten Vorgängen erreicht somit ein schier überirdisches Maß an Verdunkelung. Selbst die katholische Kirche, die noch viele Geheimnisse aus den schlimmen Zeiten ihrer Existenz sorgsam hütet und sich nur langsam öffnet, dürfte über diesen Grad der Geheimniskrämerei den Kopf schütteln. Die Argumentation des hessischen Landesamtes für Verfassungsschutz zu einer solchen „Ewigkeitsklausel“ ist mehr als eigenartig und fragwürdig: Es gehe um den Schutz der Zuträger, die bei einer Publikation in Gefahr gerieten. Auch wenn die jüngsten aller Zuträger des hessischen Verfassungsschutzes in 120 Jahren mit größter Wahrscheinlichkeit nicht mehr leben, müsse verhindert werden, dass sich im 22. Jahrhundert irgendjemand am Enkel eines Dienst-Informanten rächen möchte.

Ein Geheimpapier-Experte hält die hessische Entscheidung für Unfug und grotesk. Seine Erklärung für eine so lange Geheimhaltung, die bestenfalls nur noch für brisante Spionageabwehr-Aktionen bestimmt wird, ist, dass der Mängelbericht so gut wie möglich kaschiert werden soll. Um so mehr blühen die Spekulationen über das Vertuschen peinlicher Pannen oder über noch viel Schlimmeres. ++ (vs/mgn/03.07.17 – 185)

http://www.adn46.wordpress.com, http://www.adn1946.wordpress.com, e-mail: adn1946@gmail.com, Redaktion: Matthias Günkel (mgn), adn-nachrichtenagentur, SMAD_Lizenz-Nr. 101 v. 10.10.46

Werbeanzeigen

Wichtige verschollene Fotos von brennendem NSU-Wohnmobil aufgetaucht

Eisenach/Gotha, 18. November 2015 (ADN). Erst vier Jahre nach dem Brand des berüchtigten Wohnmobils des NSU-Trios in Eisenach sind wichtige bislang verschollene Fotos Ende der vergangenen Woche aufgetaucht. Sie waren von der Berufsfeuerwehr Eisenach unmittelbar nach dem Ereignis gemacht worden und sind die einzigen, die die Situation im Inneren des Fahrzeugs unmittelbar am Ort der Handlung im Eisenacher Ortsteil Stregda am 4. November 2011 abbilden und unverzüglich mitsamt der Kamera von der Polizei beschlagnahmt wurden. Darüber berichtet der Radiosender MDR info am Mittwoch. Die Fotografien waren bei einer diskreten Suchaktion in den Räumen der Polizei Gotha gefunden worden. Zudem tauchte dabei eine bislang ebenso unbekannte 400seitige Ermittlungsakte über einen Banküberfall in Arnstadt am 7. September 2011 auf, der den beiden NSU-Angehörigen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt zugeschrieben wird.

Der Fund, der wesentlich zur Aufklärung der NSU-Mordserie beitragen könnte, dürfte sich angesichts des Umfangs des Verbrechens und dessen mysteriöser Hintergründe zu einem Skandal im Skandal entwickelt. Den Stein zu der bemerkenswerten Suchaktion bei der Gothaer Polizei hatte der NSU-Untersuchungsausschuss des Thüringer Landtags ins Rollen gebracht, der intensiv nach dem Verbleib der Feuerwehrfotos gefahndet hatte. ++ (ne/mgn/18.11.15 – 313)

http://www.adn46.wordpress.com, http://www.adn1946.wordpress.com, e-mail: adn1946@gmail.com, Redaktion: Matthias Günkel (mgn), adn-nachrichtenagentur, SMAD-Lizenz-Nr. 101 v. 10.10.46