Zwischenbilanz: „Fake News“ kein neues Phänomen

Köln/Berlin, 27. November 2018 ADN). „Fake News“ ist kein neues Phänomen. Die Sache ist weit über Trump hinaus kompliziert und gefährlich. Es geht auch um weit mehr als nur um Journalismus. Diese Einschätzung gibt am Dienstag die Nachrichtenredaktion des Deutschlandfunk in einer Zwischenbilanz.

Neben den zahlreichen Erscheinungsbildern von Halbwahrheiten bis hin zu Desinformationskampagnen nennt der Sender das Manko fehlender Themen und die eventuell lückenbehaftete Themenauswahl. „Berichten wir noch genug über Syrien und kommt der Jemen zu kurz ? Haben wir die Armut in Deutschland genug auf dem Schirm und warum ist das Auto in vielen journalistischen Köpfen so wichtig“, wird gefragt. ++ (me/mgn/27.11.18 – 311)

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„Konstruktiver Journalismus“ im Diskurs

Berlin, 2. April 2018 (ADN). Der „konstruktive Journalismus“ ist umstritten. Der Deutschlandfunk widmet dem Thema am Montag breiten Raum und lässt den Gegnern mehr Argumentationszeit als den Befürwortern. Als Erfinder der lösungsorientierten Journalistik wird der Nachrichtenchef des dänischen Rundfunks, Ulrik Haagerup, bezeichnet. Er hat dazu ein Buch geschrieben.

Gegner solch positiver Berichterstattung äußern harsche Kritik. Zu ihnen gehört die Autorin Kathrin Hartmann. Nach ihrer Ansicht sollen Journalisten gesellschaftliche Miss-Stände aufdecken und Machtverhältnisse offenlegen. Derartiger Journalismus sei aber teuer und werde aus Kostengründen oft weggelassen. „Da kriegt das dann so eine Schieflage, wenn wir dann plötzlich ‚Konstruktiven Journalismus‘ haben, der einfache Lösungen für komplexe Probleme vorschlägt. das kann das gesellschaftliche Ungleichgewicht oder die Probleme möglicherweise sogar noch verstärken“, so Hartmann. Zudem würden so aber nur die Ideen großer westlicher Unternehmen und Organisationen weiter getragen. Dann handele es sich klar um PR. ++ (me/mgn/02.04.18 – 092)

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„Die Zuschauer sehen alles“ – Journalismus mit zu großer Distanz zur Wirklichkeit

Köln, 14. März 2017 (ADN). „Nahe an den Menschen sind Journalisten nur, wenn sie zu den Menschen gehen. Wenn ich nur in der Redaktion in Köln, Hamburg oder Berlin sitze, werde ich viele Sachen gar nicht mitbekommen“. Dieses Eingeständnis machte der Chefredakteur von RTL Television und Geschäftsführer von Info Network, Michael Wulf, unter dem Schlagwort „Lügenpresse“ in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ), das in der Dienstagausgabe veröffentlicht ist. Vor zwei Jahren hätte der Sender eigens eine Mitarbeiterwohnung eingerichtet, in der Reporter und Redakteure einige Zeit leben und mit den Menschen vor Ort Interviews führen, sich gemeinsam Sendungen ansehen und besprechen, sich im direkten Umfeld umsehen. Derzeit werde das gerade in Chemnitz gemacht, zuvor sei man in Duisburg-Aldenrade gewesen. Dabei bestätige sich immer wieder: Die Zuschauer sehen alles. Damit gab Wulf indirekt zu, dass die Journalisten bislang eigentlich auf Distanz zur Bevölkerung und deren Wirklichkeit gegangen waren und sind.

Zwar ist der Chefredakteur nicht der Meinung, dass es in Deutschland generelle Vorbehalte gegen den Journalismus gibt. Die Menschen erwarteten jedoch von den Medien eine verlässliche Faktenbasis, auf der Politik und andere Themen diskutiert werden können. Erfolge seien nur durch Qualitätsnachrichten zu erreichen und aufrechtzuerhalten. Wer bei Facebook, Twitter, Instragram oder Snapchat unterwegs sei, dem falle es nicht so leicht, zwischen Fake News, Informationen mit gewissem kommerziellem Hintergrund und echten Nachrichten zu unterscheiden. ++ (me/mgn/14.03.17 – 069)

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24-Stunden-ARD-ZDF-Nachrichtenkanal als Gegengewicht zu Russia Today gefordert

Köln, 23. Juli 2016 (ADN). Der ehemalige Leiter des ARD-Hauptstadtstudios Ulrich Deppendorf fordert, ein Gegengewicht zum Nachrichtenkanal Russia Today zu schaffen. Das bekräftigte er in einem Gespräch mit dem Journalisten Daniel Bouhs, der am Sonnabend im Deutschlandfunk seine Gedanken über die Einrichtung eines vollwertigen Nachrichtenkanals der ARD und des ZDF äußerte. Die Berichterstattung am Vortag zu dem Attentat in München habe gezeigt, dass es ein wachsendes Bedürfnis für einen solchen Sender gibt. Temporär seien die beiden öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten dieser medialen Nachfrage infolge des brutalen Ereignisses in der bayrischen Landeshauptstadt auch tatsächlich gefolgt. Allerdings sei darauf zu verweisen, dass für einen solchen 24-Stunden-Nachrichtenkanal die personelle Substanz – beispielsweise genügend qualifizierte Reporter – fehlt. Das habe auch der Erste Chefredakteur von ARD-aktuell, Kai Gniffke, bestätigt. Sein Redaktionsteam hatte sich entschlossen, am Freitag von 20 Uhr bis 0.30 Uhr am Sonnabend mit „tagesschau“ und „tagesthemen“ auf Dauersendung zu gehen, um fortlaufend über die Entwicklung in München zu berichten. Nach Gniffkes Auffassung ist Live-Berichterstattung nichts Neues und Recherche unter Live-Bedingungen gebe es schon lange. 

Das Bemühen der beiden bundesdeutschen Fernsehsender um minutiöse und präzise Berichterstattung steht allerdings in krassem Gegensatz zu der Geheimniskrämerei innerhalb ihrer eigenen Medienapparate. Seit Monaten rumort es dort. Die Forderungen nach Transparenz über die Höhe der Honorare für diverse Moderatoren werden immer lauter. Sie offenzulegen, weigern sich die Sender-Verantwortlichen jedoch bisher strikt. Dennoch ist der Bedarf an solchen Informationen mindestens ebenso groß wie nach einem 24-Stunden-Nachrichtenkanal, nachdem für die 2013 eingeführte Rundfunkgebühr unverhältnismäßig scharfe Zwangsbeitreibungsmethoden praktiziert werden. ++ (me/mgn/23.07.16 – 198)

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Vormarsch des politischen Populismus unter die Lupe genommen

Leipzig, 31. März 2016 (ADN). Der politische Populismus ist in westeuropäischen Demokratien auf dem Vormarsch und die einschlägige Literatur wächst rasant. Allerdings wurden die wenigen theoretischen Annahmen bisher kaum systematisch überprüft. Das taten nun Schweizer Medienwissenschaftler von der Universität Zürich und präsentierten ihre Ergebnisse am Donnerstag in Leipzig. Da sich empirische Untersuchungen häufig auf einzelne Länder, vordefinierte populistische Akteure und Wahlkämpfe beschränkte, hatten die Forscher eine halbautomatisierte Inhaltsanalyse der Parteiprogramme, Pressemitteilungen, Wahlkampfpresseberichte und Routineberichterstattung in Deutschland, Österreich und der Schweiz vorgenommen. Sie fanden heraus, dass ein nicht zu vernachlässigender Anteil der politischen Kommunikation im deutschsprachigen Raum aus Populismus besteht. Zu den vier Ausgangshypothesen gehörten eine stärkere Verbreitung des Populismus in Boulevard-Medien gegenüber den sogenannten Qualitätsmedien und eine größere Ausprägung in Meinungsbeiträgen im Vergleich zu Nachrichten. Die Befunde ergaben auch Überraschendes. So lag die deutsche „Bild-Zeitung“ am Ende der Hit-Liste des Populismus, während die schweizerische „Weltwoche“ und die österreichische „Kronenzeitung“ die Spitzenpositionen einnehmen. Die Wochenpresse zeigte sich insgesamt am populistischsten. Nach den Worten von Johannes Kaiser manifestiert sich Populismus in fragmentierter Form. Interviews böten dafür beliebte Nischen. „Die meisten Populisten sagen nicht ständig populistische Dinge“, so der junge Medienforscher und verwies auf den Niederländer Geert Wilders. Ein Hauptschlachtfeld bilde das widersprüchliche Verhältnis zwischen Volk und Eliten. Letztere stehen unter dem Verdacht, dem Volk die Souveränität zu entziehen. Populisten postulierten dagegen dem monolithisch und homogen erscheinenden Volk diese Souveränität wieder zurückgeben zu wollen. Einer weiteren Erkundung bedarf nach den Worten von Kaiser die Frage, mit welcher Dosis und welchem Typ von Populismus die Zeitungsleser alltäglich konfrontiert werden. Auch die differenzierte Betrachtung von Links- und Rechtspopulismus sei näher unter die Lupe zu nehmen.

Susanne Fengler von der Technischen Universität Dortmund stellte eine vergleichende Untersuchung von 26 Tageszeitungen in 13 ost- und westeuropäischen Ländern – einschließlich der Ukraine und Russland – über den Ukraine-Konflikt vor. Auch dabei trat Erstaunliches zutage. So berichteten britische, rumänische und lettische Medien unerwartet wenig über dieses Thema. Die beiden untersuchten russischen Zeitungen – die angeblich staatsnahe „Rossiskaya Gaseta“ und der wirtschaftsliberale „Kommersant“ – boten kaum Unterschiede voneinander. Nur selten wurde auf deren Titelseiten über den Konflikt berichtet. Nachrichten und Reportagen darüber waren um so häufiger im Innenteil der Blätter zu finden. ++ (me/mgn/31.03.16 – 091)

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