„Babylonische Sprachverwirrung“ über einen Antrag: Verfassungsrang für deutsche Sprache

Berlin, 2. März 2018 (ADN). Kurz vor Mitternacht ist im Deutschlandfunk am Freitag die Rede von „Babylonischer Sprachverwirrung“, bevor ein wenige Minuten langer Beitrag über einen Antrag der Alternative für Deutschland (AfD) zur Veränderung des Grundgesetzes gesendet wurde. Das Ansinnen zielt darauf, der deutschen Sprache in der Bundesrepublik Deutschland Verfassungsrang zu verleihen. In der Debatte über den vom Abgeordneten Stephan Brandner eingebrachten Antrag verschütteten die Redner der anderen Parteien Kübel von Spott. Es wurde mehrfach in mehr oder wenig bekannten deutschen Dialekten wie Plattdeutsch vorgetragen oder auf die Extremmundart  Oberpfälzisch verwiesen. Einige Sprachakrobaten versuchten es mit Lateinisch und in einer romanischen Sprache. Es fehlte nicht einmal der ausdrücklich hämische Hinweis darauf, dass die AfD ihr Programm auch in russischer Sprache veröffentlicht hat. Der Zweck aller gegnerischen Übungen war unübersehbar – den Antrag zu verunglimpfen und lächerlich zu machen. Letztlich wurde der AfD-Antrag zur weiteren Beratung in den Innenausschuss verwiesen.

Auch der in Deutschland seit Jahrzehnten tätige gemeinnützige Verein deutsche Sprache strebt danach per Grundgesetz zu verankern: „Die Sprache der Bundesrepublik Deutschland ist Deutsch“. Die Vereinigung begründet das folgendermaßen: „Eine präzise, allgemein verständliche Landesprache ist eine unersetzliche Ressource für jede persönliche und gesellschaftliche Aktivität. Sie ist ebenso wichtig wie Luft, Wasser, Boden und Kapital. Ohne eine verbindliche Verständigungsgrundlage funktioniert buchstäblich gar nichts, weder in Staat und Gesellschaft, noch in Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur oder Technik.“ Weiterhin macht der Verein darauf aufmerksam, dass die große Mehrzahl der europäischen Nachbarländer – nämlich 18 von 28 – ihren jeweiligen Amtssprachen auch Verfassungsrang gegeben haben. Zudem wird darauf hingewiesen, dass eine solche Adelung der deutschen Sprache nur für den öffentlichen Raum gilt. Im Privaten könne jeder Einwanderer seine Muttersprache, seinen Dialekt und seine Mundart ungehindert pflegen. ++ (vf/mgn/02.03.18 – 061)

http://www.adn46.wordpress.com, http://www.adn1946.wordpress.com, e-mail: adn1946@gmail.com, Redaktion: Matthias Günkel (mgn), adn-nachrichtenagentur, SMAD-lizenz-Nr. 101 v. 10.10.46

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Petition sorbischer Kultur-Rebellen an Europäisches Parlament übergeben

Cottbus/Straßburg, 16. Februar 2018 (ADN). Die Initiative zum Erhalt des Sorbisch-Unterrichts in der brandenburgischen Niederlausitz mit ihrer Inspiratorin Kathleen Komolka an der Spitze übergab am Freitag im Europäischen Parlament eine Petition, die von 34.000 Unterstützern unterzeichnet worden ist. Darin geht es um das regelmäßige Unterrichten an den Schulen in sorbischer Sprache auf dem Gebiet des Bundeslandes Brandenburg. Derzeit wird noch an 23 Schulen in der Niederlausitz Sorbischunterricht angeboten. Das gerät nunmehr in Gefahr, weil das Landesbildungsministerium Mindestschranken festlegen will. Zunächst sollte in einer entsprechenden Verordnung fixiert werden, dass der Unterricht dieser slawischen Sprache erst ab einer Schülerzahl von zwölf gewährleistet wird. Auf lautstarke Proteste hin hatte dann der seinerzeit zuständige Landesminister Günter Baaske Zugeständnisse gemacht und wollte diese Schranke auf fünf Schüler herabsetzen. Seine Amtsnachfolgerin Britta Ernst tendiert nun wiederum zu der ursprünglichen weit höheren Marke. Das alles spielt sich ab vor dem Hintergrund, dass die Verfassung des Landes Brandenburg den Sorben eine umfassende Sicherung und Förderung ihrer Kultur und Identität gewährleistet.

Die sorbische Minderheit, die neben Brandenburg auch in Teilen Sachsens ansässig ist, befürchtet aufgrund vergangener und aktueller Ereignisse den allmählichen und lautlosen Niedergang und Tod ihrer Traditionen und kulturellen Gepflogenheiten einschließlich der Muttersprache. Der Grundstein für diese diskriminierende Behandlung hatte bereits in grundlegende Vertragsdokumente der deutschen Wiedervereinigung gefunden. So mussten sich die Sorben anstatt eines angemessenen Eintrags im Grundgesetz mit einer Denkschrift zum Einigungsvertrag zufrieden geben. In einer Protokollnotiz zum Einigungsvertrag heißt es lediglich, dass das Sorbentum und die sorbische Kultur frei sind.

Inwischen haben die sorbischen Kultur-Rebellen weitere vielseitige Unterstützung erhalten, beispielsweise von dem sogenanten Sorbenrat. Er ist in der Landeshauptstadt Potsdam dem Parlament beigeordnet. Zudem fordert die Stadt Cottbus, den Zugang eines jeden Schülers zum Sorbisch/Wendisch-Unterricht zu sichern. Kommentare aus der Bevölkerung sind etwas drastischer formuliert. Nach Auffassung von Heidrun Fischer kann es nicht sein, „dass man in den Schulen Türkisch-Unterricht einrichtet, während man Sprachen wie Sorbisch/Wendisch dem Untergang weiht“. Karl Mühlbauer fragt noch etwas zugespitzter, für was das in der Groko vorgesehene Heimatministerium unter Leitung von Horst Seehofer zuständig sein soll. „Für die schon länger Dagewesenen oder für die Invasoren ?“ ++ (li/mgn/16.02.18 – 047)

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