Vertrauen – ein kostbares und sensibles Gut

Leipzig, 22. März 2019 (ADN). Bei zu vielen Menschen ist Vertrauen gefährdet oder gar zerstört. Es ist oft ein langer Weg, es wieder zurückzugewinnen, damit Mitmenschlichkeit und Solidarität wieder blühen können. Diese Erkenntnis stand eingangs eines Gesprächsforums am Donnerstagabend in Leipzig, das vom Schweizer Psychiater Moritz Nestor einfühlsam und tiefgründig eingeletet wurde. Im Mittelpunkt seines Vortrags standen die Reminiszenzen einer 75jährigen Frau und ihrer Familie, deren Lebensweg von Württemberg nach Osteuropa nach Besarabien – ins heutige Moldawien – führte. Den geschichtlichen Hintergrund bildeten die Anwerbungen des russischen Zaren Alexander, der mit kostenlosem und zinsfreiem Land fleißige Deutsche auf seinen Territorien neu ansiedeln wollte. Es entstanden erst 24 Musterkolonien mit 9.000 Personen. Später vergößerte sich deren Zahl auf 150 Kolonien mit 93.000 Siedlern. Diverse Fluchten und Vertreibungen in den beiden Weltkriegen führten die Frau und ihre Mutter durch den Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn sowie nach Polen und zurück nach Deutschland. Trotz der kaum aushaltbaren Grausamkeiten, mit denen die Meschen konfrontiert wurden,  obsiegte letztendlich dennoch wieder die Menschlichkeit miteinander – sogar von Feind zu Feind.  ++ (ps/mgn/22.03.19 – 080)

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Gedeihen trotz widriger Umstände – Pädagogik für prekäre Elternhäuser und Flüchtlinge

Leipzig, 17. März 2016 (ADN). Die 1929 geborene US-Amerikanerin Emmy Werner hat Grundlagen der Resilienzforschung gelegt und damit den in zerrütteten Familien lebenden Kindern Hoffung auf eine positive Zukunft gegeben. Wie das im Einzelnen geschehen kann, erläuterte der Schweizer Psychologe Moritz Nestor am Donnerstagabend in Leipzig in einer von der Züricher Wochenzeitung „Zeit-Fragen“ organisierten Gesprächsrunde. Zunächst schilderte er das wegweisende Langzeitprojekt der amerikanischen Entwicklungspsychologin auf Hawai, bei dem der Lebensweg von 698 Kindern aus Hochrisikofamilien akribisch über Jahre und Jahrzehnte wissenschaftlich nachvollzogen wurde. Während zwei Drittel der Probanden tatsächlich – erwartungsgemäß – mit erheblichen sozialen und gesundheitlichen Problemen zu tun bekamen, trat bei einem Drittel – konkret 72 Heranwachsenden – das genaue Gegenteil ein. Trotz schwieriger Kindheit und Jugendzeit entwickelten sie große innere Widerstandskräfte und meisterten so ihr Leben selbstständig. Bis zum Alter von 40 Jahren zeigten sie keinerlei Auffälligkeiten, fasste Nestor die Ergebnisse der Untersuchung zusammen.

Zu den vier Faktoren und Faustpfanden solch erfreulicher Prozesse gehören nach den Worten des Psychologen die enge Gefühlsbindung zu mindestens einem Familienmitglied oder die Unterstützung aus dem weiteren Umkreis von Freunden und anderen Familien. So konnten durch die eigenen familiären Verhältnisse bedingte Defizite kompensiert werden. Von zentraler Bedeutung dieser sozialen Forschungsresultate sei es, dass damit der Umgang mit Kriegsopfern und dem Thema Tod menschlich zu bewältigen ist. „Das Entstehen von Resilienz oder Widerstandskraft ist kein Glücksfall, sondern erlernbar“, stellt Nestor zudem fest. Er zählte konkrete und allgemeine Möglichkeiten auf, um solche charakterlichen Eigenschaften zu entfalten. Selbsterziehung sei dabei ein alles überwölbendes Rezept. Ein solches Gedeihen trotz widriger Umstände gewinne in dieser Zeit, in der die Flüchtlingsströme nach Europa aus den arabischen und asiatische Kriegsgebieten nicht abreißen, enorm an Gewicht – sowohl für jeden aus em Ausland ankommenden heimatlosen und entwurzelten Menschen als auch für junge Leute aus dem längst seit Jahren vielerorts etablierten Hartz-IV-Milieu. ++ (ps/mgn/17.03.16 – 077)

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