Erinnerung an legendären Arbeitskampf – Glutnester des Hungerstreiks sind existent

Bischofferode, 27. August 2017 (ADN). An den Aufsehen erregendsten Arbeitskampf nach der deutschen Wiedervereinigung erinnert das Wirtschaftsmagazin „brand eins“ in seiner aktuellen August-Ausgabe. Der Streik fand im thüringischen Bischofferode statt. Dabei verweigerten Kalibergleute sogar die Nahrungsaufnahme und mussten schließlich wegen Körperschwäche ins Krankenhaus gebracht werden. Der Hungerstreik erreichte bundes- und weltweit höchste Aufmerksamkeit. Er rückte die mit Brachialgewalt ausgeübte Tätigkeit der Treuhandanstalt, die mehrere tausend volkseigene Betriebe der DDR mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln privatisierte, in ein äußerst fragwürdiges Licht.

Der unter dem Siegel „Vergessene Helden“ subsummierte Beitrag lässt durchaus darauf schließen, dass noch Glutnester der heftigen Proteste  gegen die rücksichtslose Vernichtungsmaschinerie der Treuhand existieren. Da die betroffenen Menschen der „Schrottpresse“ der DDR-Wirtschaft – rein physisch gesehen – entgehen konnten, sind deren Gedanken immer noch mit den Hintergründen dieses wirtschaftlichen Zusammenbruchs beschäftigt. „Heute ist klar, dass von Anfang an keine Rolle spielte, ob irgendjemand das Bergwerk hätte retten können. Es durfte keine Zukunft haben. Die Kaligrube ‚Thomas Müntzer‘ war Spielball eines großen Deals geworden, in dem es um ‚Marktbereinigung‘ ging. Im Zuge einer deutsch-deutschen Fusion sollten die ostdeutschen Kaligruben mit den Bergwerken der in Kassel ansässigen BASF-Tochter Kali und Salz (K + S) zu einem gesamtdeutschen Monopolisten verschmolzen werden“, schreibt das Wirtschaftsmagazin. Die Arbeiter hätten von ihrer Gewerkschaft keine Unterstützung erhalten. im Gegenteil. Die IG Bergbau und Energie habe in Kassel sogar eine Demonstration für die Schließung von Bischofferode organisiert. Nicht jeder habe seinen Frieden gemacht. Auch 24 Jahre danach hätten nicht alle damit abgeschlossen. Weitere Kapitel des legendären Hungerstreiks könnten folgen. Soziale Vulkane benötigen nicht hundert oder tausend Jahre, um erneut auszubrechen. ++ (so/mgn/27.08.17 – 240)

http://www.adn46.wordpress.com, http://www.adn1946.wordpress.com, e-mail: adn1946@gmail.com, Redaktion: Matthias Günkel (mgn), adn-nachrichtenagentur, SMAD-Lizenz-Nr. 101 v. 10.10.46

 

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Pressefreiheit innovativ blockiert – 70-Tage-Stromsperre für Journalistenbüro

Leipzig, Berlin, 30. Oktober 2015 (ADN). Nach 70 Tagen Blockade der Elektroenergieversorgung wurde am Donnerstag in Leipzig ein gesellschaftskritisches Journalistenbüro nach massiven Protesten wieder freigeschaltet. Die Stomsperre war am 19. August dieses Jahres ohne nachvollziehbare Begründung von den Stadtwerken Leipzig veranlasst worden.  Obwohl das Redaktionsbüro seine Monatsraten für den Stromverbrauch seit Jahren regelmäßig bezahlt, behauptete der lokale Energiemonopolist das genaue Gegenteil und ließ vom Netzbetreiber – eine Tochtergesellschaft – die Elektroenergieleitung abklemmen. Die daraufhin von dem Medienbüro eingeschaltete bundesweit agierende Schlichtungsstelle Energie, die von der deutschen Energiewirtschaft und den Verbraucherzentralen zur Lösung von Versorgungskonflikten installiert wurde, lehnte nach einigen Korrespondenzen mit den Streitparteien eine weitere Vermittlung ab.

Als einzige Alternative, um die reguläre und aktuelle Berichterstattung des Nachrichtenbüros wiederaufnehmen zu können, bot sich schließlich der Versorgerwechsel an. Dieser verzögerte sich allerdings auf Betreiben des Leipziger Monopolisten erheblich. Letztlich wurde sogar der unmittelbare Dialog verweigert. Das von den Journalisten angestrebte direkte Gespräch mit dem für die Energiezufuhr zuständigen Netzbetreiber-Unternehmen wurdesogar rüde abgewehrt. Die Team-Leiterin der Abteilung „Kundenservice“ der Netz Leipzig GmbH  hatte den betrieblichen Wachdienst schriftlich angewiesen, einem Vertreter der Redaktion wegen seiner „negativen Auffälligkeiten“ den Zutritt auf das Unternehmensgelände und zu der Kundenabteilung zu verwehren. Diese innovative Variante, Presse- und Informationsfreiheit zu blockieren, hat nun durch die von einem Hamburger Energielieferanten aufgenommene Stromversorgung ein vorläufiges Ende gefunden. Künftige Schikanen liegen dennoch im Bereich des Möglichen. ++  (me/mgn/30.10.15 –  294)

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