Wettbewerb zum Verbraten der kommunalen Selbstverwaltung

Meiningen/Jena, 11. März 2017 (ADN). Eingliederungsvereinbarungen gibt es ab sofort nicht nur nur für Langzeitarbeitslose, sondern auch für Kommunen. Die Thüringer Gebietsreform macht es möglich. Große, starke Gemeinden treten mit kleinen, schwachen in einen Unterordnungsdialog, um am Ende eine Eingliederungsvereinbarung zu schließen. Erfolgreich tut das gerade die Stadt Jena mit dem bislang souveränen, nahe gelegenen Schöngleina, berichtet die „Ostthüringer Zeitung“ am Sonnabend. Jenas Oberbürgermeister Albrecht Schröter und Ortsbürgermeister Holger Mix hätten „auf einem Treffen, an dem auch Gemeinderäte sowie Mitarbeiter der Stadt Jena teilnahmen, erste konkrete Gespräche über die Details einer Eingliederung von Schöngleina nach Jena geführt.“ Mix halte es für realistisch, dass im Oktober ein unterschriftsreifer Eingliederungsvertrag auf dem Tisch liegt.

Die südthüringische Stadt Meiningen tut dies nach allen Seiten. Wie Bürgermeister Fabian Giesder in einem Interviw mit dem „Meininger Tageblatt“ am Wochenende zugibt, geschieht das sogar heimlich. Es gebe eine ganze Reihe von Kontakten. Er habe „schon viele Abende in Gemeinderatssitzungen und Einwohnerversammlungen verbracht und dabei sehr positive Gespräche geführt.“. Er prognostiziert einen regelrechten Wettbewerb um  wechselseitiges Aufgeben und Verspielen der kommunalen Selbstverwaltung. „Wenn die ersten Eingemeindungsverträge verhandelt sind – auch wir sind auf einem guten Weg -, wird sich der Prozess beschleunigen“, sagt Giesder. ++ (gf/mgn/11.03.17 – 066)

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„Meininger“ zu Grabe getragen – Tod einer legendären Hypothekenbank

Meiningen/Frankfurt am Main, 18. Mai 2016 (ADN). Die „Meininger“ war jahrzehntelang der Inbegriff einer klassischen Hypothekenbank in der Finanzwelt. Zu Pfingsten wurde sie in aller Stille zu Grabe getragen und fuhr zum Fest der geistigen Erleuchtung gen Himmel. Nicht aus der kleinen südthüringischen Stadt Meiningen, in der ihr sagenhafter Aufstieg mit der Gründung am 13. Dezember 1862 als erste deutsche Hypothekenbank begann. Auch nicht in einer ihrer Zwischenstationen – Weimar, Bremen oder Hamburg – sondern in Frankfurt am Main. Unter dem Namen Eurohyp fristete sie seit 2005 ein Dasein auf der Pflegestation unter dem Dach der Commerzbank. Es war ein Tod auf Raten, schreibt am Mittwoch das „Handelsblatt“, das der fast 154 Jahre alten Bankdame im Mittelteil einen kleinen Beitrag widmet. Nur wenige andere Blätter verbreiten die Nachricht nur noch als Randnotiz.

Die Deutsche Hypothekenbank Meiningen hatte mit einer Lizenz des kunstbeflissenen Theaterherzogs von Sachsen-Meiningen, der auf dem Kultursektor seinen „Meiningern“ unauslöschlichen Ruhm auf Europas Theaterbühnen verschaffte, das Hypothekengeschäft auf den deutschen Territorien in Betrieb gesetzt und ihm zu ungeahnten Höhenflügen verholfen. Die Bank expandierte vor allem in der Agrarwirtschaft und in ländlichen Regionen – in den Anfangsjahren geradezu explosionsartig, aber dennoch stabil, seriös und akzeptiert. Preußen, Ungarn, Bayern, Baden und Lothringen gehörten zu den Schwerpunkten der „Meininger“ Banktätigkeit. Bekannte Finanzexperten wie Friedrich Eduard Oberländer, Rudoph Sulzbach und Ludwig Kirchner waren ihre personellen Aushängeschilder. Nun gehen die letzten beiden Vorstände Sascha Klaus und Dirk Wilhelm Schuh geradezu geräuschlos. Von einst 2.000 Mitarbeitern wickeln 100 übrig gebliebene im Auftrag der Commerzbank Restkredite von Gewerbeimmobilien ab. Nach zahlreichen vorausgegangenen Fusionen mit anderen Hypothekenbanken bildete sich 2002 die Eurohyp aus den Hypothekar-Sparten der Deutschen Bank, der Dresdner Bank und der Commerzbank. Letztlich kam die Commerzbank ins Schlingern, wurde vom Staat gerettet und musste für die Staatshilfe der EU-Kommission versprechen, die Eurohyp zu verkaufen. Als dies nicht gelang, einigten sich Brüssel und Frankfurt am Main auf die Abwickung des Instituts. Seit 2012 firmierte sie als Hypothekenbank Frankfurt. Diesen Namen trägt der Grabstein. Der Nachlass von 100.000 Verträgen zur Immobilienfinanzierung geht in die Bücher der Commerzbank über. Der Umzug dorthin trägt die Projektnamen „Fuchstanz“ und „Crest“. ++ (fi/mgn/18.05.16 – 132)

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absurde Pressefreiheit: Kommunikations- und Pressezentrum in Südthüringen stillgelegt

Meiningen, 3. Mai 2016 (ADN). Es gibt nur ein Meiningen, aber viele Meinungen. Dieses Urteil des Komponisten Richard Wagner über das idyllische südthüringische Städtchen im Werratal gerät ins Wanken. Der prominente Künstler hat die Meinungsvielfalt  damals für eine natürliche Gegebenheit gehalten. Offensichtlich ist das in der Gegenwart keine Selbstverständlichkeit mehr, denn in der Nähe von Meiningen wurde in den vergangenen Jahren die Tätigkeit eines Kommunikations-, Informations- und Pressezentrums Schritt für Schritt blockiert, eingeschränkt und schließlich vollständig eingedampft. Die Perfidie der verantwortlichen Verwaltungsbürokraten bestand darin, dass mit vorgeschobenen Scheinbegründungen beispielsweise zur Wahrung des Denkmalschutzes die Aktivitäten des Zentrum zum Stillstand gebracht worden sind. Die Gebäude im Ortskern der Karnevalshochburg Wasungen wurden heimlich und leise enteignet, beschlagnahmt, ausgeräumt und umfunktioniert. Betroffene Eigentümer und Mieter wurden gar nicht eingeschaltet und ignoriert. Das Haus wird zu einem Erstaufnahmelager für Flüchtlinge umgebaut. Die massive Einschränkung von Meinungsfreiheit weckt Galgenhumor und lässt den Tag der Pressefreiheit, der am Dienstag allerorten begangen wird, zum Trauerspiel im Inneren Deutschlands werden. Die in dem Informationszentrum Tätigen sind ins Exil nach Sachsen gegangen. Von dort aus betreiben sie den Rückgewinn ihrer alten Wirkungsstätte, die in diesem Jahr ihr 20jähriges Bestehen begeht. ++ (me/mgn/03.05.16 – 117)

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Henneberger Grafen gehörten zu Schlüsselfiguren der Reformation

Schleusingen, 5. März 2016 (ADN). Eine äußerst nachgefragte Neuauflage der „Genealogie der Grafen von Henneberg“ wurde am Sonnabend in Kloster Veßra bei Schleusingen vorgestellt. Die Sonderveröffentlichung des Hennebergisch-Fränkischen Geschichtsvereins (HFG) enthält neu aufgefundene Daten zu einzelnen Personen des Adelsgeschlechts, das im deutschen Mittelalter in der Zeit von 11. bis bis 16. Jahrhunderts eine bedeutende politische Macht verkörperte. Der Historiker und Autor der Publikation Heinrich Wagner teilte während seines Festvortrags in einem vollbesetzten Saal des ehemaligen hennebergischen Hausklosters des Prämonstratenstifts Veßra mit, dass unter Mithilfe zahlreicher Archive, Museen und anderen Einrichtungen im In- und Ausland ein sehr informatives, reich bebildertes und tiefgründiges Werk zustande gekommen ist. Erste Planungen und Entwürfe zu dem Kompendium, das Auskunft über mehr als 200 Personen innerhalb von 500 Jahren gibt, stammen nach den Worten von Wagner aus dem Jahr 1996.

Trotz erheblicher Gebietsverluste waren die Henneberger, deren Stammsitz nahe der südthüringischen Stadt Meiningen lag, die größte weltliche Macht im Fränkischen Reichskreis. 1337 fungierte Berthold IV. als Berater von drei Kaisern auf der Bertholsburg. Die Grafschaft bewegte sich dauerhaft im Konfliktbereich mittel- und süddeutscher Herrschaften. Dadurch wurde schließlich Wilhelm VI. von Henneberg-Schleusingen zur Durchsetzung der Reformation im 16. Jahrhundert gezwungen. Der am 1. September 1554 geschlossene „Kahlaer Vertrag“ sah eine Erbverbrüderung mit den Wettinern vor. Diese Übernahme Hennebergs durch Sachsen bei Ableben der Henneberger Linie trat im Jahre 1583 mit dem Tod des letzten Fürstgrafen Georg Ernst ein. Den Ernestinern (Weimar/Gotha) standen sieben Zwöftel und den Albertinern fünf Zwölftel der Erbmasse zu. Weitere Zersplitterungen des hennebergischen Vermögens folgten. Während des Dreißigjährigen Krieges war die Schleusinger Bertholdsburg, die Thüringens älteste fürstliche Residenz ist, häufig Schauplatz wichtiger diplomatischer und politischer Verhandlungen. 1624 traf Graf Tilly als Abgesandter des Herzogs von Bayern zur Fürstenversammlung auf der Festung ein. Im Jahr 1631 verhandelte König Gustav Aolf von Schweden nach der Schlacht bei Breitenfeld auf der Schleusinger Bertholdsburg mit seinem militärischen Hauptgegner Wallenstein. Heute zeugen vor allem zahlreiche, teilweise verfallene Burg- und Schlossanlagen im fränkisch-thüringischen Raum von der einstigen Machtfülle der Henneberger Grafen. Dazu zählen die Bertholdsburg in Schleusingen und  die „Schlösser“ Aschach un Ebenhausen. ++ (he/mgn/0503.16 – 065)

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