Abschaffen der Wahlkreise – Schweizer Kanton plant Revolution des Wahlsystems

Neuenburg, 21. September 2017 (ADN). Trotz des als mustergültig angesehenen demokratischen Wahlsystems in der Schweiz sehen die Eidgenossen Änderungsbedarf. Er soll sogar revolutionär ausfallen, wenn es nach dem Willen der Regierung im Westschweizer Kanton Neuenburg geht. Am kommenden Sonntag wird dort darüber abgestimmt, ob die Wahlkreise und Listenverbindungen abgeschafft, die Zahl der Parlamentarier von 115 auf 100 reduziert und die Zehn-Prozent-Hürde gestrichen werden soll. Wie die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) am Donnerstag weiter berichtet, hat es die Abstimmungs-Vorlage in sich. Sollte das Anliegen angenommen werden, ändere sich zwar am Alltagsleben der Bevölkerung kaum etwas. Allerdings komme es auf institutioneller Ebene zu Neuerungen, die einer Revolution gleichzusetzen sind.

Die NZZ schreibt: „Das wichtigste Novum ist die Abschaffung der Bezirke. Nur in den Kantonen Genf und Tessin gibt es bei den kantonalen Wahlen nur einen Wahlkreis, wobei es den Parteien im Südkanton freisteht, ob sie regionale Listen oder eine einzige Wahlliste vorlegen  wollen. In allen anderen Kantonen entscheiden die Bürger nur über die Sitzverteilung im Wahlkreis, in dem sie wohnhaft sind. Für die Neuenburger Regierung ist die Einschränkung ein alter Zopf, den es abzuschneiden gilt.“

Alain Ribaux erhofft sich von der „Reform der Institutionen“ , dass sie den krisengeschüttelten Kanton zusammenschweißt. „Wer von der Gesamtbevölkerung gewählt wird, fühlt sich auch für die Gesamtbevölkerung verantwortlich“,  sagte der zuständige Neuenburger Staatsrat bei der Präsentation des Vorhabens. Das schaffe Zusammenhalt. ++ (dk/mgn/21.09.17 – 265)

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Hausaufgaben gibt es schon 500 Jahre – Dennoch pädagogischer Quatsch

Köln, 21. Dezember 2015 (ADN). Seit 500 Jahren gibt es im deutschen Schulsystem Hausaufgaben. In Schulordnungen um die Jahre 1450 bis 1480 gibt es Hinweise darauf, dass über die damals Privatarbeit genannte Tätigkeit räsoniert wird. Das erklärte der Bildungsexperte Armin Himmelrath am Montag im Deutschlandfunk-Interview. Bisher gebe es in den vergangenen 130 Jahren keine wissenschaftliche Studie, die die Wirksamkeit der Methode beweist. Die meisten Analysen kämen zu dem Ergebnis, dass Hausaufgaben nichts bringen und pädagogischer Unsin sind – also Zeitverschwendung. Zuhause zu lernen, sei ein Zufallsprodukt. Stattdessen plädiert Himmelrath für Schulaufgaben, die von den Kindern im schulischen Umfeld selbstständig zu lösen sind. Kinder ohne Hausaufgaben seien zudem glücklicher.

Nach den Worten von Himmelrath geht es bei Hausaufgaben „um dieses Hinsetzen und im Grunde unter Zwang bestimmte Dinge sich aneignen zu sollen.“ Das sei „natürlich auch vom pädagogischen Aspekt her eigentlich totaler Quatsch, wenn man bedenkt, dass man jemanden mit Strafe  bedroht und er dann besser lernt.“ In der Schweiz habe es einmal einen Kanton gegeben, der für vier Jahre die Hausaufgaben abgeschafft hatte. Auf Druck der Eltern wurden dann wieder die ursprünglichen Zustände hergestellt.

Himmelrath hat eine Streitschrift unter dem Titel „Hausaufgaben -Nein Danke !“ verfasst und bekommt dafür viel Zustimmung. Befürworter von Hausaufgaben jedoch fühlen sich in ihrer pädagogischen Ehre gekratzt.  ++ (pg/mgn/21.12.15 – 346)

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