Berlin – ein urbanes Wuchergewächs: Expansion ins Umland muss gezügelt werden

Erkner, 22. Juli 2016 (ADN). Die Großstadt Berlin expandiert uferlos. Die Stadt platzt irgendwann aus allen Nähten. Zu diesem Fazit kommt der Wirtschaftsgeograph Prof. Oliver Ibert vom Institut für Raumbezogene Sozialforschung (IRS) Erkner. Der Leiter der Forschungsabteilung „Dynamik von Wirtschaftsräumen“ stellt in einem Interview mit der „Berliner Zeitung“ am Freitag fest, dass die Entwicklung der Region unabhängig irgendwann fixierter administrativer Grenzen weiter geht. Eine solche Stadt wuchere in absehbarer Zeit übergangslos ins Umland. Dennoch sei Mega-City nicht der treffende Begriff. Solche unkontrollierten urbanen Entwicklungen wie in Mexiko-Stadt oder Kairo  vollzögen sich ohne Baurecht und mit grundlegenden Problemen wie Mangel an sauberem Trinkwasser sowie großer sozialer Ungleichheit. Bei Berlin sei das nicht der Fall.

Nach Auffassung von Ibert ist der Stadt-Land-Gegensatz, durch den man binnen einer Stunde vom Berliner Zentrum mitten in die Natur gelangt, ein historisches Geschenk. Doch es bestehe die Gefahr, dass das Umland von Berlin immer mehr zersiedelt wird. Die dortigen Kommunen würden diesen Trend sogar noch fördern und überall Einfamilienhaussiedlungen installieren wollen. Das müsse von der Landespolitik verhindert werden. ++ (ge/mgn/22.07.16 – 197)

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Religionskonflikte auf tausendjährigem Papier dokumentiert

Leipzig, 12. Januar 2016 (ADN). Ein aus tausendjährigem Papier bestehendes Buch präsentierte am Dienstag die Leipziger Universitätsbibliothek Pressevertretern. Die Handschrift hat einen langen Weg hinter sich, sagt Cornelius Berthold, der die Erforschung dieses wahrscheinlich ältesten ismailitischen Buches in den Mittelpunkt seiner Dissertation gestellt hat. Sie stamme aus dem Gebiet des heutigen Nordiran und zeuge davon, dass es noch vor dem Mongolensturm zwischen den damaligen islamischen Völkern erhebliche religöse Auseinandersetzungen gegeben habe. Solche Bücher wie diese unter dem Titel „Buch des Schmuckes“ rangierende Kostbarkeit seien seinerzeit in der Gelehrtenwelt gelesen worden und hätten die Grundlage für theologische Dispute gebildet. Daraus werde darüber hinaus ersichtlich, dass es schon damals erhebliche kriegerische Auseinandersetzungen innerhalb des Islam gegeben habe. Der auf den ersten Blick unparteiische Text zeige bei näherer Untersuchung, mit welchen Mitteln gegensätzliche pro-schiitische und ismailitische Ansichten vermittelt werden. Von den frühen Ismaeliten sei bekannt, dass ihre Agenten in persönlichen Gesprächen versuchten, Menschen für ihre eigene Ideen zu interessieren.

Über die Machtstrukturen in den damaligen islamisch geprägten Regionen berichtet Prof. Verena Klemm. In der Entstehungszeit des Buches habe es sehr verschiedene Auffassungen und Strömungen im Nahen Osten gegeben. Besondere Strahlkraft hätten das Kalifat Bagdad und das Gegen-Kalifat um Kairo gehabt. Diese beiden Machtblöcke seien – ähnlich wie in der Gegenwart – schon immer zerstritten gewesen. Heute gebe es noch rund 20 Millionen Ismaeliten, in deren Kulturkreis das Buch gehört. Sie leben global in der Diaspora, vor allem jedoch in Afghanistan, im Pamir (Tadshikistan), im Jemen und in Ostafrika. Inzwischen gebe es eine ismailitische Gemeinde in Kanada, das in der Gegenwart als der von diesem Volk auserwählte Fluchtpunkt angesehen wird. ++ (ku/mgn/12.01.16 – 012)

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