Henneberger Grafen gehörten zu Schlüsselfiguren der Reformation

Schleusingen, 5. März 2016 (ADN). Eine äußerst nachgefragte Neuauflage der „Genealogie der Grafen von Henneberg“ wurde am Sonnabend in Kloster Veßra bei Schleusingen vorgestellt. Die Sonderveröffentlichung des Hennebergisch-Fränkischen Geschichtsvereins (HFG) enthält neu aufgefundene Daten zu einzelnen Personen des Adelsgeschlechts, das im deutschen Mittelalter in der Zeit von 11. bis bis 16. Jahrhunderts eine bedeutende politische Macht verkörperte. Der Historiker und Autor der Publikation Heinrich Wagner teilte während seines Festvortrags in einem vollbesetzten Saal des ehemaligen hennebergischen Hausklosters des Prämonstratenstifts Veßra mit, dass unter Mithilfe zahlreicher Archive, Museen und anderen Einrichtungen im In- und Ausland ein sehr informatives, reich bebildertes und tiefgründiges Werk zustande gekommen ist. Erste Planungen und Entwürfe zu dem Kompendium, das Auskunft über mehr als 200 Personen innerhalb von 500 Jahren gibt, stammen nach den Worten von Wagner aus dem Jahr 1996.

Trotz erheblicher Gebietsverluste waren die Henneberger, deren Stammsitz nahe der südthüringischen Stadt Meiningen lag, die größte weltliche Macht im Fränkischen Reichskreis. 1337 fungierte Berthold IV. als Berater von drei Kaisern auf der Bertholsburg. Die Grafschaft bewegte sich dauerhaft im Konfliktbereich mittel- und süddeutscher Herrschaften. Dadurch wurde schließlich Wilhelm VI. von Henneberg-Schleusingen zur Durchsetzung der Reformation im 16. Jahrhundert gezwungen. Der am 1. September 1554 geschlossene „Kahlaer Vertrag“ sah eine Erbverbrüderung mit den Wettinern vor. Diese Übernahme Hennebergs durch Sachsen bei Ableben der Henneberger Linie trat im Jahre 1583 mit dem Tod des letzten Fürstgrafen Georg Ernst ein. Den Ernestinern (Weimar/Gotha) standen sieben Zwöftel und den Albertinern fünf Zwölftel der Erbmasse zu. Weitere Zersplitterungen des hennebergischen Vermögens folgten. Während des Dreißigjährigen Krieges war die Schleusinger Bertholdsburg, die Thüringens älteste fürstliche Residenz ist, häufig Schauplatz wichtiger diplomatischer und politischer Verhandlungen. 1624 traf Graf Tilly als Abgesandter des Herzogs von Bayern zur Fürstenversammlung auf der Festung ein. Im Jahr 1631 verhandelte König Gustav Aolf von Schweden nach der Schlacht bei Breitenfeld auf der Schleusinger Bertholdsburg mit seinem militärischen Hauptgegner Wallenstein. Heute zeugen vor allem zahlreiche, teilweise verfallene Burg- und Schlossanlagen im fränkisch-thüringischen Raum von der einstigen Machtfülle der Henneberger Grafen. Dazu zählen die Bertholdsburg in Schleusingen und  die „Schlösser“ Aschach un Ebenhausen. ++ (he/mgn/0503.16 – 065)

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Jagdschloss Hummelshain von eigentumsrechtlichen Geheimnissen umwabert

Kahla, 27. Februar 2016 (ADN). Eigentumsrechtliche Geheimnisse umwabern das Jagdschloss Hummelshain bei Kahla. Nicht erst seit gestern, sondern seit Jahrzehnten behindern diese juristischen Rätsel die dringend notwendige bauliche Instandsetzung und Erhaltung des allgemein als letzter fürstlicher Schlossbau auf deutschem Boden geltenden Palais. Am Freitag erläuterte der Vorstand des Fördervereins bei einem Pressegespräch vor Ort eindringlich die Problemlage zu dem von 1880 bis 1885 unter Herzog Ernst I. von Sachsen Altenburg errichteten Prachtbaus. Dabei wurde der derzeit als Eigentümer Fungierende – selbst anwesend – wie ein rohes Ei behandelt, obwohl gerade seine Person, seine Firma und seine juristische Position als äußerst fragwürdig zu bewerten sind. An den mysteriösen Besitzverhältnissen scheiterte bislang eine umfassende Sanierung des eindrucksvollen Gebäudes. Der 1998 gegründete Förderverein Schloss Hummelshain, der sich äußerst emsig um das weitere Schicksal des Kulturdenkmals kümmert, will das in den Historismus einzuordnende Schlossensemble vor dem Verfall und dem Vergessen bewahren. Vorsitzender Rainer Hohberg kritisierte die zögerliche Haltung der Verantwortlichen. Auf Vereinsinitiative wurde ein erstes Baugutachten zum Zustand des auch „Thüringens Neuschwanstein“ genannten Bauwerks in die Wege geleitet und nun präsentiert. 

Die verwirrenden Eigentumsrechte fanden nur am Rande Erwähnung. Eine deutliche Sprache sprechen jedoch die zur Verfügung gestellten Unterlagen. Aus einer sehr akribisch erarbeiteten Dokumentation geht hervor, dass „das Schloss bis heute tatsächlich nicht vollständig bezahlt ist.“ Rund 300.000 Euro seien bis heute noch offen. „Des Weiteren wurden skandalöse Vorgänge aus dem Jahr 2008 aufgedeckt – ein echter Immobilienkrimi.“ Dabei spielt die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) Thüringen eine besonders nebulöse Rolle. ++ (ku/mgn/27.02.16 – 058)

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