Kein einziger Hochschulchef ist ostdeutscher Herkunft

Gütersloh/Berlin, 7. Februar 2018 (ADN ). Keine deutsche Universität hat derzeit eine Führungspitze, die aus den sogenannten neuen Bundesländern stammt. Das ergibt eine Studie, die vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) vorgelegt wurde. Wie die Autorin Isabel Roessler am Donnerstag im Deutschlandfunk sagte, sind nach Auswertung von rund 2.500 Biographien von Hochschulchefs 95 Prozent in Deutschland und nur vier im Ausland geboren. „Und aus den ostdeutschen Bundesländern, also vor der Wende Ostdeutschlands, ist keiner“, so Roessler. Um dieses erschütternde Ungleichgewicht einigermaßen erklärbar zu machen, verweist die Wissenschaftlerin auf den Soziologen Rai Kollmorgen von der Hochschule Zittau/Görlitz. Ihm zufolge fehlt Ostdeutschen der Habitus einer Oberschicht. Sie verfügten nicht über die Geschmacksurteile und das selbstbewusste Auftreten einer Oberschicht. Außerdem hätten sie den abgrundtiefen Absturz früherer Eliten erlebt. „Es ist nicht nur eine Momentaufnahme – aber 30 Jahre nach der Wiedervereinigung ist eine Universitätslandschaft ohne Top-Führungskräfte mit ostdeutschen Wurzeln schon bemerkenswert“, so CHE-Geschäftsführer Frank Ziegele.

Als weiterhin für bemerkenswert hält Roessler den Tatbestand, dass nur 29 Prozent der Universitätspräsidenten als Externe auf ihre jetzige Position gelangt sind. Die Mehrheit stammt aus dem Lehrkörper der jeweiligen Hochschule. Zusammenfassend zeigt sich Roessler über das Ergebnis ihrer Forschungen erschrocken, weil es das landesübliche Bild zur Situation so extrem bestätigt. Sie brachte die Dominanz auf die Kurzformel „weiß, alt, westdeutsch und männlich“. ++  (wt/mgn/07.02.1A9038)

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Verschlechterte Wohnsituation für Studenten

Berlin, 3. September 2018 (ADN). Die Wohnsituation für Studenten in Deutschland hat sich 2018 weiter verschlechtert. Vor allem in den zunehmend begehrten Hochschulstädten ist es zum Start ins Wintersemester noch schwieriger geworden, eine passende und bezahlbare Unterkunft zu finden. Das teilt am Montag das Moses-Mendelsohn-Institut (MMI) mit, das in Kooperation mit dem Internetportal „WG-Gesucht“ alle 96 deutschen Standorte mit mehr als 5.000 Studenten untersucht hat. Besonders angezogen haben die Monatsmieten für Wohngemeinschaften (WG)  in München (von 570 auf 600 Euro), in Frankfurt am Main (von 450 auf 480), in Hamburg und Stuttgart (von jeweils 420 auf 450 Euro) sowie in Köln und Berlin (von jeweils 400 auf 420) Am günstigsten ist Chemnitz mit 230 Euro für eine Monatsmiete in einer Wohngemeinschaft. ++ (ho/mgn/03.02.18 – 226)

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Freiheit der Wissenschaft in Gefahr

Leipzig, 10. April 2017 (ADN). Leipziger Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen erklärten am Montag ihre Unterstützung für den am 22. April in rund 400 Städten der Welt stattfindenden „March for Sciences“. In der Deklaration heißt es: „Die Wissenschaft und damit auch unsere Einrichtungen leben von Neugier, dem freien Austausch von Gedanken und der Motivation, für den gesellschaftlichen Diskurs neue und nachvollziehbare Erkenntnisse beizusteuern. Wir wollen und werden weiter danach streben, unsere Welt gründlich zu erforschen und verlässliche Erkenntnisse statt gefühlter Wahrheiten zu liefern“, heißt es in der von der Universität Leipzig verbreiteten Pressemitteilung. 

Dass die Freiheit der Wissenschaft nicht erst seit Kurzem gefährdet ist und auch aus dem Innern des Forschungsapparates aufs Spiel gesetzt wird, darauf weist der Bund demokratischer Wissenschaftler (BdWi) hin. Auf seiner Homepage fragt der Staats- und Verwaltungsrechtler Prof. Martin Kutscha von der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) Berlin, wieviel von dieser Freiheit in den durchökonomisierten Hochschulen von heute noch übrigbleibt. „Durch Modularisierung und Bachelorisierung sind diese vollends zu Lernfabriken mutiert, deren reibungsloses Funktionieren durch engmaschige Netze der Kontrolle der Lernenden und Lehrenden gesichert werden soll.“ Er erinnert daran, dass die „freie Wahl von Inhalt und Methode der Lehrveranstaltungen“ laut Bundesverfassungsgericht zum Kern der verfassungsgemäß verbürgten Freiheit der Lehre gehört.  ++ (ws/mgn/10.04.17 – 100)

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Nur 15 Prozent der Rektoren ostdeutscher Hochschulen mit Ost-Biographie

Beelin, 18. Oktober 2016 (ADN). „Der Anteil der Rektoren mit ostdeutscher Biographie an ostdeutschen Hochschulen beträgt nur 15 Prozent. Auch in Regierungszentralen, Unternehmen oder bei den Medien sieht es nicht besser aus. Die Menschen bemerken das sehr wohl, und es trägt nicht dazu bei, dass sie sich als gleichwertiger Teil eines demokratischen Gemeinwesens betrachten.“ Das sagte die Ost-Bundesbeauftragte der Bundesregierung , Iris Gleicke, in einem der Zeitung „Der Tagesspiegel“ gegebenen und am Dienstag veröffentlichten Interview. Der Bericht zur Deutschen Einheit unterstreiche die Bedeutung der Angleichung der Renten in Ost und West für die Vollendung der sozialen Einheit. Es sei seit vielen Jahren versprochen worden und es gebe keinen Grund, das noch weiter zu verzögern. „Wenn wir jetzt nicht Wort halten, verliert die politische Klasse noch weiter an Glaubwürdigkeit in den neuen Bundesländern.“, so die in Südthüringen geborene und ansässige Bundespolitikerin. ++ (os/mgn/18.10.16 – 284)

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Parlamente brillieren mit neuen Sprachschöpfungen

Erfurt, 25. April 2016 (ADN). Deutschlands Landesparlamente glänzen gerne mit Problemdiskussionen und Entscheidungen, die Nebensächlichkeiten betreffen. Derzeit tut dies der Thüringer Landtag, in dem die gravierende Debatte darüber geführt wird, ob die in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts an den Universitäten gebildeten Studentenwerke ihren Namen zu Recht tragen oder nicht. Sie seien nun in „Studierendenwerke“ umzubennen, weil die traditionelle Bezeichnung maskulin-lastig ist. Der Name „Studentenwerk“ entspreche nicht mehr dem Gleichberechtigungsgrundsatz zwischen Mann und Frau sowie der modernen Zeit. Offensichtlich frönen Thüringens Hochschulpolitiker – wie bereits andernorts in Berlin und Nordrhein-Westfalen – mit Leidenschaft dem Zeitgeist. Er ist der Flasche entwichen und erfüllt nun die sprachschöpferische Kreativität der sogenannten Volksvertretungen. Es ist von Glück zu reden, dass noch kein Anglizismus ins Gespräch gebracht wurde. Diese Debatte wird dann den Akteuren der nächsten Legislaturperiode überlassen. Denn mit irgendwas müssen sich die auch beschäftigen.  ++ (bi/mgn/25.04.16 – 115)

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