800 Krankenhäuser weniger – Gesundheitspolitische Kontrapunkte D – DK

Hamburg, 15. Juli 2019 (ADN). Gesundheitspolitische Kontrapunkte setzen Deutschland (D) und Dänemark (DK). Das verdeutlicht eine Reportage der Reihe „Story“ im ARD-Fernsehen am Montag. Während in Deutschland die Bertelsmann-Stiftung per Studie die Reduktion der bundesweit 1.400 Krankenhäuser auf 600 empfiehlt, folgt das nördliche Nachbarland einer solchen Strategie längst. Am Beispiel Herzinfarkt-Behandlung wird das eindrucksvoll illustriert. Anstatt betroffene Patienten ins nächstgelegene Hospital zu bringen, ist die ärztliche Rettungslogistik so modifiziert worden, dass jeder akut herzkranke Däne sofort in das einzige Herzzentrum des Landes im Zentrum der Hauptstadt Kopenhagen gebracht wird. Sein Zustand wird unterwegs mit modernster Kommunikationstechnik lückenlos von Experten überwacht, vom Startpunkt der Rettungsaktion – auch aus dem entferntesten Winkel – bis zu ihrem Ende in der Kopenhagener Intensivstation. Der Ergebnis überzeugt: Die Sterblichkeit durch Herzinfarkt halbierte sich in Dänemark. Und das, obwohl sich inzwischen die Zahl der Krankenhäuser für die sechs Millionen Dänen von 80 auf 32 verringerte. In Deutschland haben nur 35 Prozent der insgesamt 1.400 Kliniken eine Herzkatheter-Station. Unter dänischen Verhältnissen würden in Deutschland etwa 7.000 Patienten weniger sterben, meint Prof. Reinhard Busse von der Technischen Universität (TU) Berlin.

Über ähnliche Erfordernisse wie in Dänemark in einem anderen Teilbereich der deutschen Medizin berichtet Prof. Markus Büchler von der Universitätsklinik Heidelberg. „Wir brauchen nur 50 oder gar 30 Kliniken für Bauchspeicheldrüsen-Chirurgie, nicht 600.“ Den lebenden Beweis dafür tritt der Treppenbaumeister Hans Thor an. Von Montag auf Dienstag wurde bei ihm Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert. Schnellstes Handeln war angesagt. Gerne wäre er in einem Krankenhaus in der Nähe behandelt worden. Glücklicherweise verschlug es ihn weit entfernt nach Heidelberg zum Fachmann Büchler. Dessen Untersuchungsergebnisse erwiesen sich noch während der siebenstündigen Operation als weitgehend hinfällig. Der Krebs hatte weitere Körperregionen unterwandert. Operateur Büchler musste sofort umdisponieren und tat dies. Weitgehend geheilt konnte Thor die Klinik verlassen, was andernorts kaum möglich gewesen wäre. 

Die Ärztegewerkschaft „Marburger Bund“ hält die Empfehlungen der Bertelsmann-Stiftung, die für die Untersuchungsregion Großraum Köln die Verringerung der Zahl von Krankenhäusern von 38 auf 14 vorschlägt, für übertrieben. Es sei zu simpel, vom grünen Tisch aus einen Kapazitätsabbau zu propagieren und die Bedürfnisse der Menschen vor Ort nach unmittelbarer medizinischer Hilfe zu ignorieren. Die Bundesärztekammer weist die Vorschläge zur Schließung von 800 Krankenhäusern als „befremdlich“ zurück. Nach den Worten von Präsident Klaus Reinhardt hat die Bundeskommission „Gleichwertige Lebensverhältnisse“ sich gerade erst für eine wohnortnahe Gesundheitsinftrastruktur ausgesprochen und die Förderung von 120 kleineren Kliniken bundesweit beschlossen. Es gelte der grundgesetzliche Auftrag der Daseinsvorsorge und das Feuerwehr-Prinzip der Krankenhäuser im Katastrophenfall. ++ (mz/mgn/15.07.19 – 199)

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