Stadt-Land-Konflikt ist Deutschlands große Wahl-Unbekannte – „Wut und Apathie“ in der Provinz

Stuttgart/Berlin, 8. Februar 2017 (ADN). Die Medien schwenken plötzlich scharf um. Plötzlich pilgern die Redakteure weniger durch urbane und innovative Wachstums-Kerne und deren Speckgürtel, sondern reisen in fast wüste bäuerliche Landstriche weitab der Zentren. So zeigen am Mittwochmorgen die Reporter Martin Schmitt und Wolfgang Bausch im Morgenmagazin der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten das armselige Freizeitleben Jugendlicher in dem Flecken Heiterbach, der sich im Mittelalter stolz als Stadt bezeichnen durfte. Sie begleiten dabei eine 17jährige, die auf dem zur Ödnis verurteilten, zwei Dutzend Kilometer von der Metropole Stuttgart entfernten Städtchen aus Langeweile Phantasie-Romane schreibt. Keine Disco, keine Kneipe bieten Kurzweil. Erst nach langer Suche findet sich ein Party-Schuppen auf einem einsamen Bauernhof, in dem sich die Dorfjugend spontan und – nach Recht und Gesetz – gewiss illegal trifft. Das Zusammengehörigkeitsgefühl ist dennoch so groß, dass niemand weg will aus der Provinz. Alle betrachten das 3.000- Einwohner-Nest als ihre Heimat. Arbeit und Unterhaltung finden aber in Großstädten statt. Dazu müssen sie allesamt pendeln. Vier Stunden brauchen sie täglich im Schnitt, wie der örtliche Fahrlehrer das Dilemma beschreibt. Ohne Führerschein geht es nicht. 

„Der Tagesspiegel“ aus Berlin, der sonst in abstrakten überregionalen und diplomatischen Themensphären schwelgt, macht  die Provinz sogar zum Schwerpunkt der Dienstagausgabe. Einer der Chefs, Gerd Appenzeller, sondiert unter dem Titel „Wie wir leben wollen – Landluft macht frei“. Wer im Mittelalter der Leibeigenschaft entkommen wollte, flüchtete in die Stadt. Im Schutz ihrer Mauern war er nach Jahr und Tag aus der Fron entlassen. Stadtluft machte frei“, ist auf Seite eins zu lesen. Genaueres zu der plötzlichen Hinwendung zum ländlichen Raum wird auf der zweiten Seite über den „Marsch in die Provinz“  zugestanden. Es ist auszuloten, wie vernachlässigt sich die Bürger in den Kleinstädten und auf dem Dorf fühlen. „Bei der Wahl in den USA war der Stadt-Land-Gegensatz entscheidend für den Trumpsieg“, wird verraten. Die unberechenbare Kraft der „Abgehängten“ auf dem Lande peinigt nun die bundesdeutschen Wahlkampfstrategen. Sie sind die große, wenn nicht sogar die größte Unbekannte bei den diesjährigen Wahlen in der Bundesrepublik. In den einsamen Bergregionen und auf dem platten Land lauern kaum registrierte Bumerang-Mächte. Das massenweise und klammheimliche Stillegen von Sparkassen, Krankenhäusern und Lebensmittelläden erzeugt nach Ansicht des ehemaligen Berliner Geographie-Professors Gerhard Henkel „Wut und Apathie“. Er sieht mögliche deutsche Parallelen zu den Wahlentscheidungen in den USA. Als Beispiele für die eingetretenen Vertrauensverluste nennt er die Gebietsreformen in Brandenburg und Thüringen. „Viele Menschen erleben den Zusammenschluss von Gemeinden und Kreisen als Identitätsverlust“. ++ (df/mgn/08.02.17 – 038)

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Begriff Wertegemeinschaft überkleistert Unwissen der Europäer und US-Amerikaner voneinander

Mainz, 3. November 2016 (ADN). Sexismus und Frauenfeindlichkeit dominieren den USA-Präsidentschaftswahlkampf zwischen der Demokratin Hillary Clinton und dem Republikaner Donald Trump. Das erklärte der amerikanische Politikberater Andrew B. Denison am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“. Es sei tragisch, was  Hillary Clinton mit ihrem Ehemann Bill erlebt hat. 

Im Laufe der Sendung bestätigten die Teilnehmer, dass Amerikaner und Europäer sehr wenig voneinander wissen. Die junge Berlinerin Paulina Unfried, die zehn Monate als Austauschschülerin im US-Bundesstaat Minnesota war, berichtete von ihrem ersten Schultag in den USA. Dabei wurde die Frage gestellt, welcher amerikanische Politiker mit Adolf Hitler vergleichbar sei. Die einhellige Antwort habe gelautet: Barack Obama. Zudem dächten viele Deutsche, dass Amerika vorwiegend aus modernen Großstädten besteht. Sie habe jedoch den Eindruck gewonnen, die USA seien eine Aneinanderreihung von Dörfern. Außerdem fänden alle Donald Trump toll. Der in der deutschen Stadt Essen lebende USA-Bürger Nicholas Smith bestätigte, dass Amerikaner und Europäer kaum etwas voneinander wissen. Dieses enorme Informationsdefizit wird gerne mit dem nebulösen Begriff der „Wertegemeinschaft überkleistert“, kritisierte der EU-Parlamentarier Alexander Graf Lambsdorff. ++ (us/mgn/03.11.16 – 300)

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