EU-Kommission verweigert in Sachen Korruption den Blick in den Spiegel

Brüssel/Bielefeld , 28. Juni 2017 (ADN). Den eigenen Verwaltungs- und Organisationsapparat in Sachen Korruption zu durchleuchten, hatte sich die EU-Kommission im Jahr 2011 verpflichtet. In zweijährigem Berichterstattungsrhythmus sollte die Korruptionsbekämpfung in den Mitgliedsstaaten und auf EU-Ebene vonstatten gehen. Allerdings erschien der erste Antikorruptionsbericht erst 2014 – also drei Jahre später. Mit den eigenen Korruptionsproblemen der EU befasste er sich jedoch nicht, schreibt die ehemalige Bundesverfassungsrichterin und jetzige Hochschullehrerin an der Universtät Bielefeld, Gertrude Lübbe-Wolff, am Dienstag im „Handelsblatt“. Das solle, so hieß es, im nächsten Bericht geschehen. In diesem Jahr 2017 ist dieser zweite Report bereits überfällig. Anstatt ihn schleunigst vorzulegen, kündigt Kommissionsvizepräsident Frans Timmermans an, die Berichterstattung einzustellen. Es soll also etwas beendet werden, was noch gar nicht richtig angefangen hat. Blamabler kann also das Eingeständnis, eine Selbstbespiegelung in Sachen Korruption auf Biegen und Brechen zu vermeiden, gar nicht ausfallen.

Dagegen regt sich zunehmend Kritik und Protest. Im Mai fordern renommierte Wissenschaftler in einem Brief die Kommission auf, die Berichterstattung als ein besonders wichtiges Instrument der europäischen Korruptionsbekämpfung weiterzuführen. Mitte dieses Monats kam die Antwort aus Brüssel: es bleibe bei der Einstellung des Monitoring. Lübbe-Wolff schlussfolgert aus diesen mehr als merkwürdigen Reaktionen: „Eine Union, die in dieser Lage glaubt, unter dem Teppich, fern von öffentlicher Aufmerksamkeit, seien die konkreten Probleme einzelner Länder und der EU selbst am besten aufgehoben, entzieht der grassierenden EU-Verdrossenheit nicht das Futter, sondern füttert sie.“ ++ (kr/mgn/28.06.17 – 180)

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