Massiv einseitig westdeutsche Berichterstattung

Köln/Dresden, 8. Dezember 2020 (ADN). Die mediale Berichterstattung über den 50. Jahrestag des Kniefalls von Willy Brandt in Warschau hat sich erneut als äußerst einseitig erwiesen. Sie wird ausschließlich durch die westdeutsche Brille gesehen und verbreitet. Das kritisiert der ehemalige Dresdener DDR-Bürgerrechtler Frank Richter am Dienstag im Deutschlandfunk. Es sei in fast allen medialen Sparten – auch in den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten – völlig unerwähnt geblieben, dass bereits zwanzig Jahre zuvor – also am 6. Juli 1950 – zwischen der DDR und der Volksrepublik Polen das „Görlitzer Abkommen“ geschlossen wurde. Es war ebenfalls ein Versöhnungspakt und sanktionierte die Oder-Neiße-Grenze als Deutschlands östliche Friedensgrenze. Es wurde vom ersten Außenminister der DDR, Georg Dertinger (CDU), unterzeichnet. Er ist in den alten Bundesländern so gut wie völlig unbekannt.

Besonders pikant ist, dass sich die verzerrte Informationsgabe der westdeutsch beherrschten Presse, Fernseh- und Rundfunksender genau einen Tag nach Präsentation des „Abschlussberichts der Regierungskommission 30 Jahre Deutsche Einheit“ nochmals offenbart. Darin wird eine seit drei Jahrzehnten bestehende totale gesellschaftliche Unwucht zulasten der ostdeutschen Bürgerschaft nicht nur bemängelt, sondern teilweise angeprangert. ++ (pl/mgn/08.12.20 – 367)

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Weltfrieden für deutsche Politiker uninteressant

Berlin, 1. September 2020 (ADN). Frieden ist von Form und Inhalt her altmodisch, inaktuell oder gar uninteressant. Das belegen die einseitigen Informationen, die von Politik und Main-Stream-Medien über die Anti-Corona-Demonstration vom Wochenende in Berlin verbreitet werden. Auf dieser Kundgebung waren Grundgesetz, Meinungsfreiheit und Frieden die hauptsächlich verwendeten Vokabeln. Gefordert wurde beispielsweise, endlich den seit 75 Jahren fälligen Friedensvertrag für Deutschland zu verhandeln und abzuschließen. Das gilt auch für den Weltfriedenstag, der am Dienstag weltweit begangen wird.

Darüber wird die Bevölkerung nicht unterrichtet. Stattdessen faseln Politiker und Medien allein von einer Konfrontation zwischen Polizei und Teilnehmern einer separaten und von Berlins Innenbehörde unabhängig zugelassenen Demonstration auf den Stufen des Reichstages. Der parteilose sächsische Landtagsabgeordnete Frank Richter bezeichnete am Dienstag im Deutschlandfunk diese Szenen staatlicherseits als aufgebauscht. Sie sollten nicht überdramatisiert werden. ++ (fr/mgn/01.09.20 – 272)

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Frank Richter: Zum Leben gehören auch Verluste

Dresden, 11. März 2019 (ADN). „Die ostdeutsche Gesellschaft kommt aus einer Zeit, in der der Staat eine quasi-religiöse Orientierung gab“. Das erklärte der Ex-Bürgerrechtler und Theologe Frank Richter am Montag im Interview mit der „Leipziger Volkszeitung“ (LVZ). Auch wenn diese nicht funktionierte, habe sie dennoch einen konstruierten Sinn gegeben. Heute würden wiederum viele Erwartungen auf die Politik projiziert, die gar nicht einzuhalten sind. Er sehe viele die ihre Verbitterung bei der Politik abladen. Das sei manchmal berechtigt, oft aber nicht. In Wirklichkeit müsse gelernt werden, dass zum Leben auch Verluste gehören. Das gelte auch für Politiker, die meinen, auf jede Frage eine Antwort haben zu müssen.

Der 58 jährige langjährige Direktor der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung kandidiert als Parteiloser für die SPD bei den Landtagswahlen in Sachsen. Kürzlich hat er ein Buch veröffentlicht, das provokativ fragt, ob Sachsen noch zu Deutschland gehört. Seine persönliche Antwort gegenüber der LVZ lautet: „Staatsrechtlich: ja. Kulturell und politisch: naja“. er sei von seiner Grundhaltung her für ein liberales, vielfältiges und solidarisches Deutschland. Deshalb könne er die Frage nicht mit einem uneinmgeschränkten Ja beantworten. Aber damit könne er leben und werde weiterhin in Sachsen bleiben. Er halte es für außerordentlich wichtig, dass Fragen nach Identität, Verwurzelung und Zusammengehörigkeit politisch nicht preisgegeben werden. ++ (fr/mgn/11.03.19 – 070)

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Ex-DDR-Bürger bis Ende ihres Lebens Deutsche zweiter Klasse

Berlin, 26. Dezember 2017 (ADN). Über Zugangsberechtigung und Diskriminierungserfahrung muss dringend gesprochen werden. Das erklärt der Intendant der Berliner Festspiele, Thomas Oberender, am Dienstag im Deutschlandfunk. DDR-Bürger hätten 1989 die Mauer zum Einsturz gebracht. Oberender bringt sein Unbehagen über den Umgang mit der Vergangenheit der DDR-Bürger zum Ausdruck.

Der Geschäftsführer der Stiftung Frauenkirche Dresden, Frank Richter, spricht über Marginalisierungserfahrungen, die viele Menschen gemacht haben. Diese Art, Geschichte zu betrachten, führe zu ihrem Verschwinden, statt zu ihrem Erinnern. Über Identität zu reden, heiße immer, über die Geschichte und die Herkunft zu reden. Nur so könne die Herkunft eines Menschen begriffen werden. Es handele sich um ganz andere Geschichten als die der Menschen im Westen. „Es sind die Geschichten der Kränkungen und der Demütigungen, die mit dem Gefühl zusammenhängen, wir werden wohl bis zum Ende unseres Lebens Deutsche zweiter Klasse sein.“ Dieses Gefühl könnten Soziologen durch Statistiken untermauern. Bundesminister und Abteilungsleiter in Bundesministerien seien fast ausschließlich westdeutsch sozialisiert.  Ähnlich sehe es in den Ländern der ehemaligen DDR aus. Auch heute noch sei dort ein großer Teil der Funktionseliten in Politik, Verwaltung und Wirtschaft westdeutsch sozialisiert.

Richter verdeutlicht seine Ansicht überzeugend anhand eines Beispiels: „Was wäre in Bayern los, wenn 80 Prozent der Funktionseliten aus Menschen bestünden, die aus Schleswig-Holstein eingewandert sind. Alles tolle S chleswig-Holsteiner, trotzdem würden die Bayern so ein Grundgefühl nicht loswerden, dass diese Ordnung nicht ganz die eigene ist, weil diese Funktionsträger dieser Ordnung von woanders herkommen oder mehrheitlich kommen.“ Er plädiere dafür, diese Überschichtung der ostdeutschen Gesellschaft als Sachverhalt möglichst nüchtern zur Kenntnis zu nehmen und ein Personalisieren und Moralisieren zu vermeiden. Die Ankunft vieler Flüchtlinge im Jahr 2015 habe bei manchen Ostdeutschen den Eindruck erweckt, jetzt in die Zange genommen zu werden und vom eigenen bleibe nichts mehr übrig. ++ (od/mgn/26.12.17 – 371)

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Missglückte Diskussion um Verschwörungstheorien

Leipzig, 23. September 2017 (ADN). War die Mondlandung im Jahr 1969 eine in Hollywood gefilmte Ilussion ? Ist die Bundesrepublik Deutschland kein Staat, sondern eine Firma ? Soll die Bevölkerung Deutschlands nach dem Willen geheimer Mächte vollständig ausgetauscht werden ? Diese und weitere als Verschwörungstheorien in Frage kommenden Themenkomplexe wurden in einer Diskussion in Leipzig am Sonnabendabend lediglich angerissen. Die Veranstaltungsteilnehmer hatten auf einleuchtende Erläuterungen und griffige Informationen gehofft. Sie wurden enttäuscht, obwohl die Podiumsgäste gewisse Erwartungen versprachen. Das waren der Philosoph Christoph Jäger von der Universität Innsbruck, der Landessprecher der sächsischen Grünen-Partei, Jürgen Kasek, und der ehemalige Chef der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung und jetziges Mitglied der Geschäftsführung in der Stiftung Dresdner Frauenkirche, Frank Richter.  Nicht nur die schmalbrüstigen Inhalte, die schon früh die ersten Gäste den Raum verlassen ließen, sondern auch die technischen Mängel und vor allem die umständliche, akustisch kaum vernehmbare bis verschnörkelte Moderation. Trotz dieser weitgehend missglückten Premiere einer Diskussionsserie verströmten die Veranstalter viel Optimismus für die Folgeabende im Leipziger Erich-Zeigner-Haus. ++ (al/mgn/23.09.17 – 267)

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Legida: Polit-Debatte nur unter seinesgleichen befeuert Spaltung der Gesellschaft

Leipzig, 11. Januar2016 (ADN). Während sich auf den Straßen von Leipzig bei strömendem Regen rund ein Dutzend verschieden gefärbter und voneinander durch Polizeiketten getrennter Demonstrationsszüge- und blöcke bewegen, sind sich zur gleichen Zeit die Teilnehmer einer Debatte über das Einjahres-Jubiläum der Legida-Protestbewegung am Montagabend  doch noch am Schluss weitgehend einig – und zwar in einem Punkt: Die, über die man so heftig lamentiert und permanent als islamfeindlich apostrophiert, sollten doch besser zum direkten Dialog eingeladen werden. Bevor dieser geringste gemeinsame Nenner erreicht wurde, hatte sich jedoch die vorangegangene Diskussion müde und in den bereits weitgehend ausgeleierten Bahnen dahin geschleppt. Dass dieser belebende Vorschlag – wie schon so oft bei zahllosen ähnlichen Zusammenkünften – aus dem Publikum kam, verwundert nicht mehr. Eine schon betagte Dame hatte leidenschaftlich kritisiert, dass auf dem Podium ausschließlich Gegner von Legida und Pegida sitzen und ihre allbekannten fast gleichlautenden Auffassungen artikulieren. Polit-Debatten nur unter seinesgleichen befeuere nämlich die oft beklagte Spaltung der Gesellschaft. Für eine fruchtbare und konstruktive Auseinandersetzung sei aber ein kontroverser und schonungsloser Streit zwischen wirklich auseinander driftender Meinungen und Auffassungen nötig. Das gehe aber nur, wenn Vertreter tatsächlich alternativer Denkrichtungen direkt als Gesprächspartner aufträten. Dann würde Herbert Mühlenbrink, der aus den alten Bundesländern kam und seit etwa vier Jahren in Leipzig lebt, wissen, wonach er so frenetisch fragt: „Was wollen Legida und Pegida eigentlich ?“ Damit habe man sich „großen Bullshit“ eingehandelt. Die hemmungslosen und kaum überschaubaren Demonstrationen hätten schon jetzt gigantische Kosten verursacht, die dem Steuerzahler aufgebürdet werden. 

Ob die Veranstalter tatsächlich mit derart heterogen zusammengesetzten Podiumsmannschaften explosive Verbal- und Gesinnungsgefechte riskieren, ist kaum zu erwarten. Da bisherige Gesprächsrunden in der Regel von etablierten Parteien und deren Strukturvereinigungen veranstaltet werden, wird man sich die hartnäckige Gegnerschaft kaum ins eigene Haus holen wollen. Das wäre dann noch ein oder gar zwei Gefahrenklassen höher einzustufen als eine zunächst harmlos erscheinende Rundevor gut einem Jahr in Dresden. Damals hatte der Leiter der Landeszentrale für politische Bildung Sachsens, Frank Richter, die Rolle eines neutralen Vermittlers übernommen und den Pegida-Obristen einen Raum für eine Pressekonferenz zur Verfügung gestellt, damit sie ihre Thesen und Programmpunkte der breiten Öffentlichkeit präsentieren und erläutern können. Daraufhin brach über ihm ein schweres Gewitter mit ideologischen Güllepartikeln herein, das von den politischen Parteien und den Inhabern der Macht ausgelöst, monatelang angefacht und in dem kübelweise ideelles Schmutzwasser über dem zu DDR-Zeiten erprobten Bürgerrechtler ausgeschüttet wurde. Der Beweis für echte Toleranz gegenüber Andersdenkenden muss also erst noch von denen erbracht werden, die ständig und bei jeder Gelegenheit das Prinzip der Meinungsfreiheit proklamieren. Nicht nur in Leipzig, Dresden oder andernorts. ++ (le/mgn/11.01.16 – 011)

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