Kernelemente russischer Raumstation 2019 fertig – Polen greift eigenständig nach den Sternen

Moskau/Warschau, 24. Januar 2018 (ADN). Russland hält konsequent an seinen Weltraumplänen fest, nach dem Ende der internationalen Raumstation ISS eine eigene Station zu betreiben. Das teilt das auf Raumfahrt spezialisierte Nachrichtenportal gerhardkowalski.com am Mittwoch aus Moskau mit. Der Generalkonstrukteur der RKK Energija, Jewgeni Mikrin, habe bei den zum Gedenken an Chekonstrukteur Sergej Koroljow derzeit stattfindenden „Akademischen Lesungen zur Raumfahrt“ darüber infomiert, dass im Jahr 2019 mit der Inbetriebnahme von drei neuen Modulen die zweite Ausbaustufe des russischen ISS-Segments abgeschlossen wird. Dabei handele es sich um das Wissenschaftlich-Energetische Modul (NEM). Dieses multifunktionale Labormodul und ein Verbindungsbauteil seien so konzipiert, „dass sie die Grundlage für die Arbeit einer selbstständigen russischen Station bilden“.

Nach Aussage von Mikrin wird die künftige Station aus fünf Modulen mit einem Gewicht von 60 Tonnen bestehen.  Schlüsselelement sei das NEM. Geplant seien noch ein Schleusenmodul und ein aufblasbares Experimentalmodul. Die Station werde von einem neuen Frachtraumschiff auf der Grundlage der Sojus-Raumsonde versorgt. Es könne eine Nutzlast bis zu 500 Kilogramm zur Erde zurückbringen.

Ehrgeizige Raumfahrtpläne hegt Polen. Mit einem Regierungsprogramm unter dem Namen „Kosmosstrategie“ will das Land bis zum Jahr 2030 drei Prozent des europäischen Weltraummarktes erobern. Um sich von Importen beispielsweise bei kompletter Satellitentechnik zu lösen, sollen Forschungsinstitutionen und der Raumfahrt nahestehende Firmen ins Land geholt werden. Im Raum Zielona Gora – 100 Kilometer östlich von Frankfurt an der Oder – ist die Entwicklung  einer „Weltraumtechnik-Region“ vorgesehen. Im ersten Quartal dieses Jahres will das französisch-italienische Joint-Venture Thales Alenia Space über seine deutsche Niederlassung zusammen mit polnischen Partnern Aufträge im Sektor der zivilen Raumfahrt übernehmen. In diesem Zusammenhang soll auch mit polnischen und deutschen Universitäten kooperiert werden. Polen will einen eigenen Kommunikationssatelliten entwickeln und in Serie fertigen. Die polnische Weltraumagentur Polsa wird dazu bis 2020 eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben. Vor kurzem hat die Technische Hochschule Gdansk einen neuen Fachbereich für Kosmos- und Satellitentechnik eröffnet. Im Wissenschafts- und Technologiepark Gdynia arbeitet die Firma Wiran für die Europäische Weltraumagentur ESA an einem Prototyp, um Nanosatelliten mit Kommunikationstechnik auszustatten. Damit soll der erdnahe Weltraum erforscht werden. An der Technischen Hochschule Wroclaw ist der junge Wissenschaftskreis Tribo mit Weltraumforschung befasst. Die Forscher simulieren innerhalb des Projekts „Drilling Experiment for Asteroid Mining“ erstmals Bohrungen im luftleeren, kalten Raum. Dazu soll eine Trägerrakete das Bohrgerät 90 Kilometer ins All schießen. Ihre Schöpfer und Erfinder gründeten im Technologiepark Wroclaw ein Forschungsunternehmen. Nach Schätzung einer Agentur sind in Polen rund 100 Firmen mit der Entwicklung von Weltraumtechnologien befasst. Mit Verkäufen in diesem Geschäftsfeld setzte Polen 2016 rund 2,3 Milliarden Euro um. ++ (ks/mgn/24.01.18 – 024)

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Französischer Weltraumbahnhof Kourou von Protestanten besetzt

Cayenne, Französisch-Guyana/Paris, 23. April 2017 (ADN). Im Zuge der anhaltenden sozialen Proteste in Französisch-Guyana wurde das europäische Raumflugzentrum Kourou besetzt. Darüber unterrichtet das Nachrichtenportal amerika21.de am Sonntag aus Cayenne. Zitiert wird Manuel Jean-Baptist aus der Führungsspitze der Protestbewegung, der gegenüber der Leitung des Raumfahrtzentrums äußerte: „Wir werden uns nicht von hier fortbewegen. Guyana ist blockiert, also seid auch Ihr blockiert.“ Das auf einem Luftwaffenstützpunkt in Guyana stationierte französische Militär verhielt sich bisher ruhig.

Der „Weltraumbahnhof“ ist bis heute umstritten. Während es offenbar an Finanzmitteln für die Infrastruktur und bessere Lebensbedingungen der Bevölkerung mangelt, pumpt Paris seit Jahrzehnten viel Geld in das Projekt. Seit 1979 werden von dort aus Ariane-Raketen des europäischen Raumtransportunternehmens Arianespace gestartet. Deshalb ist das Zentrum wesentlich für die euopäische Weltraumorganisation ESA. Es gibt auch ökonomische Gründe. Kourou liegt deutlich näher am Äquator als Europa, wodurch bei Raketenstarts weniger Treibstoff verbraucht wird.

Besonders brisant ist die Forderung der Demonstranten nach einem speziellen Status des „Überseedepartements“, um mehr Autonomie zu erreichen. Dazu soll ein offener Dialog zwischen dem französischen Präsidenten und der Regierung einerseits und der guyanischen Gesellschaft andererseits geführt werden.

Rechtlich gesehen ist das Gebiet integraler Bestandteil des französischen Staates und gehört zur Europäischen Union ( EU). Demzufolge gelten deren politische und Menschenrechte vollumfänglich. In der Praxis hapert es daran jedoch. Es herrschen post-koloniale Verhältnisse trotz des Assimilationsgesetzes von 1946 und der Verfassung der Republik, die jegliche Souveränität unmöglich macht. Das vor mehr als 70 Jahren gegebene Versprechen, die Wirtschaftskraft des Departements mit der Frankreichs auf eine Ebene zu stellen, wurde nicht eingehalten. Die Arbeitslosigkeit in Guyana liegt bei 22 Prozent und die Kriminalität steigt. Das ist ein Bruch mit dem Prinzip der republikanischen Gleichheit, so Prof. Serge Mam Lam Fouck von der Universität Guyana.  ++ (pl/mgn/23.04.17 – 113)

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