Gesellschaftliche Eliten schotten sich an privatisierten Seen ab

Berlin, 9. September 2016 (ADN). Fünf Binnengewässer Mitteldeutschlands befinden sich im Eigentum des schwäbischen Pharma- und Maschinenbauunternehmers Ludwig Merckle. Über Hintergründe, Zweck und Zielrichtung der im Stillen vollzogenen und jetzt Aufsehen erregenden Privatisierung berichtet die „Berliner Zeitung“ am Freitag. Unter dem Titel „Seenland in Schwabenhand“ schildert der Autor des Beitrags, wie energisch und radikal der Milliardär aus Ulm gigantische Ferien-, Hotel- und Wohnprojekte an den ehemaligen Braunkohle-Tagebauen entwickelt und in Betrieb setzt. Er habe dabei freie Hand und werde von behördlichen Auflagen weitgehend verschont. Merckle wird mit dem Satz zitiert: „Solch einen Besitz zu erwerben war eine einmalige Chance. So etwas wäre in den alten Ländern nicht mehr möglich.“ Über seine Blausee GmbH wurde er innerhalb weniger Jahre zum größten privaten Seenbesitzer Mitteldeutschlands. 

Hauptstreitpunkt in der öffentlichen Diskussion ist der freie Zugang der Bevölkerung zu den Gewässern. Bezogen auf den Hainer See im Süden von Leipzig schreibt die „Berliner Zeitung“: „Die Häuser am See sehen teilweise aus, als wären sie nach einem Vorbild aus dem Magazin Schöner Wohnen gebaut worden. Weniger schön ist, dass außer den Besitzern sich alle anderen die Bucht nur noch von einer oberhalb gelegenen Straße aus ansehen können.“ Auch der aus Nordrhein-Westfalen stammende Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung habe dort ein Wochenendhaus. Es finden sich weitere eindrucksvolle Beispiele, wie sich teilweise selbsternannte Eliten der Gesellschaft bereichern und allmählich von der Allgemeinheit abschotten. Das Volk darf zuschauen. ++ (nh/mgn/09.09.16 – 245)

http://www.adn46.wordpress.com, http://www.adn1946.wordpress.com, e-mail:  adn1946@gmail.com, Redaktion: Matthias Günkel (mgn), adn-nachrichtenagentur, SMAD-Lizenz-Nr. 101 v. 10.10.46

Vormarsch des politischen Populismus unter die Lupe genommen

Leipzig, 31. März 2016 (ADN). Der politische Populismus ist in westeuropäischen Demokratien auf dem Vormarsch und die einschlägige Literatur wächst rasant. Allerdings wurden die wenigen theoretischen Annahmen bisher kaum systematisch überprüft. Das taten nun Schweizer Medienwissenschaftler von der Universität Zürich und präsentierten ihre Ergebnisse am Donnerstag in Leipzig. Da sich empirische Untersuchungen häufig auf einzelne Länder, vordefinierte populistische Akteure und Wahlkämpfe beschränkte, hatten die Forscher eine halbautomatisierte Inhaltsanalyse der Parteiprogramme, Pressemitteilungen, Wahlkampfpresseberichte und Routineberichterstattung in Deutschland, Österreich und der Schweiz vorgenommen. Sie fanden heraus, dass ein nicht zu vernachlässigender Anteil der politischen Kommunikation im deutschsprachigen Raum aus Populismus besteht. Zu den vier Ausgangshypothesen gehörten eine stärkere Verbreitung des Populismus in Boulevard-Medien gegenüber den sogenannten Qualitätsmedien und eine größere Ausprägung in Meinungsbeiträgen im Vergleich zu Nachrichten. Die Befunde ergaben auch Überraschendes. So lag die deutsche „Bild-Zeitung“ am Ende der Hit-Liste des Populismus, während die schweizerische „Weltwoche“ und die österreichische „Kronenzeitung“ die Spitzenpositionen einnehmen. Die Wochenpresse zeigte sich insgesamt am populistischsten. Nach den Worten von Johannes Kaiser manifestiert sich Populismus in fragmentierter Form. Interviews böten dafür beliebte Nischen. „Die meisten Populisten sagen nicht ständig populistische Dinge“, so der junge Medienforscher und verwies auf den Niederländer Geert Wilders. Ein Hauptschlachtfeld bilde das widersprüchliche Verhältnis zwischen Volk und Eliten. Letztere stehen unter dem Verdacht, dem Volk die Souveränität zu entziehen. Populisten postulierten dagegen dem monolithisch und homogen erscheinenden Volk diese Souveränität wieder zurückgeben zu wollen. Einer weiteren Erkundung bedarf nach den Worten von Kaiser die Frage, mit welcher Dosis und welchem Typ von Populismus die Zeitungsleser alltäglich konfrontiert werden. Auch die differenzierte Betrachtung von Links- und Rechtspopulismus sei näher unter die Lupe zu nehmen.

Susanne Fengler von der Technischen Universität Dortmund stellte eine vergleichende Untersuchung von 26 Tageszeitungen in 13 ost- und westeuropäischen Ländern – einschließlich der Ukraine und Russland – über den Ukraine-Konflikt vor. Auch dabei trat Erstaunliches zutage. So berichteten britische, rumänische und lettische Medien unerwartet wenig über dieses Thema. Die beiden untersuchten russischen Zeitungen – die angeblich staatsnahe „Rossiskaya Gaseta“ und der wirtschaftsliberale „Kommersant“ – boten kaum Unterschiede voneinander. Nur selten wurde auf deren Titelseiten über den Konflikt berichtet. Nachrichten und Reportagen darüber waren um so häufiger im Innenteil der Blätter zu finden. ++ (me/mgn/31.03.16 – 091)

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„Die Plünderer kommen“

Wien, 8. Februar 2016 (ADN). Unter dem Titel „Die Plünderer kommen“ veröffentlicht das österreichische Printmedium „RELAX Magazin“ in ungewöhnlicher Komprimiertheit und Klarheit die gegenwärtige Notsituation in Europa und in der Welt. Im Fazit heißt es: „Sparer verlieren Millionen, unser Lebensstandard und unsere Einkommen schwinden dahin. Weltweit werden die Besitzverhältnisse gerade neu geordnet: weg vom Mittelstand, hin zu einem verschwenderischen Staat und einer ungehemmt wachsenden Finanzoligarchie. Mit der Lüge vom freien Markt und mit Geld-Tsunamis aus der Notenpresse fördern die Regierenden längst die Umverteilung von Vermögen in die Hände kleiner Eliten.“ In der kommunistischen Planwirtschaft habe es den freien Markt nicht wirklich gegeben, sondern nur als Schlagwort der kommunistischen Propaganda. Und heute, ein Vierteljahrhundert später, gebe es ign schon gar nicht. ++ (fl/mgn/08.02.16 – 039)

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