Marx‘ Wiederauferstehung von den Toten im ICE-Tempo

Berlin, 2. März 2017 (ADN). Kaum ist vor einem Viertel Jahrhundert das Zeitalter des dogmatischen Marxismus von der Bildfläche verschwunden, setzt eine Wiederauferstehung des Vordenkers Karl Marx von den Toten im ICE-Tempo ein. Sie scheint in engem Zusammenhang mit der wachsenden Ratlosigkeit angesichts des kaum noch erklärbar wuchernden Kapitalismus zu stehen. Um das erstaunliche Phänomen zu interpretieren, zitiert am Donnerstag die renommierte Journalistin und Wirtschaftskennerin Ulrike Herrmann in einem Beitrag für Deutschlandradio Kultur aus dem Kommunistischen Manifest von 1848: „Die fortwährende Umwälzung der Produktion, die ununterbrochene Erschütterung aller gesellschaftlichen Zustände, die ewige Unsicherheit und Bewegung zeichnet die Bourgeoisieepoche vor allen anderen aus. Alles Ständische und Stehende verdampft, alles Heilige wird entweiht.“ Marx fasziniere deshalb, weil er die Wucht des Kapitalismus in eingängige Worte fassen konnte. Er sei der erste Theoretiker gewesen, der die Dynamik des Kapitalismus richtig beschrieben hat. In dem Verdrängungswettbewerb überlebten nur jene, die am billigsten produzieren. Das seien meist Großkonzerne.

Marx‘ Analyse gilt nach den Worten von Herrmann bis heute. Aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen: Großkonzerne machen zwar nur ein Prozent der deutschen Firmen aus, aber im Jahr 2012 generierten sie 68 Prozent des gesamten Umsatzes. Gleichzeitig sind 81 Prozent aller Firmen Kleinstbetriebe, die gemeinsam nur auf sechs Prozent des Umsatzes kommen. „Doch obwohl Marx diese Erkenntnis schon vor 150 Jahren formulierte, ist sie im ökonomischen Mainstream immer noch nicht angekommen,“ wundert sich die Autorin. Stattdessen träumten die meisten Volkswirte von einer „Marktwirtschaft“, die durch „perfekten Wettbewerb“ gekennzeichnet ist. ++ (wp/mgn/02.03.17 – 057)

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Entschlossene Dummheit gewinnt – Sieg lautstarker Kleingruppen durch Penetranz

Köln, 7. September 2016 (ADN). Nach Meinung des Soziologen Rainer Paris obsiegen in der politischen Rhetorik nicht die besseren Argumente, sondern permanent sich wiederholende Thesen. Der Wissenschaftler spricht am Mittwoch in einem Hörfunkbeitrag von Deutschlandradio Kultur demjenigen die größten Durchsetzungschancen zu, der sich am besten gegen fremde Argumente abschottet und in unermüdlicher Wiederholung auf die eigenen setzt. Dabei sei völlig unerheblich, was der andere gesagt hat. Es gelte „Ich habe Recht, weil ich Recht habe“ – in der Sache sowieso, jedoch vor allem moralisch.

Auf diese Weise werden Tatsachen durch Penetranz geschaffen, so Paris. „Man muss einen Begriff nur so lange immer wieder verwenden und penetrant wiederholen, bis er für alle Beteiligten zu einer unumstößlichen Tatsache wird, die von niemandem mehr bezweifelt werden darf.“ Ziel sei, die politische und kulturelle Macht auszuüben. Gegen die andauernde Wiederholung einer Behauptung sei man eigentümlich wehrlos. Entschlossene Dummheit gewinne.

Das Prinzip Penetranz ist nach Auffassung des Soziologen deshalb so erfolgreich, weil es auf Auslaugung und Zermürbung setzt. Es sei letztlich das Ruhebedürfnis der anderen, das die lautstarken Kleingruppen siegen lässt. Irgendwann gäben die Mehrheiten ihren Widerstand auf, um sich vor weiterer Propaganda und Belästigung zu bewahren.  ++ (pl/mgn/07.09.16 – 243)

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EU verschacherte mit faustischem Pakt ihre Seele

Köln, 16. April 2016 (ADN). „Die Aufregung um Jan Böhmermann hat in Deutschland Züge einer Massenhysterie angenommen. Der Aufreger sind dabei nicht die 25 Zeilen eines profilsüchtigen Moderators, der die gelungene Extra-3-Parodie auf Erdogan toppen wollte.“ so kommentierte am Sonnabend Reinhard Baumgarten im Sender Deutschlandradio Kultur das Thema der vergangenen Woche. Der Aufreger schlechthin sei, dass sich der türkische Präsident beleidigt fühlt. Deutschland drehe sich um Jan Böhmermann, wegen dem die Türkei nicht mehr als 100.000 schutzbedürftigen Menschen den Grenzübertritt verweigert. Nicht Jan Böhmermann, sondern Ankara habe seinen ausdrücklichen Segen dafür erteilt, syrische Flüchtlinge auf syrischem Gebiet zu versorgen und sie nicht in die Türkei zu lassen. Die Menschen darben mit dem Segen Brüssels in Nordsyrien zwischen Hammer und Amboss. Sie müssen mit Drangsal und Tod klarkommen.

Die EU hat im Umgang mit Flüchtlingen bislang weitgehend versagt, so der Kommentator. „Das EU-Türkei-Abkommen vom 18. März ist ein faustischer Pakt, weil die EU ihre Seele verschachert hat.“ Schleusenwärter Erdogan sei in diesem Fall nur eine Projektionsfläche für das klägliche Versagen der EU-Staatengemeinschaft. ++ (ap/mgn/16.04.16 – 106)

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Wahlen in Burkina Faso und Deutschland im Lichte der Menschenrechte

Berlin, 10. Dezember 2015 (ADN). „Es gibt auch immer wieder positive Entwicklungen. Wir haben Wahlprozesse in Teilen Afrikas, zum Beispiel in Burkina Faso, wo etwas abgewendet worden ist, was dramatisch uns erschien.“ Das erklärte der Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und humanitäre Hilfe, Christoph Strässer, am Donnerstag angesichts der vielen weltweit stattfindenden Grausamenkeiten in einem Interview mit dem Rundfunksender Deutschlandradio Kultur anlässlich des Internationalen Tages der Menschenrechte. Die universell geltende Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 verleihe nicht nur das Recht, sondern verpflichte gerade dazu, genau hinzuschauen, was in der Welt, in anderen Regionen, aber natürlich auch in Europa geschieht. Die Bundesrepublik Deutschland (BRD) ist davon nicht ausgenommen.

Dass gerade das getan werden muss, beweisen die erschütternden Bilder mitten in Berlin in und um das dortige Landesamt für Gesundheit und Soziales. Andere Missstände unter Verletzung der Menschenrechte veranlassten beispielweise einen Bürger wegen Diskriminierung bei der Kandidaten-Zulassung zu Wahlen beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) Klage einzureichen. Die völlige übersteuerte bundesdeutsche Partei- und Verwaltungsbürokratie hatte den parteilosen Einzelbewerber mit allen nur denkbaren Mitteln von der jüngsten Bundestagswahl ferngehalten. ++ (mr/mgn/10.12.15 – 335)

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PEN-Präsident konstatiert Zerfall Europas

Berlin, 29. Oktober 2015 (ADN). „Wir sind Augenzeugen des Zerfalls in Europa.“ Diese niederschmetternde Erkenntnis vermittelt der Präsident des deutschen PEN-Zentrums, Josef Haslinger, am Donnerstag in einem Interview mit dem Radio-Sender Deutschlandradio Kultur. „In dem Augenblick, wo es ernst wird, sind auch alle Verträge, die geschlossen wurden, und alle diese humanitären Proklamationen und all das, auf das Europa stolz war …, all das ist Vergangenheit und gilt nicht mehr in dem Augenblick, wo es angewandt werden soll“, demaskiert der PEN-Präsident die Theatralik der EU-Regentschaft.

Schwere Vorwürfe richtet Haslinger an die Länder Südosteuropas. Westliche EU-Länder schneiden im Urteil des Künstlers nicht besser ab: „Dass sich hier einige potentere Staaten wie Frankreich und Großbritannien völlig aus der Solidargemeinschaft herausnehmen, ist eigentlich auch eine Ungeheuerlichkeit.“ ++ (eu/mgn/29.10.15 – 293)

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