„Die Zuschauer sehen alles“ – Journalismus mit zu großer Distanz zur Wirklichkeit

Köln, 14. März 2017 (ADN). „Nahe an den Menschen sind Journalisten nur, wenn sie zu den Menschen gehen. Wenn ich nur in der Redaktion in Köln, Hamburg oder Berlin sitze, werde ich viele Sachen gar nicht mitbekommen“. Dieses Eingeständnis machte der Chefredakteur von RTL Television und Geschäftsführer von Info Network, Michael Wulf, unter dem Schlagwort „Lügenpresse“ in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ), das in der Dienstagausgabe veröffentlicht ist. Vor zwei Jahren hätte der Sender eigens eine Mitarbeiterwohnung eingerichtet, in der Reporter und Redakteure einige Zeit leben und mit den Menschen vor Ort Interviews führen, sich gemeinsam Sendungen ansehen und besprechen, sich im direkten Umfeld umsehen. Derzeit werde das gerade in Chemnitz gemacht, zuvor sei man in Duisburg-Aldenrade gewesen. Dabei bestätige sich immer wieder: Die Zuschauer sehen alles. Damit gab Wulf indirekt zu, dass die Journalisten bislang eigentlich auf Distanz zur Bevölkerung und deren Wirklichkeit gegangen waren und sind.

Zwar ist der Chefredakteur nicht der Meinung, dass es in Deutschland generelle Vorbehalte gegen den Journalismus gibt. Die Menschen erwarteten jedoch von den Medien eine verlässliche Faktenbasis, auf der Politik und andere Themen diskutiert werden können. Erfolge seien nur durch Qualitätsnachrichten zu erreichen und aufrechtzuerhalten. Wer bei Facebook, Twitter, Instragram oder Snapchat unterwegs sei, dem falle es nicht so leicht, zwischen Fake News, Informationen mit gewissem kommerziellem Hintergrund und echten Nachrichten zu unterscheiden. ++ (me/mgn/14.03.17 – 069)

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Gravierende Ost-West-Diskrepanzen in Deutschlands Führungseliten zementiert

Berlin, 12. Oktober 2016 (ADN). Von 180 Vorständen deutscher DAX-Unternehmen haben nur drei eine Ost-Biographie. Das geht aus einem in dem am Mittwoch ausgestrahlten Bericht des von ARD und ZDF produzierten Morgenmagazin (moma) hervor. Bemerkenswerterweise sind diese drei aus Ostdeutschland stammenden Manager allesamt nicht zu einem Interview bereit gewesen, um über dieses Phänomen der Ost-West-Spaltung zu sprechen, teilt Mitautor Wolf-Christian Ulrich mit und nennt weitere höchst bedenkliche Diskrepanzen: So befinden sich nur 14 von 486 Zentralen und Forschungsstandorten deutscher Konzerne in den Neuen Bundesländern. Von den 30 DAX-Unternehmen hat nicht ein einziges seinen Hauptsitz auf ostdeutschem Terrain. Gemessen am Bevölkerungsanteil sind nur zwölf Prozent der Patentanmeldungen ostdeutscher Provenienz. In der politischen Führungsschicht sind die Differenzen noch gravierender. Nur drei von 15 Bundesministern stammen aus Ostdeutschland. Von 58 Staatssekretären, Staatsministern und Bundesbeauftragten sind nur drei Ostdeutsche. Die überregionale Medienlandschaft bietet dem Bericht zufolge aus diesem Blickwinkel eine noch größere Ödnis. Nur einen einzigen Chefredakteur rahmt die Aura des „deutschen Orients“.

Zu den Ursachen dieses sowohl überwältigenden als auch niederdrückenden Übergewichts westdeutscher Eliten nach mehr als einem Viertel Jahrhundert „Deutsche Einheit“ wird Prof. Joachim Ragnitz von der Dresdner Niederlassung des Münchner ifo-Insituts befragt. Nach seiner Meinung wurden und werden Führungsfiguren für Ostdeutschland aus „eigenen“ West-Netzwerken rekrutiert. Im Übrigen sei der ostdeutsche Manager-Nachwuchs noch nicht soweit. Nach Auffassung des Ex-Bundestagspräsidenten und Ostgewächses Wolfgang Thierse ist der Erfahrungsvorsprung westdeutscher Beamter in Verwaltung und Recht noch nicht aufgeholt. Den Ostdeutschen fehlten noch Leistung, Selbstbewusstsein, Verbindungen und Frechheit. ++ (wv/mgn/12.10.16 – 278)

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