Vertreibung ist ein äußerst facettenreiches Phänomen – Binnenflucht bislang völlig ignoriert

Berlin/Nürnberg, 15. Mai 2016 (ADN). Aus Nürnberg wird pünktlich zu Pfingsten von ortsansässigen Medien gemeldet, dass die Stadtverwaltung Asylsuchende in belegten Häusern unterbringen will und letztlich die noch wohnhaften Mieter hinausdrängt. Der unmittelbare Täter ist ein junger Hauseigentümer, der auf maximierte Profite aus ist. Er instrumentalisiert die Ausländer, um die unbequemen, sich gegen seine Eigenbedarfskündigung wehrenden Altmieter loszuwerden und danach spielend höhere Gewinne zu erzielen. Was sich so in den alten Bundesländern nach angeblich rein marktwirtschaftlichen Prinzipien abspielt, wird in den neuen Bundesländern zusätzlich ideologisch aufgepeppt. So heißt es in der Pfingstausgabe der „Berliner Zeitung“ fragend, ob den Ostdeutschen Wilkommenskultur deshalb so schwer falle, weil in der DDR jeder vierte aus einer Familie mit Flucht- und Vertreibungshintergrund gelebt habe.  Es drängt sich der Eindruck auf, prekäre Gruppen der Einheimischen werden gegen Flüchtlinge ausgespielt und gegeneinander aufgehetzt. Längst ist das in aller Munde und dafür lassen sich immer mehr beweiskräftige Fälle finden. Inzwischen kommen sogar die Medien in solche Bedrängnis. In Südthüringen werden ganze Redaktionen, Kommunikationsagenturen und Mieter aus ihrem angestammtem Quartier ohne Vorwarnung und rechtlichen Hintergrund herauskatapultiert, um rund drei Dutzend Flüchtlingen aus dem Irak Unterschlupf zu geben.

In all den bekannten und unbekannten Fällen findet eine völlige Vermischung von völkerrechtlich anerkannter Flucht zwischen Staaten und dem bislang einer Schwarzen Box gleichenden Binnenflucht innerhalb eines Staates statt. Letztere ist im internationalen Recht bislang völlig ungeregelt, obwohl sie weltweit enorm zunimmt – sogar innerhalb von Deutschland. Dennich existiert sie für die Juristen gar nicht. Das muss sich schnellstens ändern. ++ (vi/mgn/15.05.16 – 129)

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