Besatzungssoldaten zeugten in Nachkriegs-Deutschland zwischen 200.000 bis 400.000 Kinder

Leipzig, 21. April 2017 (ADN). Zwischen 200.000 bis 400.000 Töchter und Söhne von Besatzungssoldaten des Zweiten Weltkrieges gibt es schätzungsweise in Deutschland. Diese Zahl nannte Winfried Belau, der einer von ihnen ist, auf einer Präsentation des Buches „Distelblüten – Russenkinder in Deutschland“ am Freitagabend in Leipzig. 146 davon habe man ausfindig machen können, um an einer Studie teilzunehmen, die sich mit dem fast völlig ignorierten Thema nach siebzig Jahren Schweigen befasst. Es habe drei Wellen gegeben, in dem sich das lange geheim Gehaltene abspielte. Nach der ersten großen Gruppierung der Frontsoldaten, die über das besiegte Deutschland rollten, hätten sich in der zweiten Welle der Plünderungen und Vergewaltigungen die schlimmsten Dinge abgespielt. Insofern habe sogar die katholische Kirche auf diese Weise ungewollt schwanger gewordenen deutschen Frauen die Erlaubnis zur Abtreibung gegeben. „Abtreibungsscheine“ wurden von Behörden ausgegeben. Rund 90 Prozent der vergewaltigten Frauen hätten diese Gelegenheit wahrgenommen, um nicht Kinder der Feindmächte zur Welt bringen zu müssen. In typischer deutscher Manier prägten die örtlichen und regionalen Behörden dafür den Begriff „Kriegsschadensfall“. Er selbst – Belau – habe in den Familienunterlagen erst Jahrzehnte für sich persönlich diese Identifizierung lesen müssen. Als dritte Welle stufte er die Geburten ein, die sich aus echten Liebesbeziehungen zwischen einer deutschen Mutter und einem Besatzungssoldaten ergeben haben. Mit dem Buch entstanden berührende und Tränen auslösenden Texte, in dem die Autoren und Autorinnen insbesondere ihre Kindheitserlebnisse über ihre oft völlig unbekannten sowjetischen Väter schilderten.

Während es für amerikanische und französische Soldatenkinder deutscher Mütter inzwischen lockere Netzwerke gibt, ist dies für Kinder britischer und sowjetischer Herkunft noch nicht der Fall. Nun dürfte mit der 2011/12 begonnenen Studie das Eis zumindest für die Kinder gebrochen sein, deren Väter Militärangehörige aus dem Vielvölkerstaat Sowjetunion stammen. ++ (df/mgn/21.04.17 – 111)

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Britisches Nationalarchiv gibt Akten von 1989/90 frei

London, 30. Dezember 2016 (ADN). Die britische Regierung öffnet ab Freitag in London ihre Aktenbestände der Jahre 1989/90. Wie der Deutschlandfunk (DF) weiter berichtet, handelt es sich um Protokolle der Kabinettssitzungen, Memos zu Treffen zwischen Margaret Thatcher und Helmut Kohl sowie Briefwechsel zwischen Downing Street und Außenministerium. Es ist die Zeit rund um die deutsche Wiedervereinigung.

Zu den dokumentierten Szenarien gehört eine illustre Runde prominenter britischer und US-amerikanischer Historiker am Landsitz der Premierministerin in Chequers. Fritz Stern, Gordon Craig und Timothy Gordon Ash machten sich Gedanken über den Zustand der deutschen Seele. Der DF zitiert die Historikerin Juliette Desplat vom britischen Nationalarchiv: „Auf der Agenda stand: wer sind die Deutschen ? Haben sie sich verändert ? Oder wird ein vereinigtes Deutschland Osteuropa beherrschen ? Thatcher wollte wissen, wie die Deutschen ticken.“

Der Sender kommt zu dem Schluss, dass „die jetzt freigegebenen Akten der Premierministerin in London auch mit dem Finger auf den französischen Staatspräsidenten Francois Mitterrand zeigen“. Margaret Thatcher sei schon beunruhigt gewesen, das Deutschland wieder zu mächtig werden kann. Diese Angst sei zumindest am Anfang von Mitterand stark geschürt worden. Desplats Fazit lautet: Thatcher und Kohl kamen dann aber doch miteinander aus. Beide hätten sich dann gemeinsam auf eine klare Struktur für ein wiedervereinigtes Deutschland verständigt. ++ (ge/mgn/30.12.16 – 355)

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