Sächsische Rezeptur zum Eindämmen der weltweiten Flut von Verpackungsmüll

Freiberg, 25. Juli 2018 (ADN).  Zum Bändigen und Eindämmen der weltweiten Flut von Verpackungsmüll arbeitet der Verfahrenstechniker Prof. Bernd Meyer von der Technischen Universität (TU) Bergakademie Freiberg intensiv an einer geeigneten Technologie. Deutschland liegt auf Platz zwei einer europäischen Negativliste beim Müllaufkommen und könnte eine solche technische Lösung auch dringend gebrauchen. Allein die deutschen Haushalte produzieren jährlich 45,5 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle, teilt die Zeitung „neues deutschland“ am Mittwoch mit.  Selbst von dem, was im Gelben Sack landet, werde die Hälfte nicht recycelt, sondern einfach verbrannt. Meyer, der zugleich am Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen (IMWS) in Halle tätig ist und weltweit führenden Pionieren auf dem Gebiet der stofflichen Nutzung von Braunkohle gehört, sieht für den umstrittenen Rohstoff eine völlig andere und neue Perspektive: statt die jährlich in Deutschland geförderten 30 Millionen Tonnen Braunkohle einfach zu verbrennen, kann sie rein stofflich genutzt und damit hoch veredelt werden. Die Forschungen, Experimente und Pilotprojekte sind in Freiberg so weit fortgeschritten, dass im Jahr 2022 in Leuna nach der von ihm entwickelten Technologie ein erster Reaktor in Betriebe genommen werden kann. Dieser wird nach Meinung von Meyer seine Praxistauglichkeit im Industriemaßstab beweisen. Leuna als Standort im Süden Sachsen-Anhalts sei deswegen bestens geeignet, weil es für das dann produzierte Synthesegas genügend potentielle gewerbliche Abnehmer gibt. Zugleich würde sich für den mitteldeutschen Raum eine neue Perspektive an anspruchvollen Industriearbeitsplätzen eröffnen, denn nach solchen Technologien lechzt geradezu die ganze, am Kunststoffabfall zu ersticken drohende Welt.  ++ (wi/mgn/25.07.18 – 186)

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Hoffnungsvolles Pilotprojekt zur Müllverwertung abgebrochen – Sachsen verweigerte geringe Subventionssumme

Leipzig, 27. Oktober 2017 (ADN). Ein Erfolg versprechendes Pilotprojekt zur vollständigen Wiederaufbereitung des „allerletzten Mülls“ – einschließlich des übelsten Sondermülls aus der Autoindustrie und der Bauwirtschaft – scheiterte in Schwarze Pumpe an der Nichtbewilligung weniger Millionen Euro aus den Kassen des sächsischen Wirtschaftsministeriums. Das sagte Prof. Bernd Meyer vom Institut für Energieverfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen der Technischen Universität (TU) Bergakademie Freiberg am Freitag auf einer Vortragsveranstaltung der Sächsischen Akademie der Wissenschaften in Leipzig. Das Geld sei benötigt worden, um die alle zwei Jahre zu absolvierende Revision der Behältertechnik der Chemieanlage bezahlen zu können. Da es nicht zur Verfügung gestellt wurde, durfte die Anlage nicht weiter betrieben werden und wurde demontiert. Im SVZ Schwarze Pumpe waren in den 15 Jahren von 1992 bis 2007 vier Millionen Tonnen Abfall rückstandsfrei verwertet worden. Es war eine komplette chemische Verwertungskette, in der Methanol und Strom erzeugt wurden. Zu den Ausgangsstoffen gehörten agglomerierter Kunststoffabfall und Schredderholz, sogar vom Zoll beschlagnahmte Zigaretten und ungültige DDR-Geldscheine landeten im Trichter der Anlage. Heute ist von der zukunftsträchtigen Anlage nichts mehr übrig, so Meyer. Damit wurde ein Projekt abrupt beendet, das einen realistischen Weg aufzeigte, eine geschlossene kohlendioxidfreie Kohlenstoffkreislaufwirtschaft in die Tat umzusetzen.

Die Freisetzung von Kohlenstoff ist bis heute eine der gravierendsten Belastungsfaktoren für Umwelt und Klima – lokal, regional und global. Die gegenwärtig allgemein praktizierte und dominierende Verbrennung von Müll und Abfall ist keine Lösung, sondern nur ein Provisorium, mit dem das generelle Problem verlagert wird. Beim Verbrennen von Müll gelangen erhebliche Mengen an Kohlendioxid in die Atmosphäre. Dieser sogenannten linearen Kohlenstoffwirtschaft haben sich die Betreiber von Müllverbrennungsanlagen verschrieben. Inzwischen sind deren Überkapazitäten derart angewachsen, dass sogar Müll im Ausland aufgekauft wird, um ihn in Deutschland zu verbrennen. Dieses klima- und umweltpolitische Paradoxon wird stillschweigend von Behörden und Politikern hingenommen.

Nunmehr wird jedoch ein neuer Versuch in Leuna unternommen, so Meyer. In vier Jahren dürfte ein auf ähnlichen Technologien fußendes Werk betriebsbereit sein. Es werde dabei auf jede staatliche deutsche Subvention und Einflussnahme verzichtet. Er setze ausschließlich auf privates Kapital, mit dem projektiert, gebaut und betrieben wird. Kapitalgeber aus dem Ausland seien am stärksten interessiert und stünden im Vordergrund. Das größte Engagement sei aus China zu erwarten. Dort ist der Leidensdruck auch besonders hoch. ++ (co/mgn/27.10.17 – 300)

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