Dem finnischen folgt ein Schweizer BGE-Experiment

Basel, 14. September 2018 ADN). Dem finnischen Zwei-Jahres-Experiment mit dem bedingungslosen Einkommen (BGE) folgt nun eines in der Schweiz. Es soll in der Gemeinde Rheinau stattfinden. Seit August wird nach Teilnehmern gesucht. Mehr als 700 haben sich bereits aus der 1.300 Einwohner zählenden Kommune gemeldet. Damit wäre bereits die geforderte Mindestschwelle für das Projekt erreicht. Das beweist das große Interesse und die geringe Skepsis an dem Vorhaben. Das Experiment soll ein Jahr dauern. Dabei bekommt jeder Teilnehmer bis zu 2.500 Schweizer Franken pro Monat. Die Kosten zwischen drei und fünf Millionen Schweizer Franken sollen per Crowdfounding aufgebracht werden. Nunmehr folgt eine zweite Kampagne, um weitere Interessenten zu gewinnen. Der sozialpolitische Test wird von einem Filmteam verfolgt, das letztlich auch das Projekt initiiert hat. Es kooperiert dabei eng mit der Gemeindeverwaltung. 

Das finnische Experiment, das auf einen Zeitraum von zwei Jahren angelegt ist, endet im Dezember 2018. Es soll Aufschluss geben für eine geplante Sozialreform im nächsten Jahr, in dessen erster Hälfte auch gewählt wird. In Finnland erhalten die insgesamt 2.000 Probanden ein monatliches Grundeinkommen von 560 Euro, unabhängig von einem eventuellen Zuverdienst. Kritiker erklären bereits jetzt das Scheitern des Tests, obwohl er noch gar nicht abgeschlossen ist und noch keine Ergebnisse vorliegen. Nach deren Ansicht gibt es zu wenig Geld, die Fallzahl sei zu klein und der Zeitraum zu kurz. Die Projektleiterin des Experiments, Marjukka Turunen widerspricht. Mit dem von der Sozialversicherungsanstalt Kela dafür zur Verfügung gestellten Geld werde die geplante Sozialreform vernünftig vorbereitet. Einer der Teilnehmer ist der sechsfache Vater Juha Järvinen. Der frühere Fensterbauer ist durch die Insolvenz seines Arbeitgebers arbeitslos geworden und hat in der Versuchszeit erfolgreich umgesattelt. Er baut jetzt Schlagzeuge und verdient zusätzlich zum BGE 1.000 Euro im Monat. ++ (14.09.18 – 237)

http://www.adn46.wordpress.com, http://www.1946.wordpress.com, e-mail: adn1946@gmail.com, Redaktion: Matthias Günkel (mgn), adn-nachrichtenagentur, SMAD-Lizenz-Nr. 101 v.10.10.46

Professoren-Stimme contra Bedingungsloses Grundeinkommen

Duisburg, 1. August 2018 (ADN). Gegen die Etablierung eines Bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) hat sich der Arbeits- und Wirtschaftssoziologe der Universität Duisburg-Essen, Prof. Gerhard Bosch energisch ausgesprochen. In der Zeitung „neues deutschland“ (nd) erklärt er am Mittwoch, dass es sich um ein Heilsversprechen handelt. Die Vertreter des BGE hätten keine Antworten zu dessen Finanzierung und ihre Annahmen seien zum Großteil widerlegbar. Ein Ende von Arbeit sei gar nicht in Sicht. Es habe noch nie so viel Beschäftigung gegeben wie gegenwärtig. Das sei auf zunehmende Erwerbstätigkeit der Frauen zurückzuführen. Zudem gebe es viele ungesättigte Bedürfnisse auf der Welt. Dabei denke er sofort an die Pflege  oder den Notstand in der Bildung.

„Wenn jeder monatlich 1.000 Euro erhält, kommen wir auf insgesamt 984 Milliarden Euro. Das sind knapp 100 Milliarden mehr als unser Sozialbudget“, so rechnet Bosch. Was passiere aber bei plötzlich eintretender Krankheit, Pflegebedürftigkeit oder Arbeitslosigkeit ? Dann müssten 1.000 Euro ausreichen, weil es keine Kranken- oder Unfallversicherung, Altersvorsorge, Maßnahmen für Menschen mit Behinderungen, keine Jugendhilfe oder die jetzige Arbeitsmarktpolitik mehr gibt. Eine Heimpflege in der Pflegestufe fünf koste im Monat 3.500 Euro. Die könne sich dann keiner mehr leisten. Das BGE würde die Betroffenen in die Armut stürzen. Das Argument der BGE-Befürworter wie Götz Werner, dass mit dem BGE dann Tarife und Mindestlöhne wegfallen und die Marktwirtschaft sich erst richtig entfalten kann, sei nicht zugkräftig.

Als ein Element einer denkbaren Lösung erkennt Bosch in einem BGE nur für Kinder. So seien Armut und prekäre Arbeitsverhältnisse verhinderbar. Dafür spreche auch, dass 2,7 Millionen der unter 18jährigen im Jahr 2017 gemäß amtlicher Statistik armutsgefährdet sind.   ++ (so/mgn/01.08.18 –  193)

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Wirtschaftsprofessor: Bedingungsloses Grundeinkommen lieber früher als zu spät

Hamburg, 7. Dezember 2016 (ADN). „Die Vision eines bedingungslosen Grundeinkommens muss Realität werden – lieber früher als zu spät.“ Das fordert der Wirtschaftswissenschaftler, Prof. Thomas Straubhaar, von der Universität Hamburg in einem Gastbeitrag der Süddeutschen Zeitung“ (SZ) am Mittwoch. Die westlichen Demokratien seien aus dem Gleichgewicht geraten. Vor aller Augen gehe gerade das Zeitalter der Globalisierung zu Ende. Sie sei zwar der stärkste Wachstumsmotor  der Menschheitsgeschichte gewesen, jedoch habe sie die Verteilungsfragen unbeantwortet gelassen und zu einer Polarisierung geführt.

„Geld für alle vom Staat ermöglicht eine gerechte, liberale und effektive Anpassung des Sozialstaates an die Herausforderungen der Zukunft“, schreibt der Vorstand des Club of Hamburg, der Nachhaltigkeit als Symbiose von Erfolg und Anstand versteht. Niemand behaupte, dass das bedingungslose Grundeinkommen ohne Risiko ist. Aber auf alle offen bleibenden Fragen seien kluge Antworten möglich. Das Grundeinkommen sei lediglich das Instrument zur Umsetzung politischer Entscheidungen. Es sei im Kern nichts anderes als eine fundamentale Steuerreform. Es bündele alle sozialpolitischen Maßnahmen in einem einzigen Instrument. ++ (so/mgn/07.12.16 – 334)

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