Monsantos schwarze Kritiker-Listen

Düsseldorf/Leverkusen, 14. Mai 2019 (ADN). Es ist damit zu rechnen, dass das amerikanische Unternehmen Monsanto in nahezu allen EU-Mitgliedsländern schwarze Listen angelegt hat. Darauf sollen vor allem Journalisten, Politiker und Umweltaktivisten stehen. Das teilte laut „Handelsblatt“ vom Dienstag der neue Chef-Lobbyist des Bayer-Konzerns, Matthias Berninger mit. Bei dem betreffenden Vertrag von Monsanto mit der Agentur Fleishman Hillard habe es sich um einen europaweiten Auftrag gehandelt.

Die Vorwürfe gegen den Glyphosat-Hersteller waren am Wochenende in Frankreich bekannt geworden. Der Chemie. und Pharmakonzern habe im Jahr 2016 eine Liste mit Einzelheiten über 200 Personen geführt. Ziel sei es gewesen, Gegner zu beeinflussen. Zu den prominentesten Eintragungen habe der Name der früheren französischen Umweltministerin Segolene Royal. Die Liste enthält nach Medienangaben persönliche Daten, Charakteristika und Empfehlungen, wie Monsanto und seine PR-Berater mit den Kritikern umgehen sollen. Dabei sollen manche Personen als „unbelehrbar“ oder mit dem Etikett „muss umerzogen werden“ versehen worden. In der Mehrzahl  handelt es sich bei den registrierten Personen um Gegner des Pflanzenschutzmittels Glyphosat, das unter Krebsverdacht steht.

Nach den Worten von Berninger lehnt das deutsche Unternehmen Bayer, das kürzlich den in USA ansässigen Konzern Monsanto für eine hohe Milliarden-Summe gekauft hat, eine solche Praxis ab. Er werde für maximale Transparenz und Aufklärung sorgen.  Der zur Grünen-Partei gehörende Berninger war zu Jahresbegin die Leitung des neugeschaffenen Bereichs Public Affairs und Nachhaltigkeit bei Bayer übertragen worden. Er war lange Zeit als Mitglied des Deutschen Bundestages, als Staatssekretär und später beim Schokoladenhersteller Mars beschäftigt. ++ (ch/mgn/14.05.19 – 132)

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Kumpanei zwischen Medien und Politik – Journalisten können Polizei nicht von Staatsanwaltschaft unterscheiden

Leipzig, 12. April 2016 (ADN). Es gibt teilweise ein Kartell zwischen Medien und Politik. Diese Kumpanei wird sogar eingestanden. Das sagte der Leiter des Korrespondentenbüros der Wochenzeitung „Die Zeit“ in Dresden, Stefan Schirmer, am Dienstagabend in Leipzig bei einer Podiumsdiskussion zur Zukunft des Enthüllungsjournalismus. Es müsse mehr kritische Medienmagazine geben wie das vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) produzierte Format ZAPP. Zur versteckten und kaum übersehbaren Abhängigkeit des Journalismus von wirtschaftlichen Interessen verwies Schirmer auf ein aktuelles Beispiel. So richte der deutsche Pharmakonzern Bayer an der Universität Köln eine Stiftungsprofessur für investigativen Journalismus ein. Ähnliches vollziehe sich auch im Ausland. In den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) zeige sich das bereits erreichte Ausmaß. Dort habe das Mäzenatentum für mediale Projekte inzwischen eine Unterstützungssumme von einer Milliarde US-Dollar erreicht. Das solche Assoziationen auch in Deutschland entstehen, bemerkte Prof. Volker Lilienthal vom Institut für Journalistik und Kommunikationswissenschaft  der Universität Hamburg. Einem internen Aufruf zur Unterstützung des kritischen Journalismus an Stiftungen, von denen es in Deutschland rund 1.000 gibt, seien bislang tatsächlich nur acht gefolgt. Nach seiner Meinung können Stiftungen ohnehin nicht die Finanzprobleme in diesem Bereich lösen. Das gute alte „Abo“ sei wohl hilfreicher. Ob Genossenschaften in Betracht kommen und zweckmäßig sind, bezweifelt Lilienthal. Der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes (DJV), Prof. Frank Überall, verwies auf den Auto- und Reisejournalismus, der fast durchgängig von ökonomischen Interessen geprägt ist. Dort handelt es sich einmal mehr um Fernsteuerung, sondern um direkte Einflussnahme von Seiten der betreffenden kommerziellen Branchen.

Einvernehmen fand die Feststellung, dass der investigative Journalismus auserlesenes und hochqualifiziertes Personal benötigt. Es wachse nicht auf den Bäumen und seine Ausbildung brauche Zeit. Darin bestehe ein Hauptmangel. Der Tatbestand, dass viele junge Journalisten nicht einmal die grundsätzlichen Unterschiede zwischen Polizei und Staatsanwaltschaft kennen, belege schlaglichtartig bestehende substanzielle Mangelerscheinungen im Medienbereich. ++ (me/mgn/12.04.16 – 103)

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