Gedenken an Zwangsumsiedlungen aus dem DDR-Sperrgebiet

Erfurt, 6. Oktober 2016 (ADN). Thüringer Schüler erinnern am Donnerstag in Erfurt an die vor 55 Jahren begonnenen Zwangsaussiedlungen von  mehr als 12.000 Menschen aus dem ehemaligen DDR-Sperrgebiet. Die unter dem Decknamen „Kornblume“ von 1952 bis 1961 laufenden Umsiedlungen betrafen politisch kritische Bürger oder Familien, die in unmittelbarer Nähe der Demarkationslinie zwischen DDR und BRD wohnten und als Unsicherheitsfaktoren bewertet wurden. 

Bei der Veranstaltung in und vor der Thüringer Staatskanzlei wurden von den Jugendlichen aus Apolda, Bad Salzungen, Breitenworbis, Eisenach und Erfurt mehr als 9.000 aus Papier gebastelte Kornblumen zu einem Blumenfeld zusammengesteckt. Anwesend waren Zeitzeugen, die aus eigener Anschauung und eigenem Erleben über das traurige Kapitel DDR-Geschichte berichteten. Zur Sprache kamen auch ähnliche in der Gegenwart existente Phänome, deren Zwangscharakter geflissentlich verschleiert wird. ++ (zw/mgn/06.10.16 – 272)

http://www.adn46.wordpress.com, http://www.adn1946.wordpress.com, e-mail: adn1946@gmail.com, Redaktion: Matthias Günkel (mgn), adn-nachrichtenagentur, SMAD-Lizenz-Nr. 101 v. 10.10.46

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Berlins Humboldt-Forum ohne Sinnstiftung und inhaltliche Konturen

Berlin, 29. März 2016 (ADN). Der Baufortschritt am Berliner Humboldt-Forum ist sichtbar. Aber je näher die Fertigstellung der Gebäudesubstanz rückt, um so diffuser sind die Vorstellungen über Sinn und Inhalt dieses Bauwerks. Besonders nachdrücklich verdeutlicht das die „Berliner Zeitung“ am Dienstag. Es werde zwar über den Bau diskutiert, aber nicht über den Inhalt. In einem ausführlichen Interview äußerte sich der Chefkurator des Humboldt-Forums, Paul Spies, zur 1999 entstandenen Idee, die ethnologischen Museen  in den Schloss-Nachbau umzuziehen, reserviert bis äußerst skeptisch: „Für die ethnologischen Museen war das klug, sie haben jetzt eine AAA-Location. Von diesem Moment an hätte die Ideenfindung beginnen müssen. Ich finde auch, es ist spät. Die Frage ist nur: Ist es zu spät ?“ Das Humboldt-Forum müsse erklärt werden als Gedanke, über Alexander von Humboldts Idee des Kosmos beispielsweise. Nun werde untersucht ob bis Juli eine gemeinsame Botschaft mit allen Partnern zustandekommt. „Machen die anderen nicht mit, müssen wir uns auf uns selbst konzentrieren. Dieses Positivum sei dem Motto „Welt.Stadt.Berlin“ abzuringen. Deshalb seien die Inhalte immer wieder zu aktualisieren. Wenn sich das Humboldt-Forum kontemporären Themen widmet, würde es jetzt um Terrorismus, Angst, Migration, Populismus oder Islam gehen.

Spies nannte den Termin vor zwei Wochen seltsam, als er zusammen mit der Gründungsintendanz unter Leitung des Briten Neil MacGregor die Pläne für das Humboldt-Forum der Öffentlichkeit präsentieren sollten. „Eigentlich hätte sich die neu gegründete Kultur Betriebs GmbH, die alles Organisatorische übernimmt, vorstellen müssen,“ erklärte der erfahrene Kulturmacher aus den Niederlanden.

Bei so viel versprühtem Nebel wird immer wieder die Vermutung laut, dass starke politische Kräfte krampfhaft nur nach einem Grund suchten, um den 1976 errichteten Palast der Republik abzureißen. Letztlich wird dieser Verdacht durch einen Bericht im Lokalteil derselben Ausgabe genährt, in dem über Besucherrundgänge durch den Rohbau informiert wird. Zitiert wird der eigens angereiste Bürgermeister der thüringischen Kreisstadt Bad Salzungen, Klaus Bohl: „Der Palast der Republik war als zentraler Ort der untergegangenen DDR durchaus erhaltenswert.“. ++ (ar/mgn/29.03.16 – 089)

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