Einwandern in Wunsch-Staat kein allgemeines Menschenrecht

Berlin, 15. Juli 2018 (ADN). „Wir dürfen nicht den Eindruck erwecken, als gebe es ein allgemeines Menschenrecht, das da lautet: Wir wandern jetzt in einen Staat unserer Wahl ein“. Das stellte der Berliner Historiker Hermann-August Winkler am Sonntag in einem Interview mit dem Deutschlandfunk klar. Die Rettung von Menschenleben verpflichte nicht dazu, Menschen in die EU einwandern zu lassen. Wer diese Botschaft nach Afrika sende, handle nicht moralisch, sondern verantwortungslos. „Es wäre Selbstüberhebung zu meinen, man könne auf deutschem, französischem oder britischem Boden die Menschenrechte für alle Welt verwirklichen,“ urteilte Winkler. Er rief Deutschland dazu auf, sich nicht als moralische Leitnation Europas zu gebärden. Das sei leider immer wieder geschehen, auch wegen eines deutschen Kompensationsbedarfs aufgrund der Geschichte. Andere Staaten seien da deutlich nüchterner.

Die Europäische Union (EU) muss nach den Worten von Winkler etwas tun, um objektiven Fluchtursachen entgegenzuwirken. Das betreffe die europäische Agrarpolitik und die Entwicklungshilfe. Dazu gehöre auch, die Hintergründe anzusprechen, die häufig nicht thematisiert werden: die grassierende Überbevölkerung in fast allen afrikanischen Länder, der Mangel an „gutem Regieren“ und die Korruption. ++ (mi/mgn/15.07.18 – 177)

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Neuer Sonderforschungsbereich „Macht und Herrschaft“

Bonn, 23. Juni 2016 (ADN). Der Bewilligungsausschuss der  Deutschen Forschungsgemeinschaft hat die Förderung von zwei neuen Sonderforschungsbereichen (SFB) ab Juli dieses Jahres beschlossen. Eines der in den nächsten vier Jahren begünstigten Forschungsfelder steht unter dem Titel „Macht und Herrschaft“. Phänomene dieser beiden Aspekte werden im Vordergrund der an der Universität Bonn verorteten wissenschaftlichen Arbeit stehen. Die Forscher beleuchten insbesondere die Zeit der Vormoderne vor dem Jahr 1800 in Asien, Europa und im nördlichen Afrika. Nach den Worten des SFB-Leiters dieses Vorhabens, Prof. Matthias Becher, geht bei den Untersuchungen beispielsweise um das Verhältnis von Konflikt und Konsens der herrschenden Eliten in historischen Abschnitten, in denen das Volk nicht einbezogen war und als Gefolgschaft zu funktionieren hatte. In Deutschlang sei in diesen Phasen der Geschichte die Herrschaft dezentral organisiert gewesen. Dagegen habe es in Japan bis zum 10. Jahrhundert ein zentrales Reich gegeben, das sich dann auflöste. Diesbezüglich wird ein Japanologe die Schlüsselposition der Agrarpolitik analysieren. Ermunterungen zum Ackerbau und Untersuchungen zu Bewässerungssystemen spielten im damaligen Japan eine zentrale Rolle. Auch den Einfluss von Ratgebern und von Herrschergemahlinnen soll beleuchtet werden. Vorgesehen ist auch, ein Spiegelbild der seinerzeitigen Herrschaftsverhältnisse in Architektur und Kunstgeschichte  zu formen. ++ (ge/mgn/23.06.16 – 168)

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