EU-Brüssel mit „anarchistischer Kindergruppe“ verglichen

Brüssel/Köln, 10. Dezember 2017 (ADN). „Wir befinden uns in Brüssel in einer anarchistischen Kindergruppe“. So charakterisierte der ARD-Hörfunkkorrespondent bei der Europäischen Union (EU), Ralph Sina, am Sonntag in der traditionsreichen journalistischen Diskussionsrunde „Internationaler Frühschoppen“ im Fernsehsender „Phoenix“ das europapolitische Establishment. Diese Charakteristik sei insbesondere angebracht angesichts der in Osteuropa herrschenden fröhlichen Anarchie und der fortschreitenden Erfolge der Alternative Für Deutschland (AfD), von Marie le Pen und anderen rechtslastigen Politikgruppen. Ungarns immer mehr zu autoritärem Vorgehen neigende Ministerpräsident Viktor Orban lasse sich einen Volksentscheid über die Flüchtlingsfrage 50 Millionen Euro kosten. Das sei mehr als die Briten für das Brexit-Referendum ausgegeben haben. Europa habe gegenwärtig eine Revolution, und zwar eine Flüchtlingsrevolution. Dazu benötige Deutschland eine klare Position, habe sie aber nicht. In dem Gedankenaustausch unter der Fragestellung „Führungslos in stürmischen Zeiten – Legt Berlin Europa lahm ?“ ergänzte Sabine Adler vom Deutschlandfunk, dass eine deutsche Minderheitenregierung schlecht sei, weil sie Hinterzimmerpolitik bedeutet.

In der anschließenden Zuschauerbefragung wies Sabine Kühn aus Hamburg darauf hin, dass die ständigen Missverständnisse darauf zurückzuführen sind, dass die Begriffe Europa und Europäische Union (EU) immer durcheinandergebracht werden. Es würden dabei Länder vereinnahmt, die nichts mit der EU zu tun haben. Die Medien, die eigentlich diesbezüglich für Klarheit sorgen müssten, beförderten diese Verwirrungen noch zusätzlich. ++ (eu/mgn/10.12.17 – 355)

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Sammelklage von 15.374 VW-Kunden

Braunschweig, 9. Dezember 2017 (ADN). Die deutschen Regierungen sind seit mehr als 20 Jahren die größten Bremser der europäischen Sammelklage. Dagegen wird nun aus den USA Front gemacht. Im Falle des von deutschen Autokonzernen ausgelösten Abgasskandals hat die US-amerikanische Rechtsanwaltskanzlei Hausfeld im Interesse von 2,4 Millionen VW-Kunden in Deutschland eine Initiative vor dem Landgericht Braunschweig ergriffen. Wie der Deutschlandfunk am Sonnabend weiter berichtet hat Anwalt Christopher Rother, Vertreter der Hauschild Depandance in Berlin, eine Sammelklage von 15.374 VW-Kunden eingereicht und Entschädigungszahlungen eingefordert. Nach Auffassung der Stiftung Warentest haben nun deutsche Verbraucher eine echte Chance, Forderungen gegen große Unternehmen ohne Prozesskostenrisiko geltend zu machen. 

Das Rechtsmittel der Sammelklage wurde vor 50 Jahren in den USA eingeführt, um Verbraucher besser zu schützen. ++ (ju/mgn/09.12.17 – 354)

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Unwirksame Medikamente gegen Erkältung

München, 8. Dezember 2017 (ADN). Nach Auffassung des Herausgebers des „arznei-telegramms“ Wolfgang Becker-Brüser sind die meisten Medikamente gegen Erkältung unwirksam. Manche schaden sogar. Das geht aus einer Sendung des Fernsehsenders „3sat“ vom Freitag hervor. Dirk Bäumel, Münchner Kräuterhändler, schwört auf Naturmittel. 

das „arznei-telegramm“ gehört zu einer Gruppe von Medizinpublikationen, die zur weltweiten Vereinigung der industrieunabhängigen Arzneimittelzeitschriften ISDB gehören. Dazu zählt das Zwei-Monatsmedium „Gute Pillen – Schlechte Pillen“. In seiner jüngsten Ausgabe schreibt es: „Studien zu neuen Arzneimitteln, die mit richtigen Patienten – und nicht im Labor – gemacht werden, sind extrem wichtig. Es ist jedoch längst erwiesen, dass solche klinischen Studien günstiger für das untersuchte Präparat ausfallen, wenn sie von der pharmazeutischen Industrie gesponsert sind, und eben nicht Pharma-unabhängig durchgeführt werden.“ ++ (mz/mgn/08.12.17 – 344)

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Bertold Beitz als langjähriger BND-Vertrauter enttarnt

München, 7. Dezember 2017 (ADN). Aus dem privaten Nachlass des Gründers und ersten Chefs des Bundesnachrichtendienste (BND), Reinhard Gehlen, sind Dokumente aufgetaucht, die enge Verbindungen zwischen dem bundesdeutschen Auslandsgeheimdienst und einem der herausragendstenen Wirtschaftsmanager der frühen Bunderepublik Deutschland, Berthold Beitz, nachweisen. Darüber berichtet am Donnerstag die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ), der Teile der Akten zugespielt worden sind. Sie zeugen von äußerst intensiven Kontakten des Generalbevollmächtigten des Krupp-Konzerns zum BND.

Die SZ beschreibt sie folgendermaßen: „Der mächtige Konzernchef Beitz, der 2013 kurz vor seinem 100. Geburtstag starb, ist eine der zahlreichen, streng geheimen ‚Sonderverbindungen‘, die Gehlen und sein Dienst mit Politikern, Journalisten und allen möglichen einfluss- oder wenigstens kenntnisreichen Personen pflegten. Im BND-Hauptquartier in Pullach  wurde der jagdbegeisterte Beitz unter dem Decknamen ‚Falk‘ geführt, die Kontakte mit ihm sind auf vielen hundert Seiten dokumentiert. Zum größten Teil handelt es sich dabei um politische Einschätzungen, die Beitz von einem Journalisten für sich erstellen ließ und die sogleich nach Pullach weitergereicht wurden.  Dazwischen finden sich zahlreiche Vermerke, Treffberichte, Einschätzungen, Briefe.  Man kennt sich, man versteht sich bestens.“ Beim Krupp-Archiv sei, so die SZ, über die ausgreifende Nebentätigkeit von Beitz für den Geheimdienst nichts bekannt.  ++ (mi/mgn/07.12.17 – 343)

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Odyssee der Automobil-Formgestaltung in der DDR nach dem „Offenen Prinzip“

Leipzig, 6. Dezember 2017 (ADN). Deutschland hat bereits jetzt seinen ökologischen Fußabdruck ausgetreten. Wenn die Deutschen und andere Industrestaaten mit der Plünderung der natürlichen Ressourcen so weiter machen, bräuchtes es zwei oder drei solcher Planeten. Diese traurige Wahrheit verkündete Prof. Karl Clauss Dietel am Mittwoch vor Studenten der Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) zum Abschluss eines beeindruckenden Vortrags über die historische Entwicklung des Fahrzeugbaus in Ostdeutschland und in der DDR. Der in der DDR maßgebliche Formgestalter und ehemalige Präsident der Akademie der Bildenden Künstler beschrieb die vorwärtsweisenden Bemühungen der ostdeutschen Fahrzeugindustrie, um Produkte von hohem Gebrauchswert und möglichst langer Lebensdauer zu entwerfen und herzustellen. „Das waren völlige Gegensätze dessen, was weltweit üblich war. Die westliche Welt konzipierte eine Automobilproduktion, die auf möglichst schnelles Verschleißen, Altern und Wegwerfen ausgerichtet war“, kritisierte Dietel scharf. Exemplarisch analysierte der prominente und vielfach ausgezeichnete Künstler und Designer das ungeheuer mühselige und doch hoch innovative Zusammenspiel zwischen den Formgestaltern, den Entwicklern im Musterbau der DDR-Fahrzeugindustrie und deren Serienproduktionen. Um Effizienz zu gewährleisten, hätten „die Werke mit jedem halben Pfennig gerechnet“. Das war nur mit einem kontinuierlichen Durchhalten eines „Offenen Prinzips“ zu garantieren, bei dem Grundmuster stets variierbar und ergänzbar waren bis hin zur Endfertigung. Auch für die spätere Nutzung galt das, indem das Fahrzeug leicht erneuerbar und reparabel war. Das wurde in allen Sektoren des Fahrzeugbaus praktiziert. Im Vergleich der Sparten ist es beim Bau von Lastkraftwagen (LKW) und Personenkraftwagen (PKW) weniger konsequent gelungen. Am erfolgreichsten wurde das „Offene Prinzip“ bei der Entwicklung und Produktion von Motor- und Kleinkrafträdern in Suhl und Zschopau durchgesetzt. Teilweise gelang das weit über das Ende der DDR hinaus. Dass zahlreiche Fahrzeugentwicklungen sehr häufig abrupt abgebrochen worden sind, war fast durchweg politischen Entscheidungen der DDR-Führungsspitze geschuldet.

Dietel erläuterte seine kreative Tätigkeit, in der Bauhaus-Ideen eine dominierende Rolle spielten, anhand seit Jahrtausenden üblicher menschlicher Gewohnheiten. So wurde der Autositz und die Innengestaltung der Fahrzeuge streng an der Sitzweise der Benutzer orientiert. Daran habe sich vom Altägypter Echnaton vor 5.000 Jahren über Goethe vor 300 Jahren bis zum modernen Gegenwartsmenschen nichts Gravierendes geändert. Dietel wies auch auf die großen Traditionen der ostdeutschen Fahrzeugindustrie hin. Immerhin seien 90,5 Prozent der gesamten deutschen Fahrzeugproduktion im Jahr 1938 auf ostdeutschem Gebiet entwickelt und produziert worden. ++ (kf/mgn/06.12.17 – 342)

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Friedensnobelpreis von Rüstungsindustrie gesponsert

Stockholm/Berlin, 5. Dezember 2017 (ADN). Die Berliner Organisation Facing Finance hat der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) empfohlen, den ihr zuerkannten diesjährigen Friedensnobelpreis nicht anzunehmen. Als Begründung wird ausgeführt, dass die Erträge der Alfred-Nobel-Stiftung teilweise aus Investitionen in Rüstungsunternehmen stammen. Darüber informiert die auf Stiftungsrecht spezialisierte Anwaltskanzlei Winheller aus Frankfurt am Main. Eine solche Finanzierung widerspreche sich jedoch selbst, denn die Auszeichnung und das mit ihr verbundene Preisgeld in Höhe von rund 950.000 Euro werde ausdrücklich für besondere Verdienste um die Erhaltung des Friedens verliehen.

Die Vorwürfe basieren auch auf dem jüngsten Jahresbericht von Facing Finance norwegischer Partnerorganisation Framtiden aus dem Jahr 2016. Danach profitiert die Nobel-Stiftung über Fonds von Rüstungsfirmen. Zu ihnen zählen der „RAFI US Index“ und der „RAFI Europe Index“. Unter deren Dach sind die Rüstungssparten der amerikanischen Konzerne Boeing, Lockheed, Martin und Raytheon zu finden. Aus Europa sind BAE Systems und Airbus beteiligt. Diese Unternehmen nehmen an Atomwaffenprogrammen teil. Zudem hat die Nobel-Stiftung über den „T Rowe Mid Cap Fonds“ in den USA-Waffenhersteller Textron investiert. Textron liefert dem US-Nuklearwaffenprogramm zu und produziert Streumunition, die von 119 Staaten der Welt geächtet wird.

Aus der Nobel-Stiftung in Stockholm verlautbart inzwischen, dass nach alternativen Fonds gesucht wird. Zudem gebe es nunmehr klare Richtlinien hinsichtlich Ethik und Nachhaltigkeit. Neuinvestitionen, die internationalen Konventionen zuwiderlaufen, würden nicht mehr getätigt.  Unterdessen hat eine Sprecherin des Nobel-Komitees mitgeteilt, dass die Vertreter der Atommächte USA, Großbritannien und USA ihre Teilnahme an der für nächsten Sonntag vorgesehenen Verleihung des Friedensnobelpreises aus politischen Gründen abgesagt haben. ICAN hatte am Zustandekommen des UNO-Vertrages zum Atomwaffenverbot mitgewirkt, den die drei Nuklearstaaten USA, Großbritannien und Frankreich nicht mittragen. ++ (nb/mgn/05.12.17 – 341)

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Paulus war erster Botschafter der Toleranz – Zentrum zum Verknüpfen von Glaube und Wissenschaft

Leipzig, 4. Dezember 2017 (ADN). Sollte es gelingen, Glauben und Wissen so zu verbinden, dass sich Geist und Freiheit ungehindert entfalten können, dann dürfte das Paulinum seine Zweckbestimmung nicht verfehlen. Das erklärte zum Abschluss seiner Festrede Prof. Volker Gerhardt am Montag In Leipzig. Zuvor hatte der Berliner Philosoph auf einer akademischen Festveranstaltung die Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig in dem neueröffneten „Paulinum – Aula und Universitätskirche St. Pauli“ im Leipziger Zentrum entgegengenommen. In seinem Festvortrag stellte der Ausgezeichnete das Verhältnis von Glauben und Wissen in den Vordergrund. An der Person des Heiligen Paulus, des Namensgebers für die wiedererrichtete Universitätskirche, analysierte Gerhardt zentrale Schlüsselpositionen. „Ein Glaubensbekenntnis ist keine wissenschaftliche Theorie. Glaube ist, Feststehen in dem, was man erhofft“. Glaube habe die Besonderheit, durch und durch persönlich zu sein. Der Apostel Paulus habe seine Ansichten auf dem platonischen Erbe in der griechischen Philosophie gegründet. Nicht nur den Heiden , sondern auch den Juden, zu denen er zuerst bis zu seiner Bekehrung selbst gehörte, war Paulus der erste Botschaft der Toleranz, betonte der Ehrendoktor der Universität Leipzig. Als Ausgangspunkt für seine religionsphilosophischen Ausführungen hatte Gerhardt den Werbeslogan eines großen schwedischen Möbelhauses gewählt: „Weißt Du schon oder glaubst Du noch ?“ 

Anschließend wurde der jährliche Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) für hervorragende akademische Leistungen und außergewöhnliches soziales Engagement verliehen. Die Auszeichnung ging an die 21jährige Spanierin Itziar Aldecoa Tamayo. Sie studiert in Leipzig seit 2014 im International Physics Studies Program und arbeitet in dem gemeinnützigen Projekt „NAWEI“ mit. Im Mittelpunkt steht dabei ein globales alternatives System für Natur und Umwelt, erläutert die junge Frau. Dabei gehe es auch um einen nachhaltigen und solidarischen Lebensstil. ++ (wt/mgn/04.12.17 – 340)

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