„Großmütter von der Plaza de Mayo“ fanden bislang 120 geraubte Enkel

Buenos Aires, 15. Juni 2016 (ADN). Die „Großmütter von der Plaza de Mayo“ haben seit Bestehen ihrer vor 40 Jahren gegründeten Menschenrechtsorganisation knapp 120 ihrer vermissten und geraubten Enkelkinder gefunden. Wie der Deutschlandfunk am Mittwoch in einem längeren Bericht weiter mitteilt, hat die Einrichtung einer Gen-Datenbank bei der Ermittlung der nahen Verwandten wichtige Weichen gestellt. So brachte ein Gentest auch für diePräsidentin der Vereinigun g, Estela de Carlotto, vor fast zwei Jahren die Gewissheit über das Wiederauftauchen ihres 35 Jahre zuvor geborenen Enkels. Der Sender zitiert die hochengaierte Frau: „Meine Tochter war schwanger, als sie entführt wurde. Ihren Mann haben sie gleich umgebracht. Sie selbst blieb am Leben, bis ihr Kind auf die Welt kam. Mutter und Kind blieben nur ein paar Stunden zusammen. Zwei Monate nach der Geburt wurde dann auch Laura umgebracht. Wir hatten immerhin das Privileg, in Anführungszeichen, dass sie uns ihren Leichnam übergaben. Denn viele andere wurden bis heute nicht gefunden. So konnten wir trauern und sie begraben. Noch an ihrem grab habe ich Laura versprochen, Gerechtigkeit für sie und ihre Freunde zu fordern. Und ihr Kind zu suchen.“ Es gelang letztlich nach langwierigen und komplizierten Recherchen. Guido de Carlotto oder Ignacio Hurban, wie der 38jährige sich selber nach wie vor auch nach Klärung seiner wirklichen Identität nennt, war 400 Kilometer entfernt in Olavarria bei einfachen Bauern aufgewachsen. Nach seiner Geburt war er ihnen einfach zugewiesen worden, um ihn aufzuziehen. Er ist der 114. Enkel, den die „Großmütter von der Plaza de Mayo“ ausfindig machen konnten. Seither sind fünf weitere hinzugekommen. Schätzungen zufolge sind rund 500 Kinder auf solche Weise während der Zeit der Militärdiktatur verschwunden.

„Die Großmütter von der Plaza de Mayo“ wurden gegründet als Reaktion auf den Staatsstreich vom 24. März 1976 in Argentinien. Eine Diktatur aus Zivilisten und Militärs hatte die verfassungsmäßige Regierung abgesetzt und die Macht übernommen. Erklärtes Ziel war, dass der Reichtum des Landes an sie überschrieben werden sollte. Dazu planten sie Tausende Menschen zu entführen und zu ermorden. Dabei verschwanden Kleinkinder und Säuglinge in einer einzigartigen Operation.  Zwischen 1976 und 1983 ließen die Militärs und ihre Komplizen im ganzen Land bis zu 30.000 Menschen einfach verschwinden. ++ (ge/mgn/15.06.16 – 160)

http://www.adn46.wordpress.com, http://www.adn1946.wordpress.com, e-mail: adn1946@gmail.com, Redaktion: Matthias Günkel (mgn), adn-nachrichtenagentur, SMAD-Lizenz-Nr. 101 v. 10.10.46

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